Siesta in Deutschland

Mann in einer Hängematte am Meer

Ärztinnen und Ärzte fordern an Hitzetagen die Einführung einer Mittagsruhe. Gewerkschaften gehen gar einen Schritt weiter und fordern, dass bei extremen Temperaturen die Arbeit eingestellt und der fehlende Lohn durch staatliche Hilfe ausgeglichen werden sollte.

Die Idee einer Siesta während der Hitzeperioden in Deutschland wird von vielen befürwortet, darunter Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sowie die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Der Vorschlag kommt vom Vorsitzenden des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Johannes Nießen. Er argumentiert, dass Hitze die Leistungsfähigkeit der Menschen beeinträchtigt sowie Probleme mit dem Schlaf und der Konzentration verursacht.

Cover für Überall, nur nicht im BüroUnd obwohl es Zustimmung für die Idee gibt, betonen sowohl der Gesundheitsminister als auch die BDA, dass die Entscheidung über die Einführung einer Siesta zwischen Unternehmen und Beschäftigten ausgehandelt werden sollte. Die BDA argumentiert, dass eine Reform des Arbeitszeitgesetzes Mitarbeitenden eine größere Flexibilität bieten könnte und unterstreicht, dass Unternehmen bereits jetzt verpflichtet sind, ihre Beschäftigten bei hohen Temperaturen zu schützen.

Büros mit Temperaturen von mehr als 35 Grad schließen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hingegen weist auf die Gefahren hin, die das Arbeiten bei Hitze für die Gesundheit der Beschäftigten darstellt, und kritisiert Unternehmen für das Fehlen von Gefährdungsbeurteilungen. Anja Piel, Mitglied des DGB-Vorstands, fordert ferner, Büros mit Temperaturen von mehr als 35 Grad zu schließen. Es sei denn, das Unternehmen bietet Hilfsmittel wie Luftduschen an.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) äußert Bedenken, dass das Modell der Siesta nicht für alle Berufsgruppen einfach umzusetzen ist. Es wird argumentiert, dass bei der Arbeit auf Baustellen und Feldern beispielsweise Lärmschutzprobleme auftreten könnten und es schwierig wäre, eine mehrstündige Siesta auf diesen Arbeitsplätzen durchzuführen. Die Gewerkschaft schlägt vor, dass bei extremen Temperaturen die Arbeit eingestellt und der fehlende Lohn durch staatliche Hilfe ausgeglichen werden sollte.

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Tina Groll

Tina Groll arbeitet hauptberuflich als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren“ aus. Sie ist Mitglied im Deutschen Presserat sowie als Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union tätig. Als Autorin von WIR SIND DER WANDEL beschäftigt sie sich mit der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik.