Ohne mehr Fachkräfte gerät die Energiewende ins Stocken: Eine neue Studie des IAB beziffert den Bedarf bis 2030 auf 157.000 Arbeitskräfte.
Für die Umsetzung der Energiewende in Deutschland werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Fachkräfte benötigt. Laut einer am 18. August veröffentlichten Modellrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) braucht es bis 2030 rund 157.000 zusätzliche Arbeitskräfte. Bis 2040 sinkt der Bedarf zwar auf etwa 102.000, doch der Druck auf den Arbeitsmarkt in zentralen Branchen bleibt hoch.
Besonders gefragt sind Fachkräfte im Baugewerbe, in der Energieversorgung, in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der IT. Diese Bereiche treiben die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft voran – etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die Modernisierung von Stromnetzen oder die energetische Sanierung von Gebäuden.
Demografischer Wandel als Herausforderung
Schon jetzt zeigt sich, wie angespannt die Lage ist. Laut IAB dauert es im Schnitt 114 Tage, um eine Fachkraft im Bereich Elektrotechnik zu finden. In der Energietechnik sind es 112 Tage, im Hochbau 100 Tage und in der Baustoffherstellung 104 Tage. Der Fachkräftemangel verschärft sich weiter.
Zusätzlich belasten strukturelle Faktoren wie der demografische Wandel und die digitale Transformation den Arbeitsmarkt. Während die Energiewende neue Jobs schafft, könnten in anderen Sektoren Arbeitsplätze wegfallen. Das IAB warnt daher vor einer isolierten Betrachtung: „Unter dem Strich kann es trotz steigender Nachfrage in Schlüsselbranchen zu einem Rückgang der Beschäftigung kommen“, so die Forschenden.
- Frauen fehlen der Energiewende – und das hemmt Innovation
- Top-CEOs fördern Führungstalente für kommunale Unternehmen
- Stagnation statt Boom: Kaum KI-Jobs in Deutschland
Gezielte Förderung von MINT-Berufen
Um Engpässe zu vermeiden, fordert das IAB ein Bündel an Maßnahmen. „Wir müssen die verfügbaren Arbeitskräfte rekrutieren und diese auch so aus- und weiterbilden, dass die Potenziale aus schrumpfenden Wirtschaftsbereichen bestmöglich genutzt werden“, sagt IAB-Forscher Christian Schneemann.
Zu den Vorschlägen gehören die gezielte Förderung von MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und eine verstärkte Zuwanderung. Auch die schnellere Anerkennung ausländischer Qualifikationen spielt eine Schlüsselrolle. Zudem müsse die Zahl der Bildungsabbrüche sinken. Um das Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen, sollten Frauen und ältere Beschäftigte stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden werden.
Ohne Personal drohen Verzögerungen bei Klimazielen
Die Energiewende zählt zu den größten Modernisierungsprojekten der Bundesrepublik. Ob beim Ausbau von Wind- und Solaranlagen, der Elektrifizierung des Verkehrs oder der Entwicklung klimafreundlicher Produktionsprozesse – überall fehlen spezialisierte Fachkräfte. Ohne ausreichend Personal drohen Verzögerungen bei den Klimazielen.
Das IAB mahnt, frühzeitig gegenzusteuern: Nur mit einer umfassenden Qualifizierungsstrategie, die Einbindung neuer Arbeitskräftegruppen und einer gezielten Steuerung der Zuwanderung kann die Energiewende gelingen.

