Gesünder dank Rente

Mann sitzt auf Bank

Arbeiten bis weit über 70 Jahre? Das wird zwar derzeit gefordert, gesund ist das aber für die wenigsten. Wie sich die Anhebung des Rentenalters auf die Gesundheit auswirkt, zeigt eine Untersuchung.

Überall in Europa wurde das gesetzliche Renteneintrittsalter zuletzt angehoben – eine weitere Anhebung wird nicht nur hierzulande diskutiert. Immerhin werden die Menschen immer älter und es gibt immer weniger Junge. Vor allem Länder, in denen das gesetzliche Rentensystem über einen Generationenvertrag und eine Umlage finanziert wird, stehen mit dem demografischen Wandel vor einer Herausforderung. Aber ist es wirklich gesund, bis ins hohe Alter erwerbstätig zu sein? Was für viele Akademikerinnen und Akademiker zumindest vorstellbar, für einige sogar wünschenswert ist, ist für andere, die körperlich schwer arbeiten, Schicht- und Nachtarbeit verrichten müssen, einfach nur undenkbar. In vielen Branchen wie etwa der Pflege oder der Baubranche halten die Beschäftigten nicht bis zur Regelaltersgrenze durch.

Wie also wirkt sich die Anhebung des Rentenalters auf die Gesundheit aus? Das hat eine Studie von Forschenden an der Hochschule Fresenius in Düsseldorf und der Erasmus University Rotterdam untersucht. Eine besondere Rolle spielteen dabei die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, berichtet Wirtschaftspsychologie aktuell.

Kein Unterschied zwischen Verheirateten und Alleinstehenden

Tatsächlich konnten die Wissenschaftler feststellen, dass der Renteneintritt für viele mit Sorgen und Ängsten verbunden ist – die Kollegenschaft nicht mehr zu sehen, keine soziale Teilhabe mehr zu haben, seine Hauptaufgabe zu verlieren, das verunsichert nicht wenige. Auch der Blick auf die viele freie Zeit kann Angst machen. Immerhin wird durch den Renteneintritt das soziale Umfeld in der Regel zunächst kleiner.

Dennoch wirkt dies nicht auf Dauer belastend, konnten die Forschenden feststellen. Dabei werteten sie Daten aus einer länderübergreifenden Studie heraus und schauten, ob die neuen Rentnerinnen und Rentner Anzeichen für eine depressive Verstimmung zeigten. Das Gegenteil war aber der Fall: Die Menschen hatten im Ruhestand eine im Schnitt bessere psychische Gesundheit als zuvor im Erwerbsleben. Besonders positiv war die Rente dabei für Menschen, die zuvor stärker gefährdet waren, an einer Depression zu erkranken. Gesünder waren auch Menschen, die zuvor körperlich gearbeitet hatten. Bei Personen, die einer eher geistigen Arbeit nachgegangen waren, zeigte sich der positive Effekt weniger stark, konnte aber ebenfalls nachgewiesen werden. Vor allem dann, wenn sie zuvor im aktiven Jobleben psychisch belastet waren.

Erst im Ruhestand zeigt sich die Belastung

Interessant war auch: Es machte für das psychische Wohlbefinden keinen Unterschied, ob die Rentnerinnen und Rentner verheiratet waren und Kinder hatten oder alleinstehend waren. Anscheinend zeigte sich für den Menschen erst im Ruhestand, dass die Erwerbsarbeit durchaus eine Belastung war, die sie aber wohl erst mit Eintritt in die Rente als solche auch spürten.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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