Besserwisser und Egoisten ausschalten

Hybrid Work

Seit der Pandemie kommunizieren wir im Job fast ausschließlich über virtuelle Kommunikationskanäle. Wie wir in Videocalls mit schwierigen Kommunikationspartnern umgehen sollten, weiß Diplom-Psychologin Monika Matschnig.

Ein Gastbeitrag von Monika Matschnig

In digitalen Meetings verstärken sich (vielleicht aufgrund der fehlenden persönlichen Konfrontation mit anderen) so manche Tendenzen und Verhaltensweisen – leider oft nicht zum Guten. Da gibt es Gesprächspartner, die alles andere tun, nur nicht zuhören. Egoisten, deren Selbstdarstellung oberste Priorität hat. Denunzianten, die über alles und jeden schimpfen. Besserwisser, die immer ein Konterargument aus der Hosentasche ziehen. Zuspätkommer, die um keine Ausrede verlegen sind. Laissez-faire-Typen, die alle digitalen Knigge-Regeln unter den Tisch fallen lassen und ungeniert in Jogginghose genüsslich frühstückend während der Videokonferenz am Smartphone texten. Knallharte Verhandler, die um jeden Preis einen Deal durchsetzen möchten. Oder die Technik-Ahnungslosen, von denen man meist nur „Hört mich jemand?“ oder „Könnt ihr mich sehen?“ hört.

Für alle diese extremen digitalen Gesprächspartner sollte man gewappnet sein – und im Notfall gekonnt schlagfertig reagieren. Meist aber ist genau in dem Moment, in dem es darauf ankommt, unser Schlagfertigkeitslevel gleich null. Doch das muss nicht sein, denn Schlagfertigkeit kann man ebenso trainieren wie andere kommunikative Skills.

Einfache Schlagfertigkeitstechniken für problematische Gesprächspartner

1. Denunzianten mit Empathie entwaffnen

Hinter beißenden Bemerkungen von Kollegen oder Geschäftspartnern steckt meistens ein persönlicher Grund, der überhaupt nichts mit Ihnen zu tun hat. Neid, privater Stress, Sorgen oder Angst können Gründe sein, die Ihr Gegenüber belasten und ein fast schon bösartig wirkendes Verhalten erzeugen – was aber auch ein unbewusster Hilferuf sein kann. Die beste Taktik ist daher, sachlich zu bleiben und sich nicht zu einem fiesen Konter provozieren zu lassen. Geht es um einen Kollegen, den man näher kennt, spricht auch nichts dagegen, am besten unter vier Augen oder im Zweierchat, vorsichtig nachzufragen, wie es dem anderen zurzeit geht.

2. Ahnungslose mit Humor entwaffnen

Sie haben sich intensiv auf eine Online-Präsentation vorbereitet und wollen loslegen. Doch ein oder mehrere „Chaoten“ stehlen Ihnen erstmal die Show, weil sie die gesamte Veranstaltung mit ihrer Ahnungslosigkeit in puncto Technik beschäftigen. Ärgerlich, weil jeder dafür verantwortlich ist, sich bestmöglich vorzubereiten, auch was sein Equipment betrifft. Damit Ihre Souveränität nicht schwindet, lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Reagieren Sie stattdessen gelassen und überlegen mit Humor auf die Situation. Umso mehr entlarvt sich jeder Ahnungslose als chaotischer Laie. Wenn Sie eine Prise Humor einsetzen, sollten Sie mit deutlichen nonverbalen Signalen zeigen, dass Ihre Aussagen nicht ganz ernst zu nehmen sind. Dazu müssen Sie, vor allem wenn Sie in einem kleinen Videobild stecken, mit Ihrem Mienenspiel übertreiben. Am besten agieren Sie mit ein wenig Ironie und nehmen sich selbst auf die Schippe. Denn über sich selbst zu lachen ist eine hohe Kunst und zeugt von starkem Selbstbewusstsein.

