Für viele junge Talente wird der Berufseinstieg zur Geduldsprobe. Hohe Anforderungen, wenige Praxischancen und ausbleibende Rückmeldungen erschweren den Start.
Der Start ins Berufsleben ernüchtert viele Hochschulabsolvent:innen. Master-Absolvent:innen suchen im Durchschnitt 21 Wochen nach einem passenden Job – mehr als zwei Monate länger als Bachelor-Absolvent:innen, die nach 13 Wochen fündig werden. Das zeigt eine aktuelle Stepstone-Umfrage zur Lage junger Talente auf dem Arbeitsmarkt.
„Der Berufseinstieg ist für viele deutlich schwieriger geworden, weil Erwartungen und Realität am Arbeitsmarkt auseinanderlaufen. Unternehmen suchen zwar dringend Nachwuchs, setzen aber gleichzeitig häufig Praxiserfahrung voraus, die viele Absolventinnen und Absolventen erst im Job sammeln können“, sagt Dr. Christina Langer, Senior Economist und Arbeitsmarktforscherin bei The Stepstone Group.
Unternehmen suchen Nachwuchs, bieten aber wenig Einstiegschancen
Praktische Erfahrung öffnet vielen Absolvent:innen die Tür zum Beruf. 41 Prozent der Befragten sagen, dass Praktika oder Werkstudierendenjobs den Einstieg erleichtert haben. Für 34 Prozent führte eine solche Tätigkeit während des Studiums direkt zur Übernahme.
Doch Praxiserfahrung zu sammeln, wird schwieriger. Laut Stepstone-Analyse klagen 73 Prozent der Unternehmen über Nachwuchsmangel, aber weniger als die Hälfte bietet entsprechende Einstiegsmöglichkeiten. Nur 46 Prozent beschäftigen Werkstudierende oder Praktikant:innen, und lediglich 19 Prozent setzen auf Traineeprogramme.
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Hohe Anforderungen erschweren den Einstieg
Neben fehlender Praxiserfahrung bremsen auch überzogene Anforderungen den Berufseinstieg. 67 Prozent der Berufseinsteiger berichten, dass Stellenanzeigen oft unrealistische Erwartungen formulieren. Zudem bleiben Bewerbungen häufig unbeantwortet: 71 Prozent erhalten regelmäßig keine Rückmeldung. 54 Prozent fühlen sich mit ihren Kompetenzen wenig gefragt.
Die Folgen sind deutlich: Vor dem Abschluss blicken 76 Prozent der Studierenden optimistisch auf ihre Karriere. Doch beim Eintritt in den Arbeitsmarkt folgt oft die Ernüchterung. 56 Prozent der Berufseinsteigenden empfinden die Jobsuche als schwierig.
„Viele Berufseinsteigende erleben einen echten Realitätsschock beim Eintritt in den Arbeitsmarkt“, sagt Langer. „Wer Nachwuchs gewinnen will, muss Einstiegshürden senken und gezielt Möglichkeiten für Praxiserfahrung schaffen. Hier entscheidet sich, welche Unternehmen sich langfristig die Fachkräfte von morgen sichern.“
Für die Studie „Entry Level Jobs“ befragten Stepstone und Studydrive im November 2025 rund 4.500 Personen in Deutschland – darunter 754 Studierende, 331 Young Professionals sowie 455 Personalverantwortliche. Die Online-Umfrage untersuchte die Einstellungsbereitschaft von Unternehmen, die beruflichen Erwartungen junger Talente und die Jobsicherheit verschiedener Studienfächer. Die Stichprobe ist repräsentativ für die Erwerbsbevölkerung in Deutschland. Studierende, Young Professionals und Personalverantwortliche wurden als eigene Gruppen ausgewertet. Young Professionals sind in dieser Studie Absolvent:innen mit weniger als drei Jahren Berufserfahrung.

