Corona-Krise belastet Führungskräfte

Gesicht überhäuft mit Post-its

In der Corona-Krise steigt die Zahl der Menschen, die psychisch stark belastet sind. Gesundheitsdaten seit Verlauf der Pandemie von Krankenkassen zeigen: Psychische Erkrankungen wie Depressionen haben stark zugenommen. Betroffen sind dabei auch Führungskräfte, denen die Krise einiges abverlangt.

Neue Daten etwa von der Techniker Krankenkasse zeigen: Jeder Vierte fühlt sich im Home-Office durch die fließenden Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben belastet. Un auch die wirtschaftliche Ungewissheit, erst Recht, wenn man in einer Branche und bei einem Unternehmen tätig ist, das von den Folgen der Krise besonders betroffen ist, belastet viele Mitarbeitende. Noch schwerer wiegt diese Belastung, wenn es das eigene Unternehmen ist oder man dort als Führungskräft tätig ist. Mitarbeitende in Kurzarbeit zu schicken, möglicherweise Kündigungen auszusprechen zu müssen oder immer wieder umzuplanen geht an die Substanz. Hinzu kommt, dass viele Führungskräfte überhaupt im Eiltempo erst lernen mussten, digital zu führen.

Wie behält man hier den Überblick? Wer erledigt gerade welche Arbeiten? Wer ist am Limit seiner Arbeitszeit? Und wer im Team geht verloren? Zwar gibt es zahlreiche Tools, die das dezentrale Führen aus dem Home-Office einfacher machen, dennoch stehen viele Führungskräfte vor der Herausforderung, den eigenen Weg zu finden. Die besondere Situation im Home-Office, wo Familie, Beruf und Privatleben miteinander untrennbar verschmelzen, fordert ihnen das Äußerste ab. Besonders Frauen in Führungspositionen leiden unter diese Belastung. Denn meist sind sie es, die daheim auch noch die Kinderbetreuung übernehmen müssen. Einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung zufolge machen Männer mit Kindern im Homeoffice bis zu vier Überstunden pro Woche mehr im Job. Und auch Mütter arbeiten ebenfalls mehr; ihr Anteil, den sie für die Kinderbetreuung aufbringen, stieg im Schnitt um drei Stunden pro Woche.

Sich frühzeitig Hilfe holen

Und weil wegen der anhaltenden Kontaktbeschränkungen soziale Kontakte wegfallen, hat sich das gesamte soziale Umfeld von vielen Menschen – auch das zeigen erste Studien – nachhaltig verändert. Darunter leiden Singles wie Familien. Die Folge: Nach einem dreiviertel Jahr im Corona-Wahnsinn steigen die Krankenstände – und zwar unabhängig von den steigenden Corona-Fällen.

Wichtig ist daher, sich Zeit für sich zu nehmen, den Tag zu planen und Mensch zu bleiben. Führungskräfte, die spüren, dass sie am Limit sind, sollten sich trauen, ihre Situation auch anzusprechen und sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Wenn schon Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen, ständige Gereiztheit oder depressive Verstimmungen auftauchen, können Kurzzeittherapien und Coachings helfen. Erste Kliniken haben in der Pandemie solche Angebote entwickelt, die vielfach von Führungskräften genutzt werden.

Expertinnen und Experten empfehlen, sich in jedem Fall auf die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen zu besinnen. Eine erste Abhilfe können auch mehr Achtsamkeit sowie Medition schaffen. Das Wichtigste ist aber Ehrlichkeit im Umgang mit der eigenen Belastung und sich zuzugestehen, dass die Pandemie auch Situationen mit sich bringt, in denen auch Entscheiderinnen und Entscheider nicht alles alleine bewältigen können.

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