Kündigungsbereitschaft so hoch wie nie

Mehrere Personen sitzen vereinzelt an Tischen

Durch die Pandemie stellen viele Beschäftigte ihr berufliches Dasein in Frage. Mit verheerenden Folgen für Unternehmen, denn die Kündigungsbereitschaft ist so hoch wie nie. Dabei könnte es so einfach sein.

Beschäftigte emanzipieren sich aufgrund neuer Arbeitsformen und flexibler Arbeitsbedingungen. Sie stellen selbstbewusste Anforderungen an ihre Arbeitgeber. Auslöser ist in den meisten Fällen die Corona-Krise mit dem Zwang zu neu gestalteten Arbeitsformen wie hybrider und Remote-Arbeit sowie der Gelegenheit zur Infragestellung des beruflichen Daseins. Das Verhalten der Arbeitgeber in der Pandemie, die Änderung von Arbeitsstrukturen, die Themen Burnout und psychische Gesundheit nach langjähriger Beschäftigung sowie die neue Flexibilität durch Remote-Arbeit bis zu Workation führten bei vielen Beschäftigten nicht nur zu Wechselgedanken, sondern auch zur Kündigung.

„Es ist für Unternehmen momentan ein riesiges Problem, Beschäftigte zu finden bzw. zu halten. Die Fluktuation in Zeiten des New Work wird zum wirtschaftlichen Problem. Allein die ständige Einarbeitung von Mitarbeitenden verschlingt Kosten und Zeit“, so Ludger Kesting, VP Product Management von Tivian XI. Der Psychologe Anthony Klotz hat für die große Unzufriedenheit in den USA, die längst auch Deutschland erreicht hat, einen eigenen Begriff geprägt: Great Resignation.

Kluft zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden

Laut einer Umfrage des Gallup Engagement Index 2021 gab jeder vierte Beschäftigte an, in einem Jahr nicht mehr in seinem derzeitigen Arbeitsverhältnis tätig sein zu wollen. Geringe Wertschätzung, schlechte interne Kommunikation, fehlende Karrieremöglichkeiten sowie schlechte Bezahlung werden in Studien als Gründe genannt. Als am 18. März 2022 die Home-Office-Pflicht in Deutschland endete, wurde vor allem die Kluft zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden deutlich.


Ludger Kestings Tipps für glückliche Beschäftigte:

  • Analysieren Sie Ihre Unternehmenskultur und Leadership und schaffen Sie ein Klima mit Kommunikation und Vertrauen.
  • Nehmen Sie sich genug Zeit, die Feedbackmöglichkeiten kennen zu lernen, setzen Sie auf intelligente KI und passen Sie diese an Ihr Unternehmen an.
  • Stellen Sie Feedbackmöglichkeiten in vielen Bereichen bereit und fragen Sie Ihre Mitarbeiter regelmäßig, was diese brauchen.
  • Ziehen Sie Schlüsse aus den Mitarbeiterbefragungen, werden Sie aktiv und unternehmen Sie Veränderungen, am besten digital.
  • Bieten Sie Entwicklungsmöglichkeiten, Karriereprogramme und Weiterbildungen.
  • Bieten Sie Arbeitsmodelle in Rücksprache mit den Mitarbeitern.
  • Legen sie Wert auf Wellbeing und integrieren Sie Fragen zur psychischen Situation in Ihr Feedbacktool ein.

Im Zuge der steigenden Impfquoten in Deutschland riefen im Sommer 2021 mehr und mehr Unternehmen mit Beschäftigtenzahlen zwischen 500 bis 10.000 ihre Mitarbeitende ins Büro zurück. Tivian führte eine Personalstudie durch – mit erschreckenden Ergebnissen: 37 Prozent der Angestellten lehnten die Rückkehr ins Büro ab. Ganz 52 Prozent gaben an, sich bei fehlender Flexibilität innerhalb von sechs Monaten eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Und 29 Prozent sagten, sie seien weniger motiviert ohne flexible Arbeitsortlösungen.

Employee Experience ist Gift für den Erfolg

Aber nicht nur dieses Unbewusstsein und Nichtwissen über die Employee Journey und Mitarbeiterzufriedenheit auf Führungsseite führt zu Fluktuation. Auch der Fachkräftemangel, die demografische Entwicklung sowie das sinkende Engagement vieler Beschäftigten in ihren derzeitigen Positionen (Stichwort: innere Kündigung) belastet Unternehmen. Sie sollten daher dringend die Bedeutung der Mitarbeiterzufriedenheit für ihren Unternehmenserfolg erkennen. Denn eine schlechte Employee Experience ist Gift für den nachhaltigen, wirtschaftlichen Erfolg.

Wir sind der Wandel-NewsletterOb Home-Office, hybrides Arbeiten oder Workation – Mitarbeitende wünschen sich vor allem einen Arbeitsplatz, wo sie sich entwickeln können. Wo sie ein wichtiger Teil eines größeren Ziels sind. Wo sie frei genug sind, ihre Art zu arbeiten auszuleben bzw. an ihre Lebensbedingungen anzupassen. Dabei spielt vor allem die psychische Gesundheit eine immer größere Rolle. In den USA findet jedes Jahr im Mai der „Mental Health Awareness Month“ statt, der dafür das Bewusstsein schaffen will. Es ist nachweislich bekannt, dass glückliche Mitarbeitende deutlich produktiver sind. Die Employee Experience umfasst daher alle möglichen Stationen eines Arbeitslebens: von der Bewerbung über den Arbeitsalltag bis hin zum späteren Austritt. Es geht um die Atmosphäre, die technischen Hilfsmittel, den physischen Raum, die Unternehmensstruktur und vor allem auch die Führung.

Die Herausforderung für Leadership ist, das eigene Unternehmen gründlich zu analysieren und das Verbesserungspotenzial zu erkennen. Um die Unternehmenskultur analysieren und verbessern zu können, brauchen Unternehmen moderne und zeitgemäße Methoden und Tools. Befragungen von Mitarbeitenden und Feedbackdaten mit KI und intelligenter Software können dabei sehr hilfreich sein. „Es ist von fundamentaler Bedeutung, dass Unternehmen ihre Angestellten und deren Ansichten kennen, Daten aus Befragungen auswerten sowie Lösungen für eine bessere Arbeitskultur und für positives Leadership entwickeln, damit es nicht zu teuren Neueinstellungen und Schulungen kommt“, so Ludger Kesting.

Was macht Unternehmen besonders?

Die gestiegenen Ansprüche von Mitarbeitenden und der „War for Talents“ zwingen Unternehmen dazu, stärker auf ihre Außenwirkung zu achten und an ihrem Employer Branding zu arbeiten. Eine einzelne Marketingkampagne reicht dabei allerdings nicht aus. Vielmehr sollten Unternehmen ihre Erfolgsstory kommunizieren, denn in Zeiten von Fachkräftemangel und einem neuen Bewusstsein für selbstbestimmtes und sinnhaftes Arbeiten werden moderne und gerechte Unternehmenswerte zum Wettbewerbsvorteil. Nur wer seinen Mitarbeitenden attraktive Rahmenbedingungen bietet und auf ihre Bedürfnisse eingeht, kann sich im „War for Talents“ durchsetzen und engagierte Beschäftigte an sich binden.

Das hat auch die Bundesregierung erkannt und im Oktober 2020 das Start-up DigitalService gekauft. Diesen einzigartigen Weg können Sie hier verfolgen.

Redaktion

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