Arbeiten Deutsche wirklich zu wenig?

Frau sitzt mit Laptop auf den Beinen am Pool

Nur 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nutzten 2025 ihren Urlaub vollständig. Neue Daten zeigen: Die Arbeitszeitdebatte greift zu kurz – entscheidend ist, wie Arbeit und Erholung genutzt werden.

Arbeiten Menschen in Deutschland tatsächlich zu wenig? Ein Blick auf die Urlaubsnutzung der letzten zwölf Monate zeigt ein anderes Bild. Laut einer Analyse der globalen HR- und Payroll-Plattform Deel verzichteten 2025 viele deutsche Beschäftigte auf Teile ihres Urlaubs. Nur 43 Prozent nutzten ihren Anspruch vollständig.

Der Verzicht auf Urlaubstage ist kein Randphänomen. Zwar schöpfen 75 Prozent der Beschäftigten mindestens 80 Prozent ihres Urlaubs aus, doch nur eine Minderheit nahm alle Tage. Die Daten legen nahe: Die Debatte, ob in Deutschland mehr gearbeitet werden muss, greift zu kurz. Wichtiger ist, wie Arbeitszeit genutzt wird.

Deutschland ist Spitzenreiter im europäischen Vergleich

Irrtümer und Mythen rund ums Arbeitsrecht“In der aktuellen Debatte über Arbeitszeit lohnt sich ein genauer Blick auf die tatsächliche Nutzung von Urlaub”, sagt Max Lux, Country Lead DACH bei Deel. “Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Beschäftigten in Deutschland nutzt ihren Urlaubsanspruch nicht vollständig. Vor dem Hintergrund der Produktivitätsdebatte ist das ein bemerkenswerter Befund: Er deutet darauf hin, dass die Frage nach Arbeitsleistung nicht allein über die Anzahl der geleisteten Stunden beantwortet werden kann. Mindestens ebenso aufschlussreich ist der Blick darauf, wie Arbeit im Alltag organisiert und genutzt wird.”

Ein Blick ins Ausland zeigt zudem Unterschiede in der Urlaubsgewohnheit. Deutsche bevorzugen längere Auszeiten. 2025 entfielen 1,8 Prozent aller Urlaubsanträge für mehr als zwei Tage auf Abwesenheiten von 16 Tagen oder mehr. In der Schweiz und Frankreich lag dieser Anteil bei 1,2 Prozent, im Vereinigten Königreich 0,6 Prozent. Nur in Österreich (2,0 Prozent) und den Niederlanden (1,8 Prozent) sind längere Urlaube ähnlich beliebt.


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Regionale Unterschiede

Auch innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede bei der Urlaubsnutzung. Der Median der genommenen Urlaubstage lag 2025 in Hamburg bei 24 Tagen. In Frankfurt am Main erreichte er mit 28 Tagen den Höchstwert. Berlin (27,75 Tage) und München (26,5 Tage) lagen im Mittelfeld. Diese Zahlen zeigen: Urlaub spiegelt nicht nur Ansprüche, sondern auch regionale Arbeitsrealitäten wider.


Europäische Vergleichszahlen

Prozentsatz des vollständig genutzten Urlaubs:

Deutschland: 43 %
Dänemark: 40,5 %
Schweiz: 39,7 %
Österreich: 35,9 %
Niederlande: 29,6 %
Belgien: 26,2 %
Frankreich: 21,5 %

Prozentsatz des zu 80 Prozent genutzten Urlaubs:

Deutschland: 75 %
Dänemark: 72,3 %
Schweiz: 67,5 %
Österreich: 66,4 %
Niederlande: 60,2 %
Belgien: 60,2 %
Frankreich: 52,3 %


Methodik
Die Analyse basiert auf anonymisierten Daten von Deel. Ausgewertet wurden die Urlaubsanträge von 1.710 Vollzeitbeschäftigten mit deutschem Arbeitsvertrag, die 2025 Urlaub beantragten. Beschäftigte mit Elternzeit von 60 Tagen oder mehr wurden ausgeschlossen. Von den verbleibenden 1.704 Personen stellte jede mindestens einen Urlaubsantrag. Berücksichtigt wurden nur reguläre Urlaubstage aus dem gesetzlichen oder vertraglichen Jahresurlaub. Feiertage, Kranktage und Sonderurlaube blieben unberücksichtigt.

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