Jeder dritte Job in Deutschland ist inzwischen grün

Windkrafträder vor blauem Himmel

Die Green Economy wird zum Kern des Arbeitsmarkts: 2025 bezog sich jede dritte Stelle auf grüne Bereiche, in der Industrie sogar fast jede zweite.

Arbeitsplätze in der Green Economy werden für Unternehmen in Deutschland immer wichtiger. 2025 bezog sich bereits jede dritte ausgeschriebene Stelle auf grüne Wirtschaftsbereiche wie Recycling, Energieeffizienz oder erneuerbare Energien. In der Industrie lag der Anteil sogar bei 44 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie “Die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Green Economy” der Bertelsmann Stiftung.

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtFür die Untersuchung analysierte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Daten des Jobmonitors. Dieser erfasst im Internet veröffentlichte Stellenanzeigen. Die Auswertung umfasste sieben Felder der Green Economy: Kreislaufwirtschaft, Umweltschutz und Emissionsminderung, Verkehrswende, Energieeffizienz, Ausbau erneuerbarer Energien, Natur- und Artenschutz sowie Nachhaltigkeitsberichterstattung und Green Finance.

Energieeffizienz spielt branchenübergreifend eine Rolle

2023 schrieben Arbeitgeber insgesamt 9,9 Millionen Stellen aus. Davon entfielen laut Studie 2,9 Millionen auf Tätigkeiten mit Bezug zur Green Economy. Zum Vergleich: 2019 waren es erst 1,9 Millionen. Die Green Economy sei damit auf dem deutschen Arbeitsmarkt inzwischen „gut verankert“, teilte die Bertelsmann Stiftung mit.

Die Analyse zeigt zudem klare regionale Schwerpunkte. Arbeitgeber schreiben Stellen rund um die Verkehrswende besonders häufig an klassischen Automobilstandorten aus, vor allem in Süddeutschland. Im Norden dominiert die Windenergie, während Solarenergie vor allem im Südosten an Bedeutung gewinnt. Green Finance und Nachhaltigkeitsberichterstattung spielen vor allem in Ballungsräumen mit vielen Unternehmenszentralen eine größere Rolle. Energieeffizienz bleibt laut Studie branchenübergreifend in ganz Deutschland relevant.


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Rahmenbedingungen entscheiden

Die Bertelsmann Stiftung sieht die Industrie als wichtigsten Treiber des Wachstums. „Die grünen Berufe sind Teil der Beschäftigungssicherung im Strukturwandel der Industrie“, erklärt Arbeitsmarktexperte Gunvald Herdin. Wer Beschäftigung in der Industrie stärken will, muss deshalb auch die Nachhaltigkeitstransformation fördern.

Die Zukunft des WissensDie Untersuchung zeigt auch, wie stark politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen das Wachstum der Green Economy beeinflussen. In der Kreislaufwirtschaft blieb die Zahl der Jobs bis zur Corona-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Kriegs zunächst weitgehend stabil. Erst 2023 sorgten Rohstoffknappheit und gestörte Lieferketten laut Bertelsmann Stiftung für einen deutlichen Bedeutungszuwachs.

Grüne Tätigkeiten rücken in den wirtschaftlichen Kern

Umgekehrt bremsten die Krise der Autoindustrie und das Ende der Umweltprämie für Elektroautos im Dezember 2023 die Beschäftigung in der Verkehrswende. „Die Entwicklung der Green Economy zeigt, wie stark politische Entscheidungen und geopolitische Krisen auf die deutsche Wirtschaft wirken“, erklärt Arbeitsmarktexpertin Jana Fingerhut. Verändern sich Investitionsbedingungen, Lieferketten oder Förderkulissen, spüren Unternehmen das sofort – und damit auch Beschäftigte und Qualifikationsbedarf.

Die Chefin-Talk – Frauen, die Zukunft gestaltenDie Studie weist damit auf einen tiefgreifenden Wandel des Arbeitsmarktes hin: Grüne Tätigkeiten sind längst kein Nischensegment mehr, sondern Teil des wirtschaftlichen Kerns. Unternehmen brauchen zunehmend Fachkräfte, die technische, ökologische und regulatorische Anforderungen zugleich meistern. Für Beschäftigte werden Kenntnisse in nachhaltigkeitsnahen Bereichen immer wichtiger.

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Tina Groll

Tina Groll, SPIEGEL-Bestsellerautorin und Redakteurin bei der ZEIT im Ressort Wirtschaft, konzentriert sich als Autorin von WIR SIND DER WANDEL auf Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren” aus, 2009 erhielt sie den Otto-Brenner-Preis für kritschen Wirtschaftsjournalismus. Ferner ist sie Mitglied im Deutschen Presserat.