Care-Arbeit verhindert Karrieren

Frau hängt Kopfüber in Waschmaschinentrommel

Die Care-Arbeit ist nicht nur eine Ursache für die schlechtere Bezahlung von Frauen. Sie hat auch negative Effekte auf die Karriere. Viele glauben sogar, dass sie weniger wertvoll für den Arbeitsmarkt sind.

Das zeigt eine aktuelle Glassdoor-Studie unter tausend Beschäftigten, die einen Blick auf den Gap bei der unbezahlten Care-Arbeit wirft. Frauen wenden laut einem Gutachten der Bundesregierung pro Tag im Durchschnitt 52 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Care-Arbeit auf als Männer. Für viele weibliche Beschäftigte ist nach der Arbeit noch lange nicht Feierabend – dann nämlich verrichten sie die unbezahlte Haus-und Erziehungsarbeit. Selbst dann, wenn sich Frauen die Arbeit eigentlich mit ihren Partnern teilen, verrichten sie den überwiegenden Teil der Care-Arbeit.

Was die Glassdoor-Untersuchung bestätigt. Auch hier geben nur 16 Prozent der Frauen an, dass sie die Verpflichtungen im Bereich der Sorgearbeit gleich mit ihrem Partner aufteilen. Bei den Männern ist die Wahrnehmung übrigens eine andere. Hier behaupten 27 Prozent der männlichen Befragten, dass sie hier eine Parität mit ihrer Partnerin leben.

Care-Arbeit ist wichtiger als der Job

Wir sind der Wandel-NewsletterAllerdings gibt auch ein Drittel der befragten Frauen an, dass sie sich nicht wohl damit fühlen, die Care-Arbeit an eine andere Person zu delegieren. Da die Fragestellung jedoch unklar ist, kann nicht beurteilt werden, ob sich die Frauen damit unwohl fühlen, eine dritte Person zu beschäftigen – etwa eine Haushaltshilfe. Oder ob sie es dem Partner nicht zutrauen, die Haus- und Erziehungsarbeit zu übernehmen.

Für drei von zehn (30 Proeznt) der befragten Teil- und Vollzeitangestellten ist Care-Arbeit jedoch wichtiger als ihr Job. Und mehr als ein Viertel (28 Prozent) sagt, dass sie es sich nicht leisten können, andere für die Sorgearbeit zu bezahlen. Jede und jeder Zehnte sagt außerdem, dass andere den Teil ihrer Sorgearbeit übernehmen könnten, aber die Arbeit trotzdem an ihnen selbst hängen bleibt.

Care-Arbeit hat Karrierenachteile

Am Ende zeigt sich, dass die Aufteilung der Sorgearbeit negative Effekte auf die Karriere der Frauen hat. Unter den Befragten, die den Großteil der Care-Arbeit übernehmen oder diese sogar allein stemmen, ist die Hälfte der Meinung, ihre Karriere leidet oder hat unter den Verpflichtungen im Bereich der Sorgearbeit gelitten (48 Prozent bei den Frauen und 52 Prozent bei den Männern). 54 Prozent würden sich gern mehr auf ihre Karriere konzentrieren, aber der Umfang ihrer Care-Arbeit hindert sie daran. Mehr als die Hälfte sagt außerdem, dass sie Schwierigkeiten hat, Qualifikationen und Fähigkeiten aufgrund ihrer Aufgaben im Bereich der Sorgearbeit auf dem aktuellsten Stand zu halten. All diese Faktoren führen dazu, dass 54 Prozent der Befragten glauben, sie sind weniger wertvoll für den Arbeitsmarkt – bei Frauen sind es sogar 60 Prozent.

Tina Groll

Tina Groll arbeitet hauptberuflich als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren“ aus. Sie ist Mitglied im Deutschen Presserat sowie als Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union tätig. Als Autorin von WIR SIND DER WANDEL beschäftigt sie sich mit der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik.