Großstädte locken Freiberufler an

Luftaufnahme von Berlin

Die freiberufliche Gründungstätigkeit in Deutschland bleibt stabil, verlagert sich jedoch zunehmend in urbane Zentren, wobei Frauen diesen Trend maßgeblich vorantreiben. Besonders Berlin und Leipzig erweisen sich als Hotspots für neue Selbstständige, während Hochschulen eine Schlüsselrolle spielen.

Die Zahl der freiberuflichen Gründungen in Deutschland blieb 2024 stabil. Mit rund 94.910 neuen Selbstständigen stieg sie gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 0.3 Prozent. Damit übertrafen die Freien Berufe erneut das Vor-Pandemie-Niveau von 2019, doch die Dynamik des Vorjahres (+5 Prozent) ließ nach.

In den Metropolen ist die Nachfrage nach freiberuflichen Dienstleistungen besonders hoch. Berlin verzeichnete die meisten Gründungen, gefolgt von Hamburg, München und Köln. Auch bei der Gründungsintensität – der Zahl der Neugründungen je 10.000 Erwerbsfähige – liegt Berlin vorn. Dahinter folgen Leipzig, der Landkreis München sowie Köln und Freiburg im Breisgau.

Frauen gründen häufiger – Leipzig führt

Irrtümer und Mythen rund ums Arbeitsrecht„Freiberufliche Gründungen finden häufig in Großstädten statt, da hier viele Unternehmen und Verwaltungen beratende und wissenschaftliche Dienstleistungen benötigen. Zugleich wirkt es sich positiv aus, dass in vielen dieser Städte Hochschulen eine berufliche Bildung im Bereich der Freien Berufe anbieten“, erklärt IfM-Wissenschaftler Peter Kranzusch.

Ein klarer Trend setzt sich fort: Frauen gründen in den Freien Berufen häufiger als Männer. Bundesweit liegt die Gründungsintensität von Frauen bei 20,8 – deutlich über dem Wert der Männer (16,6). Dieses Muster zeigt sich in 361 von 400 Kreisen. Leipzig führt, wo Frauen besonders stark häufiger gründen als Männer. Es folgen Berlin sowie die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Lüneburg und Bad Tölz-Wolfratshausen.

2024 entfielen mehr als die Hälfte aller Gründungen auf Frauen: Rund 52.080 Frauen starteten in die Selbstständigkeit. Ihr Anteil stieg leicht auf 54,9 Prozent. Besonders in Ostdeutschland liegt der Frauenanteil fast überall über 55 Prozent. In Westdeutschland erreichen nur Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz diesen Wert.


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Regionale Unterschiede prägen das Bild

Während Bremen und Baden-Württemberg mehr Gründungen verzeichneten, sanken die Zahlen in Thüringen, Niedersachsen, Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Insgesamt blieb die Gründungsintensität bundesweit konstant bei 18,4 Neugründungen je 10.000 Erwerbstätige.

Die freiberufliche Gründungstätigkeit in Deutschland zeigt sich robust, verlagert sich aber zunehmend in urbane Zentren. Frauen treiben diesen Trend stärker voran als Männer und prägen die Dynamik entscheidend. Wer die Zukunft der Freien Berufe verstehen will, muss die Entwicklungen in Großstädten und die Rolle der Hochschulen im Blick behalten. Dort entstehen die Grundlagen für neue Geschäftsmodelle – und für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

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