Weniger Bürokratie, schnellere Arbeitserlaubnisse, zügige Anerkennung von Qualifikationen: Der Migrationsbericht der Malteser fordert tiefgreifende Reformen und warnt vor den sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Zögerns.
Die Integration Zugewanderter in den deutschen Arbeitsmarkt müsse rascher und unkomplizierter erfolgen, betonen die Expert:innen des Berichts. Im Fokus steht der Abbau administrativer Hürden, beschleunigte Genehmigungen und die verlässliche Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Langwierige Verfahren und unklare Zuständigkeiten dürfen den Zugang zum Arbeitsmarkt nicht blockieren.
Im Bericht kommen Stimmen aus Praxis und Wissenschaft zu Wort, darunter Daniel Terzenbach, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, und Eva Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbands. Welskop-Deffaa hebt hervor, dass zuletzt rund 18 Prozent der Pflegekräfte aus dem Ausland kamen – mit steigender Tendenz. Ohne Zuwanderung, so betonte sie, stagniere das Beschäftigungswachstum in der Pflege. Ihre Botschaft: Die Einbindung internationaler Fachkräfte ist essenziell für die Versorgungssicherheit und stabile Arbeitsstrukturen.
Familiäre Trennung verursacht psychische Belastungen
Elmar Pankau, Vorsitzender des Malteser-Vorstands, findet klare Worte: Menschen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten schade sowohl den Sozialkassen als auch den Betroffenen. Eine unklare Bleibeperspektive dürfe keine Ausrede gegen frühe Integration sein. Jeder Monat des Wartens sei verlorene Zeit – für die Betroffenen und die Gesellschaft. Selbst bei einer späteren Rückkehr ins Herkunftsland nähmen die Menschen wertvolle Qualifikationen mit. „Die frühe Integration in den Arbeitsmarkt ist kein Akt der Großzügigkeit, sondern eine Investition in die Zukunft“, schreibt Pankau.
Das unter Leitung des Freiburger Wirtschaftswissenschaftlers Lars Feld erstellte Positionspapier beleuchtet auch integrationspolitische Aspekte jenseits des Arbeitsmarkts. So erschwere die Aussetzung des Familiennachzugs für bestimmte Flüchtlingsgruppen die Integration, heißt es. Studien zeigten, dass familiäre Trennungen erhebliche psychische Belastungen verursachten. Intakte Familienbande hingegen könnten Stabilität schaffen und den Einstieg in Ausbildung und Arbeit erleichtern.
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Klare, schnelle Verfahren
Der Bericht fordert klare, schnelle und verlässliche Verfahren. Dazu gehören transparente Kriterien für die Anerkennung von Qualifikationen, frühzeitige Arbeitsmöglichkeiten und unbürokratische Übergänge zwischen Schutzstatus, Ausbildung und Beruf. Arbeitgeber bräuchten Planungssicherheit, während Zugewanderte rasch Zugang zu Sprach- und Qualifizierungsangeboten erhalten müssten. Die Botschaft: Integration gelingt, wenn sie früh beginnt, Hürden abbaut und Perspektiven eröffnet.
Der Migrationsbericht versteht sich als nüchterne Kosten-Nutzen-Rechnung: Jeder verspätete Arbeitsmarkteintritt schmälert Potenziale und erhöht Folgekosten. Umgekehrt bringen rechtzeitige Teilhabe Qualifikationsgewinne, Steuereinnahmen und gesellschaftliche Stabilität. Die emotional geführte Debatte über Zuzug und Integration verschweigt der Bericht nicht, stellt ihr aber die praktische Frage entgegen: Wie können Talente schneller wirksam werden? Die Antwort der Expert:innen ist klar: mit weniger Bürokratie, klaren Regeln und dem Vertrauen, das frühe Integration allen nützt.

