Jugendliche mit Fluchthintergrund: Schlechtere Chancen bei der Berufsorientierung

Person schweißt

Eine Studie zeigt: Jugendliche mit Fluchthintergrund haben seltener Zugang zu Praktika und Beratung. Sprachprobleme und ein später Schulstart verschärfen die Lage.

Jugendliche mit Fluchthintergrund nutzen in Deutschland Angebote zur Berufsorientierung an Schulen deutlich weniger. Das belegt die Bewerberstudie 2024, deren Ergebnisse die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesinstitut für Berufsbildung und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung am 10. September 2025 in Nürnberg vorstellten. Die Befragung zeigt klare Unterschiede zwischen jungen Menschen mit und ohne Fluchthintergrund.

77 Prozent der befragten Jugendlichen mit Fluchthintergrund gaben an, während der Schulzeit ein Praktikum gemacht zu haben. Bei Gleichaltrigen ohne Fluchthintergrund lag der Anteil bei 93 Prozent. Ähnlich sieht es bei Beratungsgesprächen, Schnuppertagen oder Ausbildungsmessen aus: Geflüchtete nutzen diese Angebote deutlich seltener.

Arbeitslosigkeit als häufige Folge

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtDie Studienautor:innen nennen mehrere Gründe. Sprachprobleme, fehlende Informationen und ein später Zuzug nach Deutschland erschweren den Zugang. Viele Jugendliche kommen erst kurz vor dem Schulabschluss ins deutsche Bildungssystem und verpassen dadurch wichtige Angebote. Um Chancengleichheit zu fördern, empfehlen die Forschenden, Informationen gezielter und in einfacher Sprache bereitzustellen. Berufsorientierung müsse zudem stärker in den Schulalltag integriert werden.

Die Folgen sind gravierend: Jugendliche mit Fluchthintergrund landen seltener in einer dualen Ausbildung oder einem Studium. Stattdessen sind sie überdurchschnittlich oft arbeitslos oder arbeiten ohne abgeschlossene Ausbildung. Ein zentraler Faktor ist das Nachholen von Schulabschlüssen, das den Einstieg in qualifizierte Berufe erleichtert.


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Für die Studie wurden rund 60.000 Personen befragt, die im Vermittlungsjahr 2023/24 bei der Bundesagentur für Arbeit als ausbildungssuchend gemeldet waren. Die Befragung lief von Mitte November 2024 bis Ende Januar 2025. Die Ergebnisse geben einen aktuellen Überblick über die Chancen und Hindernisse auf dem Ausbildungsmarkt und unterstreichen die Dringlichkeit gezielter Unterstützung für Jugendliche mit Fluchthintergrund.

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Tina Groll

Tina Groll, SPIEGEL-Bestsellerautorin und Redakteurin bei der ZEIT im Ressort Wirtschaft, konzentriert sich als Autorin von WIR SIND DER WANDEL auf Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren” aus, 2009 erhielt sie den Otto-Brenner-Preis für kritschen Wirtschaftsjournalismus. Ferner ist sie Mitglied im Deutschen Presserat.