Business-Blabla macht unglaubwürdig

Mehrere Personen sitzen vereinzelt an Tischen

“Performen”, “committen”, “delivern” – Führungskräfte, die häufig Phrasen aus der Geschäftswelt verwenden, werden als unglaubwürdig, unsympathisch und inkompetent wahrgenommen. Das stellt eine neue Studie fest.

Wie Wirtschaftspsychologie aktuell über eine Untersuchung von Psychologen der Universität Erlangen-Nürnberg berichtet, wird Managern, die nicht klar kommunizieren weniger Vertrauen und Glaubwürdigkeit zugesprochen. Nicht umsonst gibt es viel Satire über die leeren deutsch-englischen Begriffe aus dem Management. Da ist von “High Potentials” und “Low Performern” die Rede, von “No-Gos” und “Storytelling”. Mitarbeiter sollen auch auf den untersten Hierarchien in prekären Jobs noch Passion mitbringen. Und Chefs “Inspiration” und “Englightment” vermitteln. Aber selbst wenn Manager Deutsch reden, wird sehr häufig eine unklare, euphemistische Sprache benutzt. Statt schnell und mit einem festen Abgabetermin versehen, sollen Aufgaben “zeitnah” erledigt werden, Projekte sollten “die richtige Flughöhe erreichen”, auch wenn es nicht ums Fliegen geht. Und natürlich will man möglichst “nachhaltig” und “achtsam” wirtschaften und führen. Eine Theorie für die unklare, beschönigende Sprache ist, dass der Neokapitalismus es erforderlich macht, dass Verantwortung der Manager nach unten delegiert werden. Indirekte Steuerung wird das auch genannt – die Mitarbeiter sollen am Ende selbst denken wie kleine Unternehmer und nicht merken, wie sie gesteuert werden. Klar, nur so kann sich dann auch echte “Passion” entwickeln, auch wenn die vermeintliche Leidenschaft für die Arbeit aus der nackten Existenzangst herrührt.

Gute Führungskräfte sollten auf eine klare, verständliche Sprache achten

Wie das Magazin berichtet, führten die Psychologen mehrere Versuche mit Probanden durch. In einem Experiment lasen die Teilnehmer online eine Ansprache eines Managers, die teils mit deutschen Business-Blablabla gespickt war. In einem zweiten Versuch war der Text außerdem mit englischen Begriffen versehen. Es gab außerdem eine Gruppe Probanden, die die gleiche Ansprache ohne die Verballhornungen bekam.

Am Ende sollten die Proabenden beurteilen, wie glaubwürdig, sympathisch und kompetent sie die Führungskraft fanden. Das Ergebnis war eindeutig: Nur der Text, der klar und präzise war und ohne Beschönigungen und Phrasen auskam, wirkte.

Gute Führungskräfte sollten daher auf eine klare, verständliche Sprache achten – und darauf, ihren Beschäftigten, Kunden und Geschäftspartnern mit Ehrlichkeit und Authentizität zu begegnen. Und das lässt sich nunmal nicht trainieren. Dafür braucht es Haltung.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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