Warum Unternehmen auf vier Pfoten setzen – und was dabei zählt

Hund liegt auf dem Fußboden

Immer mehr Unternehmen holen Hunde ins Büro – und das aus gutem Grund. Doch ohne klare Regeln droht Chaos statt Kollegialität und Kuschelhormon.

Hunde im Büro galten lange als nette Spielerei. Heute sind sie für viele Unternehmen ein strategisches Mittel, um Talente zu gewinnen. Claudia Tödtmann zieht in der Wirtschaftswoche ein Fazit zu einem Trend, der längst Alltag geworden ist. Bürohunde sorgen nicht nur für Wohlfühlfotos, sondern auch für neue Regeln im Arbeitsalltag.

Die Entwicklung begann mit einer Beobachtung: Sabine Hansen, Headhunterin bei der Personalberatung Sheforher, verlor nach der Corona-Pandemie mehrere Kandidat:innen kurz vor Vertragsunterzeichnung. Der Grund: der Hund. Viele Bewerber:innen wollten ihre während des Lockdowns angeschafften Vierbeiner nicht allein lassen oder in eine Hundepension geben – und sagten lieber ab, als sich von ihrem Tier zu trennen. Unternehmen reagierten darauf mit Flexibilität: Einige erlauben Bürohunde, andere bezuschussen Hundetagesstätten als Teil des Gehaltspakets.

Hunde mit Karrierefaktor

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtDass Hunde am Arbeitsplatz mehr sind als sentimentale Begleiter, belegen Studien. Der Kontakt mit Hunden fördert die Ausschüttung von Oxytocin, dem “Kuschelhormon”, senkt Stress und steigert das Wohlbefinden. Firmen wie Zara, SAP, Nestlé oder die Eos-Gruppe (Otto Group) sehen Bürohunde als Motor für soziale Interaktion, Motivation und Employer Branding. Selbst konservative Arbeitgeber wie Großkanzleien oder die Berliner Verwaltung öffnen sich.

Damit der Hund im Büro nicht zum Streitpunkt wird, braucht es Regeln – und die fehlen oft. Der Berliner Senat zeigt, wie es geht: Hunde dürfen nur mit Impfpass, Haftpflichtversicherung, sozialverträglichem Verhalten und nach einer zehntägigen Probezeit ins Büro. Kolleg:innen müssen anonym zustimmen, ein „Doggy-Sitter“ für Meetings wird festgelegt, und Hinweisschilder sind Pflicht. Reinigungskosten tragen die Halter:innen selbst.


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Klare Regeln, zufriedene Teams

Klare Vorgaben vermeiden Konflikte und fördern die Motivation. Die Eos-Gruppe etwa hat ein eigenes Gebäude für Hundebesitzer:innen eingerichtet. Wer will, kann dort arbeiten. Nestlé trennt Etagen, um Allergiker:innen und Tierängstliche zu schützen. Auch Behörden profitieren: Im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf gab es seit Einführung der Diensthunde-Regelung keine Konflikte, aber messbare Erfolge im Recruiting. Einige Mitarbeitende entschieden sich bewusst für das Bezirksamt – wegen der Hundeerlaubnis. Ein Vorteil, der nichts kostet, aber viel bewirkt.

Ein Urteil des Arbeitsgerichts Düsseldorf zeigt jedoch, dass Duldung keine Erlaubnis ersetzt. Eine Mitarbeiterin einer Spielhalle verlor das Recht, ihren Hund mitzubringen, weil sie keine vertragliche Regelung gab. Wer auf Bürohunde setzt, braucht klare Absprachen.

Hunde im Büro sind mehr als nur eine Feel-Good-Maßnahme. Sie stärken Teamgeist, Gesundheit, Mitarbeiterbindung und die Attraktivität als Arbeitgeber. Doch ohne feste Regeln droht Chaos statt Kuschelhormon.

Den vollständigen Artikel mit Praxisbeispielen, Tipps und wissenschaftlichen Hintergründen finden Sie in der Wirtschaftswoche: „Was Sie mit Hund im Büro beachten sollten“ von Claudia Tödtmann, erschienen am 13. Juli 2025.

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Tina Groll

Tina Groll, SPIEGEL-Bestsellerautorin und Redakteurin bei der ZEIT im Ressort Wirtschaft, konzentriert sich als Autorin von WIR SIND DER WANDEL auf Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren” aus, 2009 erhielt sie den Otto-Brenner-Preis für kritschen Wirtschaftsjournalismus. Ferner ist sie Mitglied im Deutschen Presserat.