Laut Indeed wechseln 58 Prozent der Jobwechsler in eine andere Berufsgruppe. Büro- und Managementberufe ziehen viele an, während Medizin und Pflege konstant bleiben – und den Fachkräftemangel verschärfen.
Wer den Job wechselt, verändert nicht nur seinen Alltag, sondern beeinflusst auch die Wirtschaft und gestaltet den Arbeitsmarkt aktiv mit. Jobwechsel können Fähigkeiten und Aufgaben besser zusammenbringen und zeigen, wie Beschäftigte auf Strukturwandel und technologische Entwicklungen reagieren. Eine neue Analyse von Indeed zeigt: Jeden Monat wechselt im Schnitt eine von fünfzig Personen in Deutschland den Job, und 58 Prozent davon wechseln in eine neue Berufsgruppe. In Berufen mit Fachkräftemangel, etwa in der Pflege, gibt es jedoch nur wenige Quereinsteiger.
Wo besonders viele Wechsel in neue Berufsfelder stattfinden
Die Untersuchung basiert auf über einer Million anonymisierter Lebensläufe von Indeed-Nutzer:innen, ausgewertet von der Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld. Erfasst wurden auch interne Wechsel, etwa durch Beförderung oder Abteilungswechsel. Die höchste Mobilität zeigt sich in sogenannten White-Collar-Berufen: Im Personalwesen liegt die monatliche Wechselrate bei 2,9 Prozent, im Kundenservice sowie den Bereichen Daten und Analytics bei jeweils 2,6 Prozent – deutlich über dem Durchschnitt von 1,9 Prozent. Dagegen bleiben stark spezialisierte oder regulierte Berufe wie Medizintechnik oder Zahnmedizin stabil. Hier liegt die Wechselrate bei nur 1,2 Prozent, im Chemieingenieurswesen sogar bei rund einem Prozent.
Auch die Quoten der Quereinsteiger:innen sind in medizinischen Bereichen besonders niedrig. In der Zahnmedizin liegt der Anteil bei 18,6 Prozent, in der Pflege bei 21,5 Prozent. Ähnlich geringe Werte zeigen sich in der Pharmazie und Kinderbetreuung (jeweils 23,7 Prozent) sowie in Therapieberufen (24,4 Prozent), der Softwareentwicklung (25,9 Prozent) und der Medizintechnik (26,5 Prozent). Weniger als 30 Prozent der Neueinsteiger in diesen Bereichen kommen aus anderen Berufsfeldern.
Berufsgruppen mit hoher Stabilität und starker Fluktuation
In der Logistik sieht es anders aus: Hier kommen 54,5 Prozent der Neueinsteiger aus anderen Berufsgruppen. Auch im Management (52 Prozent) und Projektmanagement (50,2 Prozent) ist der Anteil hoch, oft im Zuge eines beruflichen Aufstiegs. Über 50 Prozent liegt zudem das Versicherungswesen mit 51,5 Prozent.
Die Austrittsraten zeigen ebenfalls deutliche Unterschiede. Am stabilsten ist die Softwareentwicklung: Nur 31 Prozent wechselnden Entwickler:innen verlassen das Berufsfeld. Auch medizinische Berufe, die bereits durch niedrige Wechsel- und Eintrittsraten auffallen, haben geringe Austrittsraten. In der Pflege liegt sie bei 35 Prozent, in Therapieberufen bei 36 Prozent, in der Pharmazie bei 42 Prozent und in der Medizintechnik bei 44 Prozent. Deutlich höhere Austrittsraten finden sich in projektbezogenen Berufen. In Kunst und Kultur sowie Sozialwissenschaften verlassen 81 Prozent der Beschäftigten bei einem Wechsel ihre Berufsgruppe. Im Sport liegt der Wert bei 78 Prozent, im Versicherungswesen sowie im Sozialdienst und der Sozialarbeit bei jeweils 76 Prozent.
Arbeitsmarkt braucht Bewegung und Balance
„Wer in Deutschland den Job wechselt, wechselt häufig auch in eine neue Berufsgruppe. Das bedeutet aber nicht immer einen kompletten Karrierewechsel, denn oft handelt es sich bei einem Berufsgruppenwechsel beispielsweise auch um Aufstiege in leitende Positionen. Zudem gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen: Während medizinische Berufe vor allem von Stabilität geprägt sind, gibt es in Bürotätigkeiten wie im Versicherungswesen besonders viele Quereinstiege“, erklärt Indeed-Ökonomin Dr. Virginia Sondergeld. Sie betont: „Ob ein Berufsfeld eine hohe Jobmobilität aufweist und offen für Quereinstiege ist oder nicht, ist zunächst weder pauschal gut noch schlecht. Hohe Durchlässigkeit kann dazu beitragen, dass Menschen dort arbeiten, wo ihre Interessen und Fähigkeiten am besten zum Einsatz kommen, und so die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität steigern. Dies ist besonders relevant in der aktuellen Debatte darüber, ob in Deutschland zu wenig gearbeitet wird.“
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Hohe Qualifikationsanforderungen in regulierten Berufen wie Medizin und Pflege sichern die Versorgungsqualität. Doch das funktioniert nur, wenn genügend Fachkräfte verfügbar sind. In der Pflege verschärft der demographische Wandel die Personalengpässe. Umschulungen sowie Anerkennungs- und Qualifizierungsverfahren sollten daher vereinfacht und beschleunigt werden, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Ein funktionierender Arbeitsmarkt braucht Bewegung und Balance, so Sondergeld.
Die Analyse basiert auf über einer Million anonymisierter Lebensläufe von Indeed-Nutzer:innen in Deutschland. Berücksichtigt wurden alle Angaben zu Berufserfahrungen mit Start- und Enddatum im Zeitraum von Januar 2022 bis Dezember 2024. Wechsel-, Eintritts- und Austrittsraten wurden standardisiert berechnet.

