Welcher Home-Office-Typ sind Sie?

Person am Tisch sitzend

Anders als viele Mitarbeitende im Frühjahr 2020 angenommen haben, ist die Arbeit in den eigenen vier Wänden nach wie vor das Gebot der Stunde. Doch jeder hat andere Vorraussetzungen und Bedürfnisse.

In Anbetracht von Home-Schooling, geschlossenen Kitas oder Isolationsgefühl erleben Mitarbeitende die Situation im Home-Office oft völlig unterschiedlich. In verschiedenen Studien hat Arbeitsraum-Experte Steelcase im vergangenen Jahr über 32.000 Personen zu ihrer Stimmungslage befragt: Mehr als jede(r) Dritte (38 Prozent) empfindet beispielsweise ein zunehmendes Isolationsgefühl bei der Arbeit von zu Hause und 23 Prozent berichten, dass Entscheidungen langsamer getroffen wurden als zuvor. Auch Engagement und Produktivität leiden oftmals (19 Prozent). Allerdings gaben auch 37 Prozent an, dass sich ihre Work-Life-Balance verbessert hat und rund ein Drittel (27 Prozent) schätzen die gestiegene Flexibilität. Aus diesen Ergebnissen hat das WorkSpace Future-Team von Steelcase fünf verschiedene Verhaltensmuster von Mitarbeitenden identifiziert:

Typ 1: Isolierte Zoom-Nutzer
Für isolierte Zoom-Nutzer ist das Home-Office eine einsame Angelegenheit, denn diese Personen leben alleine. Ihnen steht keine äußere Struktur zur Verfügung, die eine gesunde Zeitplanung für den Arbeitstag erfordern würde. Sie schätzen das Büro, da es Struktur bietet und ihnen hilft, eine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben zu schaffen. Dabei fungiert vor allem der tägliche Weg zwischen Arbeit und Zuhause als Übergangsphase zwischen Arbeit und Freizeit. Der Tag dieser Personen besteht aus einer nicht endenden Reihe an Zoom-Videocalls – und dennoch fühlen sie sich trotz der permanenten Interaktion isoliert. Denn ihnen fehlen die persönlichen und beruflichen Interaktionen mit den Kolleginnen und Kollegen – was auch der wichtigste Grund ist, weshalb sie wieder ins Büro zurückkehren möchten. Die Beziehung zu Kolleginnen und Kollegen und das freundschaftliche Netzwerk bei der Arbeit erleichtern diesen Personen den Umgang mit Herausforderungen.

Typ 2: Autonomie-Suchende
Autonomie-Suchende sind begeistert von der derzeitigen Arbeitssituation, denn Home-Office bedeutet für sie Freiheit. Sie fühlen sich zu Hause genauso produktiv wie im Büro und können jetzt gänzlich in ihrem eigenen Rhythmus arbeiten – ohne dass ihnen dabei ständig jemand über die Schulter sieht. Das eigene Wohlbefinden steigt mit der Arbeit von zu Hause, denn sie können in verschiedenen Haltungen an unterschiedlichen Plätzen arbeiten, gesunde Mahlzeiten zubereiten und Aktivitäten in den Arbeitstag einbauen. Autonomie-Suchenden gefällt besonders gut, dass sie den Arbeitstag, der sowohl private Dinge und als auch Arbeitsbelange berücksichtigt, selbstbestimmt gestalten können.

Typ 3: Frustrierte, kreative Netzwerker
Diese Person hat gemischte Gefühle in Bezug auf die Arbeit von zu Hause, denn für die frustrierten, kreativen Netzwerkenden kommen sowohl das Privatleben als auch die Arbeit zu kurz. Einerseits sehnt sich diese Person nach den Vorzügen des Büro-Alltags, ist sich andererseits aber unsicher bezüglich des Zurückkehrens. Sie ist sehr schnell gut mit den digitalen Tools zurechtgekommen, empfindet virtuelle Technologien aber nicht wirklich geeignet für kreative Zusammenarbeit und spontane Interaktionen. Die Pandemie ist für sie eine immense Herausforderung. Sie fühlt sich abgeschnitten – die persönlichen Interaktionen, die ihre Arbeit voranbringen und neue Impulse liefern, fehlen einfach zu sehr.

