Mütter als Teilzeitkräfte

Paar mit Kind

Der Mann als Hauptverdiener, die Frau als Teilzeitkraft – trotz jahrzehntelanger feministischer Bemühungen prägen traditionelle Geschlechternormen weiterhin die Denkmuster und Vorstellungen der Gesellschaft in Bezug auf Familienmodelle.

Das belegt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Sie zeigt, dass traditionelle Geschlechternormen und patriarchale Strukturen in Deutschland weiterhin vorherrschen. Laut dieser Studie befürworten 41 Prozent der Befragten ein Familienmodell, in dem der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit arbeitet. Ein klares Indiz dafür, dass die traditionelle Aufteilung der Arbeitsbelastung innerhalb der Familie immer noch tief verankert ist. Laut Studie befürworten 42 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer eine solche Kombination, wenn das Kind zwei Jahre alt ist. 71 Prozent der Frauen und 64 Prozent der Männer finden, dass Mütter von Zweijährigen in Teilzeit arbeiten sollten.

Cover für Überall, nur nicht im BüroDie Studie zeigt auch, dass nur 27 Prozent der Befragten eine partnerschaftliche Arbeitsteilung bevorzugen, wobei Frauen dieses Modell mit 31 Porzent häufiger befürworten als Männer mit 25 Prozent. Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sind besonders auffällig. So befürworteten Menschen im Osten für Mütter eine Vollzeitstelle deutlich häufiger als Menschen in den alten Bundesländern. Die konkreten Zahlen hängen vom Alter des jüngsten Kindes ab: Eine Vollzeitstelle für die Mutter eines Zweijährigen befürworten in Ostdeutschland 30, in Westdeutschland 11 Prozent. Ist das Kind vier Jahre alt, sehen 53 Prozent in Ostdeutschland eine Vollzeitarbeit der Mutter als wünschenswert an, 23 Prozent in Westdeutschland.

Frauen werden auf bestimmte Rollen reduziert

Für die Studie wurden Angaben aus dem familiendemografischen Panel FReDA ausgewertet, für das rund 38.000 Menschen zwischen 18 und 50 Jahren befragt wurden. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Comparative Population Studies veröffentlicht. Die Teilnehmenden bewerteten fiktive Familienkonstellationen, die sich durch das Alter des jüngsten Kindes unterschieden. Sie sollten sich eine Familie mit Mutter, Vater und einem Kind von 2 bis 18 Jahre vorstellen und angeben, ob Mutter und Vater Vollzeit, Teilzeit oder nicht arbeiten sollten.

Die Ergebnisse zeigen, dass trotz jahrzehntelanger feministischer Bemühungen, traditionelle Geschlechternormen weiterhin die Denkmuster und Vorstellungen der Gesellschaft in Bezug auf Familienmodelle prägen, welche die Frauen weiterhin auf bestimmte Rollen reduzieren.

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Tina Groll

Tina Groll arbeitet hauptberuflich als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren“ aus. Sie ist Mitglied im Deutschen Presserat sowie als Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union tätig. Als Autorin von WIR SIND DER WANDEL beschäftigt sie sich mit der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik.