500.000 Stellen unbesetzt, Löhne bis zu 30 Prozent unter Marktniveau: Die Public Pay Studie 2025 zeigt, warum der öffentliche Dienst im Wettbewerb um Fachkräfte massiv unter Druck steht.
Der öffentliche Dienst steht unter beispiellosem Druck. Klimakrise, Digitalisierung, wachsende soziale Aufgaben – die Gesellschaft fordert mehr, schneller, besser. Doch die Personaldecke wird dünner. Der Fachkräftemangel trifft Verwaltung, Kitas, Pflegeeinrichtungen und Sicherheitsbehörden gleichermaßen.
Die Public Pay Studie 2025 zeigt das Ausmaß: Über 500.000 Stellen im öffentlichen Sektor bleiben unbesetzt. Nachwuchs fehlt, erfahrene Kräfte gehen in Rente, und die Privatwirtschaft lockt mit besseren Konditionen. Der Knackpunkt: das Gehalt.
Abhängigkeit von Leiharbeit wächst
Ingenieur:innen im öffentlichen Dienst verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als in der Industrie, bei IT-Fachkräften beträgt die Differenz sogar 30 Prozent. Ohne eine Anpassung der Vergütung droht der öffentliche Dienst im Wettbewerb um Talente endgültig abgehängt zu werden.
Besonders dramatisch ist die Lage in Gesundheits- und Sozialberufen. Pflegekräfte in kommunalen Einrichtungen verdienen deutlich weniger als ihre Kolleg:innen in privaten Häusern – bei gleicher Belastung. Die Folge: Abwanderung und eine wachsende Abhängigkeit von Leiharbeit.
Vergütung als Standortfaktor
Die Studie zeigt: Der öffentliche Dienst kann seine Rolle als Rückgrat des Landes nur sichern, wenn er beim Gehalt aufholt. Bewerber:innen schätzen zwar die Arbeitsplatzsicherheit, erwarten aber auch eine faire Anerkennung ihrer Leistung.
Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen verdeutlicht das Problem: In einer mittelgroßen Stadt blieben über Monate hinweg mehr als 40 IT-Stellen unbesetzt. Bewerbende entschieden sich für private Arbeitgeber, die nicht nur besser zahlten, sondern auch flexiblere Arbeitsmodelle boten. Erst mit Zulagen und verbindlichem Homeoffice stieg die Zahl der Bewerbungen – die Besetzungszeit halbierte sich.
Die Studie zeigt auch regionale und berufsspezifische Unterschiede. Berufe mit hohem Frauenanteil – etwa in Erziehung, Sozialarbeit und Verwaltung – sind besonders schlecht bezahlt. In klassischen Männerdomänen wie Technik und Sicherheit ist die Lücke kleiner. Diese Ungleichheit verschärft bestehende soziale Schieflagen. Wer glaubt, Fachkräfte für unverzichtbare Aufgaben allein mit moralischen Appellen zu gewinnen, ignoriert die Realität des Arbeitsmarktes.
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Neue Vergütungspolitik, neue Kultur
Die Public Pay Studie 2025 fordert einen Paradigmenwechsel. Es braucht keine punktuellen Zulagen, sondern eine systematische Anpassung. Die Vergütung muss nicht mit der Privatwirtschaft gleichziehen, darf aber nicht länger 20 bis 30 Prozent hinterherhinken.
Drei Hebel sind entscheidend:
- Transparenz: Gehaltssysteme müssen nachvollziehbar sein. Beschäftigte und Bewerbende wollen wissen, wie sich Gehälter entwickeln und welche Perspektiven sie haben.
- Flexibilität: Neben Geld zählen Angebote wie mobiles Arbeiten, Weiterbildung und echte Karrierechancen. Der öffentliche Dienst muss zeigen, dass er modern ist.
- Gleichstellung: Die Unterbewertung von „typischen Frauenberufen“ darf nicht länger hingenommen werden. Faire Bezahlung ist nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftspolitisch notwendig.
Ein Bundesland zeigt, wie es geht: Mit Prämien für Fachkräfte in der Kinderbetreuung stieg die Zahl der Bewerbungen binnen eines Jahres um 25 Prozent. Die Botschaft ist klar: Wo Wertschätzung spürbar ist wird, steigt die Attraktivität.
Der öffentliche Dienst vor der Bewährungsprobe
Die Public Pay Studie 2025 ist mehr als eine Gehaltsanalyse – sie ist ein Weckruf. Ohne faire Bezahlung verliert der öffentliche Dienst seine Handlungsfähigkeit. Die Folgen treffen Bürger:innen, Wirtschaft und Gesellschaft direkt.
Das Problem ist offensichtlich: Unterfinanzierung, unbesetzte Stellen, abwandernde Fachkräfte. Die Lösung liegt auf der Hand: Transparente, faire und zukunftsorientierte Vergütung, die gesellschaftliche Verantwortung mit marktfähigen Bedingungen verbindet.
Am Ende geht es um mehr als Löhne. Es geht um Vertrauen. Bürger:innen erwarten, dass Verwaltung, Pflege, Bildung und Sicherheit funktionieren. Dafür braucht es qualifizierte, motivierte und engagierte Menschen. Diese entscheiden sich nur für den öffentlichen Dienst, wenn ihre Arbeit auch finanziell anerkannt wird. Faire Bezahlung ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in die Stabilität des Landes – so fasst es die Studie zusammen.

