Pay Transparency: Deutsche Unternehmen vor dem Stresstest

Menschen auf Büroflur

Die Zeit drängt: Bis 2026 zwingt die EU-Pay-Transparency-Richtlinie deutsche Unternehmen, Gehälter transparenter zu machen – und fordert eine Offenheit, auf die viele nicht vorbereitet sind.

Laut der aktuellen „WTW Pay Transparency Survey 2025“ sehen 79 Prozent der Unternehmen die neuen Vorgaben als Haupttreiber für Veränderungen in der Vergütungskommunikation. „Viele Firmen unterschätzen, wie komplex die Umsetzung der Transparenzvorgaben ist – operativ und kommunikativ“, sagt Florian Frank, Head of Work and Rewards bei WTW. „Besonders die Reaktionen der Mitarbeitenden und der höhere Abstimmungsaufwand fordern HR und Management heraus.“

Gehaltsspannen bleiben ein Tabu

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtNur drei Prozent der Unternehmen teilen Bewerbenden in allen Regionen Gehaltsspannen mit – unabhängig von gesetzlichen Vorgaben. Überraschend: Fast die Hälfte (48 Prozent) plant nicht, dies zu ändern. „Dieser hohe Anteil zeigt, dass viele Firmen die Brisanz des Themas noch nicht erkannt haben“, so Frank.

Unternehmen rechnen damit, dass die Offenlegung von Vergütungsinformationen zu mehr Nachfragen und Gehaltsverhandlungen führt – sowohl von Bewerbenden als auch von Mitarbeitenden. Fast 90 Prozent der Befragten erwarten einen deutlichen Anstieg solcher Gespräche. Als größte Hürden nennen sie die Reaktionen der Mitarbeitenden, administrative Komplexität und fehlende Daten. Zwei von fünf Unternehmen geben zu, dass ihre Vergütungsprogramme noch nicht auf die neuen Anforderungen vorbereitet sind.


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Transparenz als Chance

Auch bei der geschlechtergerechten Bezahlung tut sich etwas: Ein Viertel der Unternehmen veröffentlicht bereits freiwillig die unbereinigte Lohnlücke, zwei von fünf planen diesen Schritt. 84 Prozent der deutschen Unternehmen messen die Auswirkungen der Transparenzanforderungen mit Kennzahlen – deutlich mehr als im globalen Vergleich.

Die neuen Vorgaben setzen Unternehmen unter Druck, bieten aber auch Chancen: Sie können Vergütung fairer und nachvollziehbarer gestalten und sich im Wettbewerb um Talente besser positionieren. „Gehaltstransparenz geht weit über Compliance hinaus“, betont Frank. „Sie ermöglicht, Vergütung strategisch einzusetzen und eine moderne Unternehmenskultur zu fördern.“

An der WTW Pay Transparency Survey 2025 nahmen weltweit rund 1.900 Unternehmen mit insgesamt 39 Millionen Mitarbeitenden teil. In Deutschland beteiligten sich etwa 140 Unternehmen, die 5,7 Millionen Beschäftigte repräsentieren. Die Studie beleuchtet Strategien, Herausforderungen und Erwartungen rund um Gehaltstransparenz.

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