Frauen verdienen weniger als Männer. Der Gender Pay Gap stagniert – trotz struktureller Ursachen. EU-Transparenz könnte helfen.
Die Lohnsituation von Frauen hat sich in Deutschland auch 2025 nicht verbessert. Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen 2025 im Schnitt 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer – genauso viel wie 2024. Der Gender Pay Gap bleibt unverändert und zeigt, dass strukturelle und unerklärte Unterschiede im Lohngefüge fortbestehen.
Ein Großteil der Lücke lässt sich erklären: 60 Prozent des Unterschieds gehen auf Faktoren wie die höhere Teilzeitquote von Frauen, ihre Branchen- und Berufswahl sowie das Anforderungsniveau zurück. Besonders ins Gewicht fällt die Teilzeit: Teilzeitbeschäftigte verdienen oft weniger pro Stunde. Dieser Effekt macht 19 Prozent des Gender Pay Gap aus, vor allem in Westdeutschland. Weitere 18 Prozent der Lücke entstehen, weil Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen und Berufen arbeiten. Rund 13 Prozent lassen sich durch ein im Schnitt niedrigeres Anforderungsniveau der Tätigkeiten erklären.
Der unerklärte Rest bleibt
Die übrigen 40 Prozent der Lohnlücke bestehen auch nach statistischer Bereinigung. Selbst bei gleicher Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie verdienen Frauen 2025 pro Stunde sechs Prozent weniger als Männer. Dieser bereinigte Gender Pay Gap bleibt ebenfalls konstant – ein Hinweis auf Unterschiede in Entgeltpraxis, Karrierechancen oder Verhandlungsmacht, die über strukturelle Faktoren hinausgehen.
Regional zeigen sich klare Unterschiede: Im Osten beträgt der unbereinigte Verdienstabstand fünf Prozent, im Westen 17 Prozent. Beim bereinigten Gender Pay Gap kehrt sich das Bild um: Im Osten ist die unerklärte Lohnlücke größer. Das liegt laut Statistikamt daran, dass Teilzeit dort weniger verbreitet ist und Frauen oft besser qualifiziert sind als Männer – trotzdem verdienen sie weniger. Das deutet auf tiefere Ungleichheiten in den Entgeltstrukturen hin.
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Scharfe Kritik äußert die Hans-Böckler-Stiftung. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), nennt den Gender Pay Gap einen „symptomatischen Ausdruck der verfestigten Ungleichheit zwischen Männern und Frauen“. Es fehle an politischen Maßnahmen, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu steigern und strukturelle Hürden abzubauen. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie könnte hier ansetzen. Sie verpflichtet Unternehmen, Gehälter offenzulegen und Entgeltstrukturen transparenter zu machen – mit dem Ziel, ungerechtfertigte Unterschiede aufzudecken und zu beseitigen.