3. Provozierer mit Schweigen entwaffnen

In einer Videokonferenz mit einigen Verbandsmitgliedern aus der Industriebranche, war auch die Assistentin eines schon etwas älteren Geschäftsführers dabei. Nachdem die Besprechung schon geraume Zeit gedauert hatte, brachte die Assistentin eine geniale Lösung für ein Problem vor. Die Reaktion ihres Chefs: „Da sieht man, dass Assistentinnen auch mehr können als nur Kaffee kochen.“ Keiner der anderen Konferenzteilnehmer fand das witzig. Im Gegenteil, es gab nur ein langes betretenes Schweigen. Dieses Schweigen war so mächtig, dass besagter Geschäftsführer sich umgehend für seine Aussage entschuldigte.


Monika Matschnig

Die Diplom-Psychologin und Körperspracheexpertin Monika Matschnig vermittelt seit 20 Jahren ihr Know-how an Führungskräfte, Politiker und Privatpersonen. Ihr aktuelles Buch „Und plötzlich ist die Kamera an…Souverän wirken in Videokonferenzen, Webinaren & Co.“ ist im GABAL Verlag erschienen.


Was lernen wir daraus? Werden Sie auf persönlicher Ebene angegriffen, dann schießen Sie nicht zurück, denn häufig führt diese Reaktion nur zu einer weiteren Eskalation. Eine deutlich elegantere Lösung ist eine souveräne Schweigeminute. Sagen Sie nichts und blicken Sie der Person dabei nur in die Augen. Das geht auch über die Kameralinse. Sie zeigen damit nicht nur enorme Größe, aus der unverschämten oder provokanten Aussage wird im Handumdrehen eine peinliche. Danach machen Sie weiter, als wäre nichts gewesen. Mit dieser Strategie disqualifiziert sich der Angreifer selbst.

4. Besserwisser mit Fragen entwaffnen

Sie zählen sowohl analog als auch digital zu den nervigsten Gesprächspartnern: notorische Besserwisser, die scheinbar zu jedem Thema unwiderlegbare Fakten aus dem Ärmel zaubern können. Dabei gibt es eine ganz einfache Kontermöglichkeit: Stellen Sie Gegenfragen. Dadurch gewinnen Sie nicht nur Zeit, um sich eine schlagfertige Antwort zu überlegen, sondern bringen den anderen in eine Rechtfertigungsposition. Schreibt beispielsweise ein Teilnehmer nach einem Webinar im Chat: „Das war nichts Neues und langweilig“, dann haken Sie zuerst nach: „Was genau meinen Sie damit?“, „Was waren Ihre Erwartungen?“ oder „Welche Inhalte haben Sie sich gewünscht?“. So gewinnen Sie auch genauere Informationen, auf die Sie reagieren können. Im Notfall kontern Sie mit einem Klassiker aus dem Repertoire der schlagfertigen Sprüche, die man bei fast jeder Beleidigung und jedem negativen Kommentar anwenden kann. Dazu gehören Aussagen wie: „Das ist Ihre Perspektive. Es gibt aber noch andere.“. Oder: „Dazu gibt es aber auch noch andere Fakten, Meinungen, Ideen.“ Haben Sie einige solche „Totschlagargumente“ parat und nehmen Sie damit einem unliebsamen Thema einfach den Wind aus den Segeln.

5. Egoisten mit Sachlichkeit entwaffnen

Stellen Sie sich vor, in einer virtuellen Teamsitzung provoziert ein Kollege Sie mit dem Vorwurf: „Ihre Vorschläge sind doch Hirngespinste.“ Höchstwahrscheinlich agiert er so, um seine eigenen Ideen in ein besseres Licht zu rücken. Spontan hat wohl jeder in so einem Moment den Impuls, sich und seine Vorschläge zu rechtfertigen. Genau das ist aber der falsche Weg, der Sie noch unsouveräner erscheinen lässt – ebenso wie ein Gegenangriff. Bleiben Sie stattdessen sachlich und gelassen: „Lassen Sie uns alle Argumente ohne Bewertung auf den Tisch legen. Danach können wir eine sachliche Entscheidung fällen.“ So schwenken Sie bewusst von der emotionalen Ebene auf die Sachebene.

Mit dem richtigen Mindset und viel Übung wird Schlagfertigkeit zum Kinderspiel

Ein Mangel an Schlagfertigkeit resultiert meist aus Unsicherheit. Allein der Gedanke „Ich bin nicht schlagfertig“ führt bei fast jedem zu einem negativen Gefühl, das dafür verantwortlich ist, dass uns im entscheidenden Moment die richtigen souveränen Worte fehlen. Arbeiten Sie also an Ihrer inneren Einstellung und Selbstsicherheit – zum Beispiel durch eine gute Vorbereitung. Legen Sie sich außerdem neben guten Argumentationen auch einen effektiven Schutzpanzer zurecht. Das heißt: Nehmen Sie verbale Angriffe nicht immer persönlich, sondern machen Sie sich bewusst, dass Konterargumentationen immer auch ein Hinweis auf Interesse sind.

Das Allerwichtigste: Entspannen Sie sich! Schlagfertigkeit hat nämlich auch viel mit Kreativität zu tun. Machen Sie sich zu viel Druck, blockieren Sie diese Kreativität – und können umso weniger schlagfertig reagieren. Erst durch eine angemessene innere Gelassenheit sind Sie in der Lage, auf bestimmte Schlagfertigkeitstechniken zurückzugreifen. In einer Stresssituation sind die ersten Reflexe Flucht oder Verteidigung, und genau diese Reflexe hindern Sie daran, spontan zu reagieren.

Bleiben Sie daher ruhig, setzen Sie sich nicht unter Druck und Sie werden sehen: Die schlagfertigen Antworten kommen wie von selbst. Schließlich muss es nicht immer die absolut perfekte Erwiderung sein. Das wichtigste Werkzeug, um Druck rauszunehmen, ist übrigens Ihre Atmung. Atmen Sie in stressigen Situationen bewusst ein und aus, schon werden Sie ruhiger.

Souveräne Körperhaltung = souveräne Wirkung

Eine simple Tatsache ist auch, dass Menschen, die bereits überzeugend wirken, bevor sie überhaupt kommunizieren, seltener angegriffen und automatisch respektvoll behandelt werden. Sie wirken gelassen, ruhig und stark und bleiben das auch in schwierigen Kommunikationssituationen. Wer hingegen unsicher erscheint, sich klein macht, verschämt wegblickt und dann noch mit zittriger Stimme spricht, kann verbale Angriffe nur schwer abwehren und wirkt beim Versuch einer schlagfertigen Reaktion höchstwahrscheinlich recht unbeholfen – nicht zuletzt aufgrund der Diskrepanz zwischen gesprochenen Worten und Ausstrahlung.

Somit gilt: Wer rhetorisch punkten möchte, muss zuerst überzeugend wirken. Doch was sind die wichtigsten Wirkungselemente, damit schlagfertige Worte auch genauso wahrgenommen werden?:

  • Körperhaltung: Richten Sie sich auf und nehmen Sie eine selbstbewusste Haltung ein.
  • Gesten: Halten Sie Ihre Hände ruhig.
  • Blickkontakt: Schauen Sie Ihren Gesprächspartner direkt an.
  • Stimme: Sprechen Sie mit sonorer Stimme und eher langsam.

Schon diese simplen Körperspracheregeln haben Einfluss auf Ihre innere Haltung und Sie werden sich automatisch selbstsicherer und stärker fühlen. Und wenn das nicht auf Anhieb klappt, vergessen Sie nicht die allerwichtigste Regel in puncto Körpersprache und Schlagfertigkeit: Üben, üben, üben! Denn es gibt nur wenige Naturtalente, denen echte Schlagfertigkeit bereits in die Wiege gelegt wurde.

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