Kinder bedeuten Einschnitt in Erwerbsbiografie

Eltern gehen mit Kind am Arm spazieren

Obwohl immer mehr Frauen arbeiten gehen und eine weitgehend gleichberechtigte Partnerschaft leben wollen, ist die Geburt eines Kindes für viele immer noch ein herber Einschnitt in ihre Erwerbsbiografie.

Forschungsergebnisse des Unternehmens Instant Offices zeigen, dass zwar einerseits die Zahl der berufstätigen Mütter in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen hat. Dennoch kehren viele Mütter nur in Teilzeit und mit hohen Einkommensverlusten verbunden in den Job zurück. Und weil die Mehrheit auf eine klassische Teilzeitstelle wechselt, verdienen Frauen im Schnitt 61 Prozent weniger als vor der Geburt ihres Kindes, so die Untersuchung.

Befragt wurden mehr als 19.000 Mütter. Demnach kehrten nur 18 Prozent von ihnen nach dem Mutterschutz und/oder einer darin anschließenden Elternzeit in Vollzeit zurück, 20 Prozent gingen in Teilzeit zurück, 19 Prozent wechselten wegen der Unvereinbarkeit den Arbeitgeber und der Rest blieb ganz zu Hause. Schuld ist oft das überhöhte Mütterideal, das in Deutschland nach wie vor vorherrschend ist.

Flexibilisierung eine Lösung?

Der Auftraggeber der Studie ist ein Unternehmen, das sich auf die Ausstattung von Workspaces und flexiblen Arbeitskonzepten spezialisiert hat. Freilich ist die Empfehlung des Auftraggebers daher von einem bestimmten Interesse geleitet und lautet: Coworkingräume für Frauen weiterentwickeln und Arbeit stärker zu flexibilisieren, um eine Vereinbarkeit zu ermöglichen.

Allerdings ist dieser Vorstoß nicht ganz ohne Risiken verbunden: Studien der Hans-Böckler-Stiftung etwa zeigen, dass gerade flexible Arbeitsmodelle Frauen erst Recht in die Teilzeitfalle und Karrieresackgasse locken.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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