Homeoffice hat sich etabliert, bleibt aber ungleich verteilt. Flexible Arbeit fördert Gleichstellung nur, wenn sie mehr Menschen echte Kontrolle über ihre Zeit gibt, zeigt eine aktuelle Analyse von Jobmonitor.
Die Rückkehrpflicht ins Büro ist passé. Trotz Wirtschaftskrise setzen Arbeitgeber weiter auf Homeoffice. In jeder fünften Online-Stellenanzeige wird heute die Möglichkeit genannt, remote zu arbeiten. Der Anteil liegt stabil bei rund 20 Prozent – wie im Vorjahr. Vor der Corona-Krise waren es nur 3,7 Prozent. Bis 2022 stieg der Wert auf 16,8 Prozent, seit 2024 gehört Homeoffice fest zum Arbeitsmarkt. Diese Zahlen stammen aus der Jobmonitor-Analyse von 79 Millionen Online-Stellenanzeigen zwischen 2019 und 2025.
Klar ist: Homeoffice ist kein Krisenphänomen, sondern Teil der neuen Arbeitsnormalität. Doch diese Normalität ist ungleich verteilt. Wer von ortsflexiblem Arbeiten profitiert, hängt stark vom Beruf, der Qualifikation, dem Wohnort – und dem Geschlechterverhältnis im jeweiligen Berufsfeld ab.
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Homeoffice: Privileg der Hochqualifizierten
Vor allem Hochqualifizierte profitieren. In gut einem Drittel der Stellenanzeigen für Expert:innen mit Masterabschluss oder höher wird Homeoffice ausdrücklich angeboten. Bei Spezialist:innen mit Meister-, Techniker- oder Bachelorabschluss sind es 30 Prozent. Auf Helfer-Niveau hingegen nur vier Prozent. Je höher die Anforderungen, desto wahrscheinlicher wird mobiles Arbeiten zur Option.
Die Schieflage zeigt sich auch bei den Berufen. Unter den zehn Jobs mit der höchsten Homeoffice-Quote stammen sieben aus der Software- und IT-Branche. In der IT-Anwendungsberatung wird 2025 in 69 Prozent der Stellenanzeigen eine Remote-Option genannt, bei Netzwerkspezialist:innen in 64 Prozent. Steuerberater:innen haben stark aufgeholt: 67 Prozent der Ausschreibungen bieten Homeoffice – ein Plus von 61 Prozentpunkten seit 2019.
Weniger Homeoffice in frauendominierten Berufen
Hier liegt das Problem: Homeoffice ist vor allem dort verbreitet, wo Männer dominieren. In männerdominierten Berufen bieten 22 Prozent der Stellenanzeigen Homeoffice an, in frauendominierten nur 13 Prozent. Erst auf Platz 14 des Rankings taucht mit der Steuerberatungsfachkraft ein frauendominierter Beruf auf. Besonders groß ist die Lücke bei hochqualifizierten Tätigkeiten: In frauendominierten Expertenberufen wird Homeoffice in 22 Prozent der Fälle angeboten, in männerdominierten in knapp 46 Prozent – mehr als doppelt so oft.
Damit bleibt ein zentrales Gleichstellungspotenzial ungenutzt. Homeoffice könnte ein starkes Instrument für Vereinbarkeit sein – gerade für Eltern, Pflegende und Alleinerziehende. Wenn Arbeitswege entfallen, entsteht Zeit. Und Zeit ist für Menschen mit Sorgeverantwortung oft die knappste Ressource. Doch flexible Arbeit wirkt nicht von allein. Sie muss dort angeboten werden, wo sie möglich ist. Sie muss klar kommuniziert werden. Und sie darf nicht mit ständiger Verfügbarkeit oder zusätzlichen Überstunden einhergehen.
Moderne Arbeit für alle – wie gelingt das?
Homeoffice allein löst weder den Gender Care Gap noch den Gender Pay Gap. Wenn flexible Arbeitsmodelle vor allem in männerdominierten, gut bezahlten Berufen verfügbar sind, verstärken sie bestehende Ungleichheiten eher, als sie abzubauen. Gleichstellung entsteht nicht, wenn eine privilegierte Gruppe mehr Flexibilität erhält. Sie entsteht, wenn Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass Menschen mit Sorgeverantwortung echte Zeitsouveränität gewinnen – auch in Berufen, die häufig von Frauen ausgeübt werden.
Das betrifft vor allem Tätigkeiten mit engem Kontakt zu Menschen, etwa in Erziehung, Pflege und Gesundheit. Dort ist Homeoffice oft kaum möglich. Umso wichtiger sind andere Vereinbarkeitsangebote: verlässliche Dienstpläne, flexible Arbeitszeiten, planbare Vertretungsregelungen und Rahmenbedingungen, die Beschäftigten mehr Kontrolle über ihre Zeit geben. Die Debatte über Homeoffice darf nicht bei der Frage enden, wer von zu Hause arbeiten kann. Sie muss breiter geführt werden: Wie schaffen wir moderne Arbeit für alle?
Homeoffice: Etabliert, aber ungerecht verteilt
Auch regional zeigt sich ein Gefälle. In Großstädten liegt die Homeoffice-Quote bei gut 28 Prozent. Stuttgart ist mit 38 Prozent, gefolgt von Düsseldorf mit 37 Prozent und Frankfurt am Main mit 36 Prozent. In dünn besiedelten Regionen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, ist Homeoffice deutlich seltener. Grund dafür ist die Wirtschaftsstruktur: In Ballungsräumen sitzen mehr Unternehmen aus klassischen Homeoffice-Branchen wie der IT.
Homeoffice ist etabliert – aber nicht gerecht verteilt. Es ist ein Fortschritt, dass mobiles Arbeiten auch in Krisenzeiten nicht zurückgedrängt wird. Doch der nächste Schritt steht aus: Flexibilität muss aus der Nische der Hochqualifizierten und männerdominierten Branchen herauswachsen. Arbeitgeber sollten überall dort, wo mobiles Arbeiten möglich ist, diese Option sichtbar und verlässlich anbieten. Und sie sollten dort, wo Homeoffice nicht passt, andere Formen von Zeitsouveränität schaffen. Die Arbeitswelt hat gezeigt, dass sie sich verändern kann. Jetzt muss sie beweisen, dass dieser Wandel nicht nur bequem ist – sondern gerecht.

