„Wenn es sein muss, gehe ich auch mal eine Extrameile“

Beate Teschner

Beate Teschner hat einen langen Atem. Kommt der ihr mal abhanden, schüttelt und besinnt sich die Kommunikationsexpertin und startet wieder neu durch. Von dieser Hartnäckigkeit profitieren Kunden und Netzwerk.

Beate Teschner startet ihre Karriere als Kommunikationsdesignerin in verschiedenen Werbeagenturen. 1998 gründet die Kommunikationsexpertin corpus 2, eine Agentur für Unternehmenskommunikation. Seit 2002 hat sich Teschner auf Themen der Arbeits- und Organisationspsychologie im Mittelstand spezialisiert.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Beate Teschner: Ich komme ursprünglich aus der Werbebranche. Je langwieriger damals die Zusammenarbeit mit den einzelnen Auftraggebern wurde, desto komplexer waren auch die Einblicke in die Unternehmen selbst. Vor allem als wir anfingen, gemeinsam mit unseren Kunden Webseiten zu entwickeln, führte das in den vielen Firmen regelmäßig zu Grundsatzdiskussionen – über das eigene Profil und wie man wahrgenommen werden möchte. Das weckte mein Interesse für die Arbeits- und Organisationspsychologie und leitete den Schwenk von externen auf interne Kommunikationsprozesse ein.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


Mittlerweile unterstütze ich seit 15 Jahren den Mittelstand bei Veränderungsprozessen und habe gelernt, wie bedeutend die Beachtung der Unternehmenskulturen ist. Sie sind der Grund, warum sich Erfolgsbeispiele nicht einfach von einem auf das andere Unternehmen übertragen lassen. Und es macht mir wirklich immer Freude, Unternehmer und Entscheider dabei zu unterstützen, vorhandene, aber ungenutzte Potentiale, zu aktivieren und Impulse zu geben.

Seit einiger Zeit steht bei mir zusätzlich die Auseinandersetzung mit männlichen und weiblichen Kommunikationswelten im Fokus – um weiblichen Führungskräften Steine und auch einige Felsbrocken aus dem Weg zu räumen. Dabei ist mir wichtig, Kommunikations-, Verhaltens- und auch Interpretationsunterschiede zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen, und jungen Frauen sowie erfahrenen Chefinnen so die Chance zu geben, erfolgreiche Kommunikation zu üben. Damit sie sich letztlich souveräner behaupten können. Unter Frauen spricht es sich nun mal anders als unter Männern.

die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Teschner: Ja und wie! Noch vor 18 Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, wie positiv sich meine berufliche Laufbahn bis heute entwickelt hat. Es gab aufrichtiges und schwer verdauliches Feedback für mich, aber auch konkrete Hilfestellungen von meinem Mentor, der mir auch heute noch den Spiegel vorhält und jede noch so unbequeme Wahrheit ausspricht.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Teschner: Zuweilen kann man sich ja auch mal prima selbst im Weg stehen. Und natürlich hält das Leben immer wieder Überraschungen bereit. Vor einigen Jahren bekam ich die Diagnose Hashimoto, eine Autoimmunerkrankung bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift und auf lange Sicht zerstört.

