Familienunternehmen genießen das höchste Vertrauen und sind die bevorzugten Arbeitgeber, doch die Erwartungen an sie sind enorm. Die PwC-Imageumfrage 2025 zeigt: Sie müssen wirtschaftliche Stabilität mit sozialer Verantwortung verbinden, um ihre Spitzenposition zu halten.
Familienunternehmen stehen für Beständigkeit, regionale Verwurzelung und generationenübergreifende Verantwortung. Doch wie sieht die Gesellschaft sie heute im Vergleich zu Start-ups, Konzernen, NGOs oder der öffentlichen Hand? Die PwC-Imageumfrage 2025 mit über 1.000 Befragten zeichnet ein klares Bild: Familienunternehmen genießen das höchste Vertrauen – und tragen zugleich die größten Erwartungen. Keine andere Unternehmensform wird so geschätzt.
Reputation im Spiegel der Gesellschaft
Die Ergebnisse sprechen für sich: 71 Prozent der Befragten halten Familienunternehmen für glaubwürdig – ein Spitzenwert. Konzerne kommen nur auf 28 Prozent, Start-ups auf etwa 40 Prozent. NGOs punkten mit moralischer Integrität, doch ihre wirtschaftliche Stärke wird angezweifelt. Die öffentliche Hand gilt als Garant für Sicherheit und Grundversorgung, aber nicht als Motor für Innovation.
Dieses Meinungsbild zeigt: Familienunternehmen nehmen eine Sonderstellung ein. Sie verbinden wirtschaftliche Stabilität mit sozialer Verantwortung und gelten als „der beste Kompromiss“ zwischen Profit und Gemeinwohl.
Arbeitgeberattraktivität: Wunsch und Wirklichkeit
Noch deutlicher wird der Vorsprung bei der Arbeitgeberattraktivität: 58 Prozent der Befragten würden am liebsten in einem Familienunternehmen arbeiten. Damit sind sie die bevorzugten Arbeitgeber – vor Start-ups, die mit Kreativität locken, und Konzernen, die mit hohen Gehältern überzeugen.
Die Gründe liegen auf der Hand: Familienunternehmen gelten als verlässlich, fair und nahbar. In einer Zeit schwindenden Vertrauens in Institutionen suchen Mitarbeitende Sicherheit ohne Anonymität. Start-ups wirken innovativ, aber riskant. Konzerne bieten Karrierechancen, doch oft fehlt die emotionale Bindung. NGOs und die öffentliche Hand ziehen Menschen an, die Sinn vor Gewinn stellen, gelten jedoch nicht als Treiber individueller Entwicklung.
Was zählt bei Arbeitgebern wirklich?
Die Studie zeigt: Gehalt und Prestige allein reichen nicht mehr. Wichtiger sind Arbeitsplatzsicherheit, Fairness, nachhaltiges Handeln und gute Führung. Für über 70 Prozent der Befragten steht die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden an erster Stelle. Nachhaltigkeit folgt auf Platz zwei – hier sehen viele eine gesellschaftliche Pflicht der Unternehmen.
Auch beim gesellschaftlichen Engagement schneiden Familienunternehmen gut ab. 63 Prozent der Befragten trauen ihnen zu, Verantwortung für Region, Belegschaft und Umwelt zu übernehmen. NGOs gelten zwar als moralische Instanz, doch Familienunternehmen stehen ihnen kaum nach. Konzerne und Start-ups bleiben deutlich zurück. Die öffentliche Hand wird zwar in der Pflicht gesehen, doch ihr Engagement wird oft nicht wahrgenommen.
- Familienunternehmen ticken anders
- Mittelstand in Deutschland: So werden Unternehmen attraktivere Arbeitgeber
- Insight Westermann
Familienunternehmen tragen eine doppelte Verantwortung
Die hohe Reputation von Familienunternehmen hat eine Kehrseite: Die Erwartungen sind enorm. Gesellschaft und Politik sehen in ihnen nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Stabilitätsanker. 61 Prozent der Befragten fordern, dass sie Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit werden. Gleichzeitig belasten politische Rahmenbedingungen wie Energiepreise, Bürokratie und Fachkräftemangel.
Die Studie bringt es auf den Punkt: Familienunternehmen tragen eine doppelte Verantwortung – wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die Politik darf sie nicht mit immer neuen Auflagen überfordern, wenn sie diese Rolle erfüllen sollen.
Die besten Karten – aber auch die größte Verantwortung
Familienunternehmen stehen im Vergleich an der Spitze. Sie genießen das größte Vertrauen, sind die bevorzugten Arbeitgeber und gelten als besonders engagiert. Doch diese Position macht sie auch angreifbar. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, droht ein rascher Vertrauensverlust.
Der Schlüssel liegt darin, die Reputation nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen, sondern als Verpflichtung. Familienunternehmen müssen Haltung zeigen – bei der Bezahlung, in Nachhaltigkeitsstrategien und im Umgang mit Mitarbeitenden. Wer das schafft, bleibt glaubwürdig, attraktiv und stabil – und sichert sich einen Vorsprung gegenüber Konzernen, Start-ups und NGOs.