Typ 4: Überarbeitete Betreuer
Überarbeitete Betreuer sind im Home-Office permanenten widersprüchlichen Anforderungen ausgesetzt. Diese Personen schaffen es kaum, den Arbeitsaufgaben und den familiären Anforderungen gerecht zu werden. Ihr vollgepackter Tag besteht aus Meetings, dem Abarbeiten von Aufgaben, Kinderbetreuung und/oder Home-Schooling sowie dem Haushalt. Häufig müssen diese Personen alleine oder mit ihren Partnern im Schichtbetrieb einerseits der elterlichen Verantwortung nachkommen und andererseits die Erwartungen als Mitarbeitende erfüllen. Daher sind Erschöpfung und Schuldgefühle bei ihnen an der Tagesordnung. Diesen Personen fehlt das Büro vor allem, weil sie dort ihre häusliche Verantwortung hinter sich lassen und ihre Aufmerksamkeit gezielt auf ihre Arbeitsaufgaben lenken können. Dennoch gefällt diesem Charakter die Flexibilität, die das Home-Office bietet, da sich Familie und Arbeit so besser organisieren lassen.

Typ 5: Erleichterte Selbstschützer
Covid-19 bereitet den Selbstschützern große Sorgen. Daher vermittelt auch nur die Arbeit von zu Hause aus wirklich Sicherheit. Sie sind ängstlich, möchten sich und ihre Mitmenschen bestmöglich schützen und empfinden die Arbeit von zu Hause aus im Lockdown daher als Segen. Durch den Wegfall des Arbeitsweges und den verminderten Kontakten sind diese Person weniger angespannt – wodurch auch ihre Produktivität steigt. Zudem können sich diese Personen in sicherer Umgebung und an einem Ort, an dem sie sich wohlfühlen, darauf konzentrieren, ihre Aufgaben zu erledigen, anstatt sich mit zwischenmenschlichen Begegnungen einem Risiko aussetzen zu müssen.

Die Mehrheit wünscht sich hybriden Ansatz

Aus den Studien-Ergebnissen sowie den abgeleiteten fünf Personengruppen lässt sich festhalten, dass die große Mehrheit ein vollständiges Home-Office-Modell ablehnt. Rund die Hälfte der befragten Mitarbeitenden sind mit der derzeitigen Situation unzufrieden. „Die etwas überspitzt dargestellten Personen zeigen, welche unterschiedlichen Bedürfnisse Menschen im Home-Office entwickeln und welchen vielschichtigen Herausforderungen Unternehmen dadurch ausgesetzt sind. Dabei ist nicht auszuschließen, dass ein und dieselbe Person sich an verschiedenen Tagen in anderen Verhaltensmustern wiederfindet. Erfahrungen, die Mitarbeitende im Home-Office gesammelt haben, beeinflussen, welche Arbeitsumgebungen und -voraussetzungen sie sich für die Zukunft wünschen. Oder verstärken Anforderungen, die bereits vor der Pandemie eine Rolle spielten“, so Dr. Dewi Schönbeck, Workplace Design & Consulting Director EMEA bei Steelcase.

Unternehmen können diese Zeit des Umbruchs als Chance nutzen, um zu erkennen, was Mitarbeitende an der Arbeit von zu Hause geschätzt, aber auch am Büroalltag vermisst haben. Über 98 Prozent (Deutschland) wünschen sich eine zumindest zeitweise Rückkehr ins Büro, sehen also im hybriden Modell von Präsenzarbeitszeit und Home-Office die Lösung für die Zukunft. Dabei geht es häufig um flexiblere Arbeitsrahmenbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Aber auch das Sicherheitsgefühl und die Wohlfühlatmosphäre, die sich positiv im Home-Office bemerkbar gemacht haben, sollten künftig von Unternehmen berücksichtigt werden. Neue Designkonzepte und Raumlösungen sowie aktuelle technische Standards und Remote-Arbeitsplätze sind dabei ein entscheidender Ansatz.

Die globalen Daten zeigen aber auch, dass sich die Wünsche der Mitarbeitenden mit den Vorstellungen der Unternehmen decken: Nur fünf Prozent der weltweit befragten Unternehmen möchten ganz zum Home-Office übergehen, in Deutschland sind es sogar nur zwei Prozent. Die große Mehrheit (72 Prozent) sieht im hybriden Ansatz mit einer Mischung aus Home-Office und Büro den richtigen Ansatz und denkt auch über die Einrichtung sogenannter Satellitenarbeitsplätze oder Co-Working-Spaces nach. Auch die Mehrheit der deutschen Unternehmen (53 Prozent) sieht im hybriden Modell die Zukunft der Arbeit.

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