KI-Überwachung am Arbeitsplatz: Viele Führungskräfte sind skeptisch

Bildsymbol für Videoüberwachung

38 Prozent der deutschen Führungskräfte stehen dem Einsatz von KI zur Überwachung von Produktivität und Leistung am Arbeitsplatz skeptisch gegenüber. Dennoch sehen viele die Auswirkungen positiv.


Kernaussagen:

  • 38 Prozent der deutschen Führungskräfte sorgen sich über den möglichen Einsatz von KI zur Überwachung der Mitarbeitenden (UK: 56 Prozent, FR: 38 Prozent).
  • Der europäische Sentiment-Score sinkt leicht auf 68 Punkte, das Vertrauen in KI bleibt stabil.
  • Die Auswirkungen von KI auf Unternehmen werden überwiegend positiv bewertet (UK: 76 Prozent, D: 68 Prozent).

Vier von zehn Führungskräften in Deutschland blicken skeptisch auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Überwachung von Produktivität und Leistung am Arbeitsplatz. In Großbritannien ist diese Sorge noch ausgeprägter. Das zeigt aus aktuelle KI-Stimmungsbarometer „Expleo AI Pulse“, das der weltweit tätige Technologie- und Beratungsdienstleister Expleo monatlich erhebt.

„KI ist ideal geeignet, um Prozesse zu optimieren, Arbeitsschritte einzusparen oder Ressourcen zu maximieren – kann aber auch über das Ziel hinausschießen“, warnt Dr. Yusuf Erdogan, Country Lead Digital & Technology bei Expleo Deutschland. Unternehmen kontrollieren zwar schon immer die Leistung ihrer Mitarbeitenden, doch automatisierte Überwachung erfordert klare Grenzen und transparente Verfahren. „Sonst droht eine Entfremdung zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten“, so Erdogan.

Aktivitäts-Tracking und Zeitüberwachung

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtKI ist längst ein Werkzeug zur Effizienzsteigerung. Doch die Technologie bietet noch mehr: Erdogan nennt Aktivitäts-Tracking und Zeitüberwachung als Beispiele, mit denen KI detaillierte Leistungsprofile erstellt. Künftige Szenarien gehen weiter: Beim Predictive Performance Management prognostiziert KI anhand historischer Daten die Produktivität einzelner Mitarbeitender und erkennt potenzielle Abgänge. Auch Systeme zur Emotionserkennung, die Mimik, Stimmlage oder Körpersprache analysieren, sind technisch möglich.

Die Umfrage zeigt, wie groß die Sorge vor digitaler Überwachung ist: 38 Prozent der deutschen Manager:innen befürchten, KI könnte zur Kontrolle von Mitarbeitenden genutzt werden. Nur 18 Prozent sehen darin kein Problem. In Frankreich äußerten sich ebenfalls 38 Prozent besorgt, in Großbritannien sogar 56 Prozent. Die Unterschiede könnten auch an den rechtlichen Rahmenbedingungen liegen. Während die DSGVO und das deutsche Betriebsverfassungsrecht klare Grenzen setzen, hat Großbritannien nach dem Brexit arbeitsrechtlich mehr Spielraum. „Ob dies die höhere Skepsis der britischen Manager erklärt, lässt sich aus den Daten allerdings nicht ableiten“, sagt Erdogan.

Britischer Optimismus trifft deutsche Vorsicht

Trotz ihrer Skepsis bewerten britische Führungskräfte das Potenzial von KI besonders optimistisch. Mit 72 Punkten liegt der britische Sentiment-Index im Oktober deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 68 Punkten. Deutschland erreicht 67 Punkte, Frankreich 64 Punkte.

Auch in anderen Bereichen zeigt sich die Diskrepanz: 74 Prozent der britischen Führungskräfte sehen große Chancen für ihre Unternehmen (Deutschland: 67 Prozent), und 76 Prozent bewerten die Auswirkungen von KI positiv (Deutschland: 68 Prozent). „Die Briten verbinden Begeisterung mit Wachsamkeit“, erklärt Erdogan. Deutsche Führungskräfte agieren zurückhaltender, bleiben aber engagiert und zuversichtlich.

„KI ist im Arbeitsalltag angekommen, doch die Diskussion über KI-Ethik am Arbeitsplatz steht erst am Anfang“, fasst Erdogan zusammen. „Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich die europäischen Ansätze angleichen oder ob die regulatorischen Unterschiede die Kluft vertiefen werden.“

Zur AI-Pulse-Studie:
Die „Expleo AI Pulse“-Umfrage läuft seit August 2025 monatlich in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Sie liefert repräsentative Einblicke in den Einsatz von KI in Unternehmen. Die aktuelle Ausgabe basiert auf der dritten Erhebungswelle (Feldphase: Oktober 2025). Pro Land werden 200 Führungskräfte aus Branchen wie IT, Finanzdienstleistungen, Handel, Ingenieurwesen und Logistik befragt. Die Insights-Agentur Opinium führt die Studie im Auftrag von Expleo durch. Weitere Daten sind auf Anfrage erhältlich.

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