„Ich muss nicht immer perfekt sein und alle Antworten parat haben“

Marie Moesgaard

Marie Moesgaard fördert bei Pleo nicht nur eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen und Transparenz statt auf Mikromanagement und Kontrolle setzt. Die Dänin motiviert ihr Team auch, zu den eigenen Schwächen zu stehen. Denn ist man sich dieser bewusst und akzeptiert sie, beginnt die Weiterentwicklung.

Marie Moesgaard ist Country Managerin von Pleo in Deutschland. 2015 in Kopenhagen gegründete, bietet Pleo eine intelligente Lösung für das automatische Verwalten von Unternehmensausgaben an. Vor Pleo war die gebürtige Dänin Teamleiterin bei True North, einem Unternehmen, das die persönliche und soziale Entwicklung junger Menschen fördert. Ihr Bachelorstudium in Soziologie machte sie an der Universität Kopenhagen, ihren Master-Abschluss in organisatorischer Innovation und Unternehmertum an der Copenhagen Business School. Um ihre analytischen Fähigkeiten zu verbessern sowie ihren persönlichen Führungsstil zu formen, besuchte Moesgaard verschiedene Kurse an der Columbia University.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Marie Moesgaard: Mir ist es wichtig, mit meiner Arbeit etwas zu bewirken. Und dass ich hinter dem stehen kann, was ich tue. Bei Pleo bekam ich die Chance, ins kalte Wasser zu springen, was meine Entwicklung enorm gefördert hat. Ich war Leiterin des globalen Customer Success Teams und bin mittlerweile Country Managerin in Deutschland. Beide Positionen sind mit viel Verantwortung verbunden; was gut zu mir und meinem Charakter passt: immer das Beste geben, möglichst sogar über das Ziel hinausschießen. Auch liebe ich es, Teil eines Unternehmens zu sein, das mir dabei sein vollstes Vertrauen schenkt.

die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Moesgaard: 2016 war mein Selbstvertrauen angeschlagen, denn ich musste das Scheitern meines Start-ups verkraften. Selbst die Erfolge, die ich seinerzeit im Leistungssport und an der Uni hatte, halfen mir damals nicht, mein Selbstwertgefühl aufzubauen. Ich zweifelte an meinem Wert für ein Unternehmen. Unterstützung erhielt ich damals vom ersten Pleo-Investor, der mich mit Jeppe Rindom, dem Gründer von Pleo, bekannt machte. Jeppe erkannte mein Potenzial und gab mir eine Chance – dafür und für den weiteren Weg, den ich mit Pleo gehen durfte, bin ich sehr dankbar. Auch habe ich mir, seit ich bei Pleo bin, mit Ross Jackson einen Mentor gesucht, mit dem ich einmal im Monat spreche.

Unterstützung außerhalb des Arbeitsplatzes durch Sparring oder Mentoring zu haben, kann äußerst wertvoll sein. Denn Außenstehende haben oft eine andere, sehr hilfreiche Perspektive. Daher kann ich jedem, der lernen und wachsen möchte, nur empfehlen, sich einen Mentor zu suchen. Dafür muss man allerdings seine eigenen Bedürfnisse reflektieren – was bisweilen schwierig sein kann.


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die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Moesgaard: Jede Menge. Mein größtes Tief hatte ich, als ich noch das Customer Success Team leitete. Mein Team war sehr schnell gewachsen und ich hatte plötzlich viel zu viele Reportings auf dem Tisch. Mir gelang es nicht, Aufgaben zu delegieren. Ich fühlte mich verloren. Nach einem ehrlichen Gespräch mit Jeppe entschied ich mich, nach externer Unterstützung zu schauen. Ich nahm an einem Ausbildungsprogramm für Führungskräfte teil, das mein eigenes Wohlbefinden sowie meine Fähigkeit, andere zu führen, enorm förderte.

Mein bisheriger Weg hat mich gelehrt, dass ich nicht immer perfekt sein und alle Antworten parat haben muss. Seit dieser Erkenntnis gehe ich Probleme und Herausforderungen mit der notwendigen Ehrlichkeit und Offenheit an. Und auch mein Mantra, „rechne mit Problemen und verspeise sie zum Frühstück!“, hilft mir oft, viele Herausforderungen zu bewältigen.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Moesgaard: Durch meine Erfahrungen und dem damit einhergehenden Lernprozess, habe ich ein sehr gutes Gespür für Menschen und ihre Empfindungen. Ich habe gelernt, meine eigenen Schwächen zu akzeptieren, und gleichzeitig meine Verletzlichkeit zu zeigen. Auch ermutige ich andere, dasselbe zu tun: also sich selbst vollkommen zu akzeptieren, samt Makel. Denn am Ende sind wir uns alle sehr ähnlich. Wir alle haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. In dem Moment, in dem wir uns ihrer bewusst werden und sie akzeptieren, fangen wir an, uns weiterzuentwickeln. Was eigentlich ganz einfach ist, ist gleichzeitig doch auch schwer. Im Veränderungsprozess befinden wir uns, wenn wir das Bewusstsein dafür geschaffen haben. Dann wird es uns auch von Mal zu Mal leichter fallen, unsere Fehler zu akzeptieren.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Moesgaard: Das ist eine gute Frage. Ich denke, das bereits erwähnte Mantra „erwarte Probleme und verspeise sie zum Frühstück“ hat bisher auf mich die größte Wirkung gehabt. Denn das hilft mir, Probleme spielerisch anzugehen. Frei nach dem Motto: Probleme? Kein Problem!

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Moesgaard: Versucht nicht perfekt zu sein. Es ist schlichtweg unmöglich und noch dazu langweilig – ich spreche aus Erfahrung. Investiert stattdessen Zeit, euer Selbstbewusstsein zu steigern und besser wahrzunehmen, was um euch herum und in der Welt vor sich geht. Akzeptiert eure verwundbare Seite und steht zu ihr. Sie ist eure Superpower.

Sabine Hockling

Seit vielen Jahren schreibt die Wirtschaftsjournalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin u.a. für die Medien ZEIT ONLINE, ZEIT Spezial, SPIEGEL ONLINE und Brigitte über die Themen Management, Arbeitsrecht und Digitalisierung. Als Autorin, Herausgeberin und Ghostwriterin veröffentlicht sie regelmäßig Wirtschaftsbücher.

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