EU-Lohntransparenz 2026: Gehälter werden sichtbar

Mehrere Personen sitzen vereinzelt an Tischen

Über Geld zu sprechen, ist in Deutschland noch immer ein Tabu – doch das ändert sich bald. Mit der EU-Lohntransparenzrichtlinie, die 2026 in deutsches Recht übergeht, werden Gehälter offengelegt und vergleichbar.

Der Gehaltsreport 2026 von Michael Page zeigt: 58 Prozent der deutschen Beschäftigten empfinden ihre Gehälter als intransparent. Auch die Talent Trends-Studie der PageGroup bestätigt diesen Eindruck. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Klarheit. Die Analyse von über 120 Positionen bietet Arbeitgebern und Fachkräften Orientierung – von Banking & Financial Services über IT und Engineering bis zu Healthcare und Sales & Marketing.

„Transparenz wird zum neuen Maßstab für Fairness und Wertschätzung am Arbeitsplatz. Für Unternehmen ist es die Chance, Vertrauen aufzubauen und eine Kultur zu fördern, in der Gehalt kein Reizthema mehr ist, sondern ein selbstverständlicher Bestandteil der Karriereplanung“, sagt Michael Baier, Senior Managing Director Germany & Austria bei Michael Page.

EU-Lohntransparenz: Kultureller Wandel durch neue Regeln

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtMit der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz müssen Unternehmen ihre Gehaltsstrukturen offenlegen und bei großen Gehaltsunterschieden handeln. Ziel ist es, die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern zu schließen und gleiche Arbeit vergleichbar zu entlohnen.

Die Transparenzpflicht bringt einen kulturellen Wandel in der Arbeitswelt. Jahrzehntelang war das Thema Gehalt tabu, doch künftig müssen Unternehmen ihre Vergütungsstrukturen offen kommunizieren. Für Beschäftigte bedeutet das mehr Klarheit und Vergleichbarkeit – Faktoren, die schon heute Jobwechsel und Gehaltsverhandlungen beeinflussen.

Für Führungskräfte, besonders im mittleren Management, entstehen neue Herausforderungen. Mitarbeitende fragen kritischer nach: Wie hoch sind die Gehaltsspannen? Warum verdienen Kolleg:innen unterschiedlich? Wie transparent sind Beförderungskriterien? Unternehmen, die frühzeitig für Klarheit sorgen, stärken Vertrauen und Glaubwürdigkeit in ihren Teams.

Transparenz steigert Attraktivität – und fordert Ressourcen

Unternehmen, die auf klare Gehaltsstrukturen setzen, sichern sich Vorteile im Wettbewerb um Talente. Besonders in Branchen mit Fachkräftemangel werden transparente Gehaltsbänder und Karrierepfade zum Schlüssel für erfolgreiches Recruiting.

„Die neue Transparenz ist mehr als eine regulatorische Pflicht – sie verändert die Unternehmenskultur. Mehr als die Hälfte der Deutschen fordert mehr Offenheit beim Entgelt, wie unsere Talent Trends-Studie zeigt. Wer Gehalt offen thematisiert, schafft Vertrauen und positioniert sich im Wettbewerb um Talente klar im Vorteil“, ergänzt Baier.

Die neuen Auskunfts- und Berichtspflichten bedeuten jedoch auch Mehraufwand für Personalabteilungen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen, die bisher ohne klare Gehaltsstrukturen auskamen, stehen vor Herausforderungen. Gehaltsreports wie der von Michael Page bieten hier Orientierung. Sie helfen, den Übergang zur Lohntransparenz zu erleichtern.


Mehr zum Thema:


Gehaltssprünge: Wo sich Spezialisierung auszahlt

Der Gehaltsreport zeigt, in welchen Branchen und Funktionen Gehälter steigen – und wo sie stagnieren. Besonders dynamisch entwickelt sich der Finanzsektor: Fachkräfte mit Kompetenzen in Künstlicher Intelligenz, ESG oder Audit können mit bis zu fünf Prozent Zuwachs rechnen. In Finance & Accounting sind bei ausgeprägten KI-Kenntnissen sogar bis zu 20 Prozent möglich.

Im Engineering treiben Digitalisierung, Automatisierung und nachhaltige Technologien Gehälter moderat, aber stetig um zwei bis vier Prozent nach oben – vor allem bei hochqualifizierten Spezialist:innen. Der IT-Sektor bleibt trotz hoher Nachfrage nach Cyber-Security-Expert:innen insgesamt zurückhaltend. Im Bau- und Immobiliensektor bleibt das Gehaltsniveau weitgehend stabil.

Wir sind der Wandel-Newsletter

Wir sind der Wandel-Redaktion

Unter "Wir sind der Wandel-Redaktion" veröffentlichen wir Gastbeiträge und Agenturmeldungen, die wir nicht selbst verfasst, aber redigiert haben.