Die Standard-Medikation führte leider nicht dazu, dass die unangenehmen Begleiterscheinungen, wie Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit verschwanden. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik, habe ich einiges wie zum Beispiel meine Ernährung verändert. Seitdem fühle ich mich wieder richtig gut und erfreulicherweise schrumpft die Schilddrüse auch nicht weiter. Was ansonsten eher die Regel ist.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Teschner: Ich bin stolz darauf einen langen Atem zu haben. Ich bleibe trotz unausweichlicher Entmutigungs- und Frustphasen dran und gehe, wenn es sein muss, auch mal eine Extrameile. Und obwohl ich liebe was ich tue, kommt mir schon mal kurzfristig die Begeisterung abhanden. Dann heißt es, besinnen, schütteln und wieder durchstarten. Von dieser konstanten Hartnäckigkeit profitieren natürlich auch meine Kunden und mein Netzwerk.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Teschner: „Lege Dir eine eigene Philosophie zu.“ Und die spiegelt sich im Namen corpus 2 wider: Dabei handelt es sich um ein duales Wirkungsprinzip zwischen mir und meinem Gegenüber. Es geht um gegenseitige Ergänzung, um Beeinflussung sowie die Bildung einer Einheit auf dem Weg zum Ziel. So bewahre ich mich selbst davor, mit vorgefertigten Schablonen auf Menschen zuzugehen (abgeleitet aus Erfahrungen mit anderen), statt ihnen mit aufrichtigem Interesse Fragen zu stellen und zuzuhören.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Teschner: Häufig höre ich von gestandenen Geschäftsfrauen, dass sie sich rückblickend wünschen, sie hätten bereits früher erfahren, welche Fallstricke in der Kommunikation zwischen Frauen und Männern existieren. Denn dann hätten sie sich einiges an Frust und Ärger ersparen können und wären mit weniger Mühe in der Karriere vorangekommen.

Daher rate ich insbesondere jungen Frauen und Männern, sich mit den eigenen Kommunikationswelten – und denen des anderen Geschlechts – vertraut zu machen. So tappt man nämlich nicht in die Falle der vermeintlichen Gleichheit. Derart sensibilisierte Nachwuchskräfte haben für mich bereits eine der wesentlichen Voraussetzungen, um sich in gemischten Teams behaupten zu können und erfolgreich zu sein.

Sabine Hockling

Seit vielen Jahren schreibt die Wirtschaftsjournalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin u.a. für die Medien ZEIT ONLINE, ZEIT Spezial, SPIEGEL ONLINE und Brigitte über die Themen Management, Arbeitsrecht und Digitalisierung. Als Autorin, Herausgeberin und Ghostwriterin veröffentlicht sie regelmäßig Wirtschaftsbücher.

Kommentare

  • Der Artikel beeindruckt mich wegen der Offenheit, die mich intensiv an teilweise sehr persönlichen Erfahrungen teilhaben lässt. Wichtig fand ich, dass die Erfahrungen so geschildert wurden, dass ich die Lehren auch auf meine Situation beziehen kann.
    Diese empathische Stärke zeichnet ein sehr professionelles Bild einer Beraterin, die mit langem Atem für ihre Kunden arbeitet.
    Die Brisanz des Themas Kommunikation zwischen den Geschlechtern wird auch durch die Beispiele wieder deutlich: Welcher Mann hätte ein solches Interview geben können?
    Danke für das spannende Interview!

  • Mir gefällt die Klarheit und Offenheit des Statements von Frau Teschner.

    Die Unternehmenskultur ist meiner Erfahrung nach ein ganz wesentlicher Aspekt dafür, wie in Unternehmen kommuniziert wird – allgemein, unter Männern, unter Frauen und zwischen den Geschlechtern.

    Oft wird nur an die Kommunikation gedacht und es herrscht der fatale Glaube, die Kommunikationsweise einfach nur zu ändern, löse vorhandene Schwierigkeiten. Enttäuschung ist vorprogrammiert.

    Auch wenn die Kommunikation die Unternehmenskultur maßgeblich mit beeinflusst, ist sie zugleich deren Produkt. Diese Wechselwirkung wird oft außer Acht gelassen und unterläuft dann unbemerkt das Denken und Tun.

    Ich halte die Arbeit von Frau Teschner für absolut wegweisend in Hinblick auf den Veränderungszwang, dem sich Unternehmen heute durch globalen Wettbewerb und Digitalisierung stellen müssen, um sich im Wettbewerb behaupten zu können.

    Ihre eigene Art zu kommunizieren, gefällt mir sehr gut!

Comments are closed.

Scroll Up