Die EY-Studierendenstudie 2026 zeigt: Junge Talente denken pragmatisch. Sie streben nach Karriere, gutem Gehalt und klaren Zukunftsaussichten – vor allem aber erwarten sie Arbeitgeber, die Wort halten.
Studierende in Deutschland blicken nicht mutlos in die Zukunft, aber sie tun es nüchterner. Das zeigt die EY-Studierendenstudie 2026. Die angehenden Akademiker:innen sind mehrheitlich zufrieden mit ihrer Lage, wählen ihr Studium nach Karriere- und Verdienstchancen, erwarten höhere Einstiegsgehälter – und zweifeln zugleich stärker daran, schnell den passenden Job zu finden. Diese Spannung macht die Studie für Unternehmen relevant. Sie zeigt keine Generation, die sich vom Arbeitsmarkt abwendet, sondern eine, die genau hinsieht. Sie will Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Sicherheit, aber keinen Stillstand. Gutes Geld, aber mit dem Wissen, dass nominale Gehaltssteigerungen nicht automatisch Wohlstand bedeuten.
Für die Studie wurden im März 2026 über 2.000 Studierende in Deutschland befragt. Die repräsentative Umfrage, die seit 2014 alle zwei Jahre durchgeführt wird, erlaubt nicht nur einen Blick auf die aktuelle Stimmung, sondern auch auf langfristige Entwicklungen.
Zufrieden, aber wachsam
Auf den ersten Blick wirkt die Lage stabil: Acht von zehn Studierenden sind mit ihrer persönlichen Situation zufrieden. Der Anteil der „sehr Zufriedenen“ ist seit 2024 leicht gestiegen. Seit 2020 zeigt sich ein positiver Trend. Doch das Niveau von vor der Corona-Pandemie bleibt unerreicht. Zufriedenheit bedeutet hier nicht Unbeschwertheit. Während die persönliche Lage positiv bewertet wird, blicken viele skeptisch auf Wirtschaft und Berufseinstieg. Privat stabil, beruflich wachsam, wirtschaftlich skeptisch – so lässt sich die Stimmung zusammenfassen.
Auch die Werte der Studierenden spiegeln diese Haltung wider. Familie bleibt mit 81 Prozent das wichtigste Thema, gefolgt von Freunden und sozialem Umfeld (65 Prozent). Erst danach kommen Freizeit, Sport, beruflicher Aufstieg und ein hoher Lebensstandard. Arbeit zählt weiterhin, steht aber nicht isoliert im Zentrum des Lebensentwurfs. Für Arbeitgeber ist das eine klare Botschaft: Karriere darf kein Gegenentwurf zu Privatleben und Stabilität sein. Der Job muss ins Leben passen, nicht umgekehrt.
Karriere zählt – aber anders
Die Studienfachwahl zeigt: Karrierechancen sind das wichtigste Motiv. 90 Prozent der Befragten nennen sie als entscheidend, gefolgt von guten Jobchancen (88 Prozent) und Verdienstmöglichkeiten (87 Prozent). Persönliches Interesse landet mit 85 Prozent erst auf Platz vier. Das widerspricht dem Klischee einer Generation, die Arbeit vor allem nach Sinn und Selbstverwirklichung auswählt. Die Studierenden handeln rational: Sie investieren Zeit und Geld ins Studium und erwarten berufliche Perspektiven.
Besonders in Fächern mit klaren Arbeitsmarktpfaden dominiert diese Haltung. In Wirtschaftswissenschaften nennen 96 Prozent Karrierechancen als wichtig, in Ingenieurwissenschaften und Informatik 95 Prozent, in Jura 94 Prozent. Bei den Verdienstmöglichkeiten liegt Jura mit 93 Prozent vorn, gefolgt von Wirtschaftswissenschaften (91 Prozent) und Ingenieurwissenschaften/Informatik (89 Prozent).
Berufseinstieg: Weniger Selbstverständlichkeit
Trotz Karriereorientierung schwindet die Zuversicht beim Berufseinstieg. Nur 39 Prozent der Studierenden glauben sicher, nach dem Studium schnell einen passenden Job zu finden – 2024 waren es noch 54 Prozent. Fast die Hälfte antwortet nur mit „eher ja“, 12 Prozent sagen klar „nein“. Besonders Medizinstudierende (50 Prozent) und Jurist:innen (49 Prozent) sind optimistisch, während Wirtschaftswissenschaftler:innen (33 Prozent) und Naturwissenschaftler:innen (29 Prozent) deutlich skeptischer sind.
Dieser Befund zeigt: Selbst in Fächern mit guten Arbeitsmarktchancen fehlt oft das Vertrauen. Arbeitgeber müssen mehr tun, als Chancen zu versprechen. Sie müssen diese glaubwürdig erklären, sichtbar machen und mit konkreten Einstiegswegen verbinden.
