Ob mit Auto, Bahn oder E-Bike – unsere Wahl des Verkehrsmittels beeinflusst Alltag, Gesundheit und Umwelt. Eine neue Studie belegt: Der Arbeitsweg rückt ins Zentrum moderner Arbeitswelten.
Seit zwei Jahren erleichtert das Deutschlandticket Millionen Berufstätigen den Weg zur Arbeit. Für viele bedeutet es eine spürbare Erleichterung im Pendelalltag. Immer mehr Arbeitgeber bezuschussen das Ticket als Jobticket, um ihre Mitarbeitenden wieder häufiger ins Büro zu holen.
Dennoch bleibt der Arbeitsweg für viele eine tägliche Herausforderung: Berufstätige in Deutschland verbringen im Schnitt eine Stunde pro Tag auf dem Weg zur Arbeit – etwas mehr als der europäische Durchschnitt. Im Mittel wohnen deutsche Beschäftigte 33 Kilometer von ihrem Arbeitsort entfernt.
Doch wie bewältigen sie diese Strecke? SD Worx hat diese Frage in seiner internationalen Studie „HR & Payroll Pulse“ untersucht. Dafür befragte das Unternehmen 5.625 HR-Manager:innen und 16.000 Mitarbeitende aus 16 europäischen Ländern.
Dauerbrenner: Das eigene Auto
Weder Corona noch die Klimakrise haben daran etwas geändert: Mit 65 Prozent bleibt das Auto das beliebteste Verkehrsmittel für den Arbeitsweg in Deutschland – deutlich mehr als im europäischen Durchschnitt mit 59 Prozent. Flexibilität, Pünktlichkeit, Komfort und die Möglichkeit, ohne Umwege ans Ziel zu kommen, machen das Auto für viele unverzichtbar. Besonders in Regionen mit schwacher Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr bleibt es oft die einzige praktikable Option.
Doch dieser Komfort hat seinen Preis: Staus, Parkplatzsuche und hohe Spritkosten machen das Auto zur teuersten Pendelvariante. Hinzu kommen die hohen CO₂-Emissionen, die es zur umweltschädlichsten Wahl machen. Rund 8 Prozent der Deutschen nutzen einen Dienstwagen, der die Kosten senkt und das Auto zusätzlich attraktiv macht. Trotz aller Vorteile bleibt das Auto jedoch eine Belastungen für Umwelt und Geldbeutel.
Öffentliche Verkehrsmittel: Rückenwind durch das Deutschlandticket
Bus, Bahn, Tram und U-Bahn nutzen 15 Prozent der Berufstätigen. Zusammen mit den 7 Prozent, die mit dem Zug pendeln, ergibt sich ein Anteil von 22 Prozent für den öffentlichen Nahverkehr – leicht über dem europäischen Durchschnitt von 20 Prozent. Das Deutschlandticket hat hier Bewegung gebracht: Es schont den Geldbeutel und motiviert viele, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Zudem erlaubt es, die Fahrtzeit produktiv oder zur Erholung zu nutzen.
Doch Herausforderungen bleiben: Überfüllte Züge, Verspätungen und eine dünne Taktung außerhalb der Städte mindern die Attraktivität. Arbeitgeberzuschüsse – mehr als die Hälfte der großen Unternehmen beteiligt sich an den Kosten – fördern dennoch die Umsteigebereitschaft und treiben die Verkehrswende voran.
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Fahrrad & E-Bike
Fahrräder und E-Scooter spielen eine Schlüsselrolle für nachhaltige Mobilität und ergänzen den öffentlichen Nahverkehr. 10 Prozent der Berufstätigen in Deutschland fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit – Tendenz steigend. In Städten wie Münster, Freiburg oder Berlin, die gezielt in Radwege investieren, ist das Fahrrad längst eine echte Alternative zum Auto.
Das Pendeln mit dem Rad ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gesund: Die tägliche Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System, reduziert Stress und sorgt für Ausgleich im oft sitzenden Büroalltag.
Besonders E-Bikes gewinnen an Beliebtheit: 5 Prozent der Befragten in Deutschland nutzen ein elektrisches Fahrrad, europaweit sind es 3 Prozent. Sie ermöglichen längere oder anspruchsvollere Strecken und verbinden Nachhaltigkeit, Bewegung und Zeitersparnis – eine attraktive Option für viele Pendler:innen.
Der Arbeitsweg als Zeitfaktor
Der tägliche Arbeitsweg bleibt für viele Berufstätige in Deutschland eine erhebliche Belastung – unabhängig vom Verkehrsmittel. Wer täglich eine Stunde oder mehr unterwegs ist, verliert wertvolle Zeit für Familie, Freizeit oder Erholung. Umso größer ist der Vorteil für jene, die in Laufnähe zum Arbeitsplatz wohnen oder flexibel im Homeoffice arbeiten können. Die Wahl des Verkehrsmittels beeinflusst nicht nur die Mobilität, sondern auch Wohlbefinden, Gesundheit und Zufriedenheit. Wer den Arbeitsweg kurz hält, gewinnt Lebensqualität – und setzt ein Zeichen für bessere Work-Life-Balance.

