Alle sprechen vom Wandel – doch Unternehmen übersehen eine entscheidende Lücke. Die „Future Skills Studie 2026“ erklärt, warum Weiterbildung häufig ins Leere läuft und was jetzt wirklich zählt.
Die Arbeitswelt spricht seit Jahren von Wandel: Digitalisierung, KI, Fachkräftemangel. Die Begriffe sind bekannt, die Dringlichkeit unbestritten. Doch die „Future Skills Studie 2026“ der Haufe Akademie zeigt ein unerwartet klares Problem: Nicht fehlendes Wissen über den Wandel bremst, sondern die Wahrnehmung. Genauer: eine stille, aber folgenreiche Lücke zwischen Führungskräften und Fachkräften.
Zwei Welten im selben Unternehmen
Über 1.000 Befragte aus dem DACH-Raum – 458 Führungskräfte, 606 Fachkräfte – zeichnen das Bild einer Arbeitswelt, in der beide Seiten zusammenarbeiten, aber unterschiedliche Realitäten erleben. Führungskräfte halten ihre Organisation für gut aufgestellt. Sie sehen Budgets, Programme, neue Rollen. Fachkräfte dagegen spüren Unsicherheit.
So bewerten Führungskräfte die Qualifikation ihrer Teams in Führung und Change-Kompetenz zu 73 Prozent als „gut“. Fachkräfte kommen hingegen nur auf 54 Prozent. Ähnlich klafft die Wahrnehmung bei der Weiterbildung auseinander. Führungskräfte glauben, ausreichend zu unterstützen. Doch bei den Mitarbeitenden kommt das nicht an. Nur jede dritte Fachkraft kennt ihr Weiterbildungsbudget. 42 Prozent vermuten, dass es existiert, werden aber nicht darauf hingewiesen. Diese Lücke ist kein Detail. Sie entscheidet, ob Weiterbildung wirkt – oder verpufft.
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Ein gemeinsames Ziel – theoretisch
In einem Punkt herrscht Einigkeit: Beide Gruppen erkennen die Bedeutung von Future Skills. Problemlösung, Lernkompetenz und Kommunikation stehen ganz oben. Auch bei den Hard Skills gibt es Konsens: Digitale Grundkompetenzen, Datenkompetenz und KI-Wissen gelten als zentral für die nächsten fünf Jahre.
Der Handlungsdruck ist ebenfalls klar. Mehr als die Hälfte der Fachkräfte erwartet, dass KI ihre Rolle in den nächsten zwei bis drei Jahren spürbar verändert. Führungskräfte sehen diesen Effekt noch stärker. Doch während 66 Prozent der Führungskräfte ihre Teams gut vorbereitet sehen, fühlen sich nur 53 Prozent der Fachkräfte bereit. Hier liegt der Knackpunkt: Das Wissen über die Zukunft ist da, aber es fehlt die Übersetzung in den Alltag.
Vom Angebot zur Wirkung
Die Studie zeigt deutlich, woran Weiterbildung scheitert – und was Unternehmen ändern müssen. Es mangelt nicht am Budget, sondern an Orientierung, Relevanz und Zeit.
Fachkräfte formulieren ihre Wünsche klar:
– Zugang zu Angeboten, die auf ihre Aufgaben zugeschnitten sind
– Klare Entwicklungsperspektiven und Zielvereinbarungen
– Raum für Praxistransfer
40 Prozent kritisieren, dass Weiterbildungen zu wenig mit ihren realen Aufgaben zu tun haben. Führungskräfte sehen das Hauptproblem woanders: 47 Prozent nennen fehlende Zeit, um das Gelernte anzuwenden. Zwei Perspektiven, ein Problem – ungelöst, solange beide Seiten nebeneinander statt miteinander handeln.
Besonders deutlich wird die Lücke bei neuen Jobrollen. Führungskräfte planen oder etablieren Rollen wie KI-Specialist, Cybersecurity Specialist oder Digital Transformation Manager. Viele Fachkräfte wissen nicht einmal, ob es diese Rollen im eigenen Unternehmen gibt. Entwicklung bleibt abstrakt, wenn Perspektiven unsichtbar bleiben.
Die eigentliche Transformation
Die zentrale Erkenntnis der Studie: Unternehmen müssen Weiterbildung nicht neu erfinden, sondern neu verbinden. Sie wird wirksam, wenn Führungskräfte transparent kommunizieren, Budgets sichtbar machen, Lernzeit einplanen und neue Rollen klar benennen. Gleichzeitig müssen Fachkräfte Verantwortung übernehmen, den Dialog suchen und vorhandene Ressourcen nutzen.
Future Skills sind kein Katalog zum Abhaken. Sie entstehen im Zusammenspiel von Struktur und Eigeninitiative. Im Dialog statt im Nebeneinander. Hier entscheidet sich, ob Transformation gelingt – oder nur behauptet wird. Die „Future Skills Studie 2026“ zeigt: Der Wandel ist da. Jetzt gilt es, die Wahrnehmungslücke zu schließen.