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Gehalt: Erwartungen steigen, Kaufkraft sinkt
Die erwarteten Einstiegsgehälter steigen weiter. 2026 rechnen Studierende im Schnitt mit 44.800 Euro – 1.100 Euro mehr als 2024. Männer erwarten mit 47.500 Euro deutlich mehr als Frauen (42.100 Euro). Fachlich führen Jurist:innen (49.600 Euro), gefolgt von Wirtschaftswissenschaften (48.400 Euro) und Ingenieurwissenschaften/Informatik (47.100 Euro). Am unteren Ende stehen Kulturwissenschaften (32.700 Euro) sowie Sprach- und Literaturwissenschaften (39.800 Euro).
Doch inflationsbereinigt zeigt sich ein anderes Bild: Das erwartete Gehalt von 2014 entspräche heute 46.000 Euro. Real sind die Erwartungen also gesunken. Für Arbeitgeber bedeutet das: Gehalt bleibt wichtig, aber nominale Steigerungen allein reichen nicht. Junge Talente spüren, dass ihre Kaufkraft unter Druck steht. Vergütung muss im Gesamtpaket überzeugen – mit Entwicklungsperspektiven, Sicherheit und Verlässlichkeit.
Studierenden suchen ein Gesamtpaket aus Verlässlichkeit, Entwicklung, Vergütung, Gestaltungsspielraum
Praktika und Berufserfahrung sind für 39 Prozent der Studierenden der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere. Kontakte und ein interessanter Lebenslauf folgen mit jeweils 21 Prozent. Auslandserfahrung (6 Prozent) und ehrenamtliches Engagement (5 Prozent) spielen eine untergeordnete Rolle. Die Studierenden setzen auf verwertbare Erfahrung, nicht auf Imagebausteine. Der Lebenslauf zählt, wenn er berufliche Handlungsfähigkeit belegt.
Für Unternehmen liegt hier eine Chance: Gut gestaltete Praktika und Werkstudierendenstellen prägen früh die Wahrnehmung der Arbeitgeberattraktivität. Diese Formate sind keine Nebenbühne, sondern der erste Realitätscheck. Hier entscheidet sich, ob Karriereversprechen glaubwürdig wirken.
Bei der Arbeitgeberwahl steht Jobsicherheit mit 52 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Gehalt (43 Prozent) und flexiblen Arbeitszeiten (41 Prozent). Aufstiegschancen (30 Prozent) und Nähe zum Wohnort (27 Prozent) folgen dahinter. Sicherheit zählt mehr als Geld, aber Geld bleibt wichtig. Flexibilität ist gefragt, aber nicht stärker als Stabilität. Die Studierenden suchen ein Gesamtpaket aus Verlässlichkeit, Entwicklung, Vergütung und Gestaltungsspielraum.
Jobsicherheit schlägt Gehalt
Frauen legen mit 57 Prozent noch mehr Wert auf Jobsicherheit als Männer (47 Prozent). Danach folgen bei Frauen Gehalt, flexible Arbeitszeiten und Vereinbarkeit. Männer setzen nach Sicherheit auf Flexibilität, Gehalt und Aufstiegschancen. Diese Unterschiede sind nicht dramatisch, aber relevant. Arbeitgeber müssen mehr bieten als ein einzelnes Versprechen. Sicherheit allein wirkt solide, aber nicht dynamisch. Flexibilität allein übersieht das Bedürfnis nach Stabilität.
Nur 13 Prozent der Studierenden glauben an eine Verbesserung der Wirtschaftslage, 42 Prozent erwarten Stagnation, 45 Prozent eine Verschlechterung. Frauen sind pessimistischer als Männer: 53 Prozent der Studentinnen rechnen mit einer Verschlechterung, bei den Studenten sind es 38 Prozent. Diese Skepsis erklärt, warum Jobsicherheit so stark zählt. Sicherheit ist kein Luxus, sondern Risikomanagement.
Wer Studierende gewinnen will, muss konkret werden
Die EY-Studierendenstudie 2026 zeigt eine Generation im Übergang: zufrieden mit der eigenen Lage, skeptisch gegenüber der Wirtschaft. Sie will Karriere, aber nicht um jeden Preis. Sie erwartet mehr Gehalt, sieht aber real weniger Spielraum. Sie sucht Arbeitgeber, die Sicherheit bieten, ohne Entwicklung zu blockieren.
Für Unternehmen bedeutet das: Alte Argumente greifen nicht mehr. Ein gutes Gehalt allein reicht nicht. Auch flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice überzeugen nur im Gesamtpaket. Sicherheit, Gehalt, Flexibilität, Aufstiegschancen und echte Berufserfahrung – darauf kommt es an. Wer Studierende gewinnen will, muss konkret werden. Versprechen allein genügen nicht. Verlässlichkeit entsteht dort, wo Worte und Taten übereinstimmen.

