Bewerber-Ghosting bremst den Jobwechsel

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Viele Beschäftigte erhalten auf Bewerbungen keine Antwort. Das frustriert, verhindert Jobwechsel und zeigt: Arbeitgeber müssen transparenter rekrutieren und schneller entscheiden.

Der deutsche Arbeitsmarkt verändert sich spürbar. Vor wenigen Jahren konnten Beschäftigte noch aus vielen Stellen wählen. Heute haben Unternehmen wegen des rückläufigen Angebots wieder eine deutlich stärkere Position. Das verändert auch die Bewerbungskultur. Eine aktuelle Indeed-Umfrage unter 1.000 Erwerbstätigen zeigt: Die große Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland hat zuletzt keine Antwort auf eine Bewerbung erhalten. Die Tendenz steigt. Das hat auch Folgen für Arbeitgeber.

Irrtümer und Mythen rund ums Arbeitsrecht63,5 Prozent der Befragten erhielten in den vergangenen zwölf Monaten nach einer Bewerbung keinerlei Rückmeldung vom Arbeitgeber. Bei knapp jedem Vierten, 23 Prozent, passiert das sogar regelmäßig. Das Problem verschärft sich: 78,3 Prozent der betroffenen Bewerber:innen sagen, dass dieses sogenannte Ghosting in den vergangenen zwölf Monaten zugenommen hat. 29,8 Prozent davon berichten von einer sehr deutlichen Zunahme. Entsprechend nennen 37,1 Prozent der Befragten die Aussicht auf fehlende Rückmeldungen als einen der größten Belastungsfaktoren bei der Jobsuche.

Zeitfresser und starre Prozesse

Neben mangelnder Kommunikation schreckt auch der Aufwand bei Bewerbungen ab. Als größte Hürde und Belastung nennen 41,5 Prozent den hohen zeitlichen und bürokratischen Aufwand. Dazu zählen etwa komplizierte Bewerbungsformulare, die Bewerber:innen per Hand ausfüllen müssen. Auch die Angst vor Ablehnung oder das Gefühl, sich verstellen zu müssen, ist für viele eine große Hürde. 38,9 Prozent nennen diesen Punkt.

In der Summe führt das dazu, dass fast jeder zweite Beschäftigte, 48,9 Prozent, lieber im aktuellen Job bleibt, obwohl er oder sie unzufrieden ist. 17 Prozent der befragten Beschäftigten bewerben sich aus Angst vor Stress oder Frust erst gar nicht mehr.


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Transparenz und Tempo als Schlüssel

Transparente Gehaltsangaben direkte in der Stellenanzeige würden für 63,5 Prozent der Befragten die Bereitschaft zu einer Bewerbung stark oder sehr stark erhöhen. Deutsche Firmen haben hier allerdings Luft nach oben. Derzeit erhalten nur 11,5 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland solche Angaben. Garantierte Rückmeldungen auf Bewerbungen hätten mit 63,1 Prozent einen ähnlich starken positiven Effekt.

Auch kürzere Prozesse könnten helfen. Wenn eine Bewerbung nachweislich nur wenige Minuten dauern würde, würden 31,1 Prozent der Befragten bei Interesse „ohne zu zögern“ ihre Unterlagen einreichen.

Frustration verstärkt Stagnation

Anzeige GehaltstrainingFrank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed Deutschland, ordnet die Ergebnisse ein: „Personalabteilungen stehen in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität unter erheblichem Druck. Die sich wandelnde Marktdynamik darf jedoch keine Entschuldigung für mangelhafte Rekrutierungspraktiken sein, da das Ignorieren von Bewerbern – das sogenannte Ghosting – das Vertrauen in den Arbeitsmarkt nachhaltig untergräbt.“ Er führt fort: „Die daraus resultierende Frustration verstärkt auch die Stagnation. Unzufriedene Fachkräfte bleiben aus Sorge vor den Bewerbungshürden länger in ungeeigneten Jobs. Das mindert die Gesamtproduktivität und behindert den notwendigen Wissenstransfer. Unternehmen sollten dem entgegenwirken: Einfache Maßnahmen, wie die Angabe von Gehaltsangaben in Stellenanzeigen oder eine deutliche Verkürzung der Bewerbungsprozesse, können Ungleichgewichte wirksam beheben und Talente mobilisieren.“

Für die Erhebung befragte das Marktforschungsinstitut Appinio im Auftrag von Indeed vom 9. bis 11. März 2026 insgesamt 1.000 Beschäftigte in Deutschland. Zur Zielgruppe gehörten 500 Frauen und 500 Männer im Alter zwischen 16 und 66 Jahren. Die Altersgruppen waren gleichmäßig verteilt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für diese Bevölkerungsgruppe.

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