DAX-Report 2025: Wandel braucht Teams statt Alpha-Manager:innen

Fünf Flugzeuge am Himmel

Erfahrung prägt, Diversität fehlt: Der DAX-Report 2025 zeigt, warum der Wandel nur gelingt, wenn Vorstände Verantwortung gemeinsam tragen – und Teamgeist zur stärksten Währung wird.

Unternehmen stehen unter Druck. Geopolitische Spannungen, Protektionismus, Energiekrisen und langsames Wachstum prägen die Gegenwart. Transformation ist keine Zukunftsvision mehr, sondern Überlebensstrategie. Doch wie reagieren die Führungsetagen der deutschen Wirtschaft? Der Odgers DAX-Vorstandsreport 2025 liefert Antworten – und überrascht.

Stillstand im Wandel

Die Studie analysiert die 40 DAX-Konzerne und ihre 256 Vorstände. Das Ergebnis: Kontinuität dominiert. Erfahrung und Seniorität zählen am meisten. Mit 54,6 Jahren erreicht das Durchschnittsalter einen Höchststand. Verjüngung? Fehlanzeige.

Auch bei der Herkunft bleibt alles beim Alten: Nur ein Vorstandsmitglied stammt aus Ostdeutschland – trotz eines Bevölkerungsanteils von 20 Prozent. Die Internationalisierung stockt: Nach Jahren des Wachstums sinkt der Anteil ausländischer Vorstände erstmals wieder auf 34 Prozent. Unter den CEOs dominieren Europäer, während Asien und andere Weltregionen kaum vertreten sind.

Unternehmen unterschätzen die Geschwindigkeit des Wandels

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtDer Frauenanteil steigt auf 26 Prozent – ein Rekord. Doch von Gleichstellung sind die Vorstände weit entfernt. Nur ein Unternehmen erreicht Parität: Bei Porsche SE sitzt keine Frau im Vorstand. Die Rollenverteilung bleibt traditionell: Zwei Drittel der HR-Ressorts leiten Frauen, operative Verantwortung tragen fast ausschließlich Männer.

Das Problem wird deutlich: Unternehmen fordern Transformation, halten aber an alten Mustern fest. Branchenexpertise bleibt das Maß aller Dinge – 77 Prozent der Vorstände stammen aus der eigenen Branche. Diversität? Kaum. Frische Perspektiven? Selten. So riskieren Unternehmen, den Wandel zu verschlafen.

Transformation wird zur Querschnittsaufgabe – über Ressorts hinweg

Die Studie bleibt nicht bei der Analyse stehen. Sie zeigt eine neue Denkweise: Transformation gelingt nicht durch Einzelkämpfer, sondern durch Teams. „Readiness for Transformation“ lautet der Schlüssel. Interview mit Top-Manager:innen wie Claudia Nemat (Telekom), Stefan Oelrich (Bayer) und Nicola Kimm (Heidelberg Materials) verdeutlichen, was zählt: kollektive Führung, gelebte Diversität und Teamgeist.

Nicola Kimm betont, dass Nachhaltigkeit und Digitalisierung keine Optionen mehr sind, sondern Pflicht. Transformation wird zur Querschnittsaufgabe – über Ressorts hinweg. Claudia Nemat bringt es auf den Punkt: Diversität darf nicht auf Geschlecht reduziert werden, sondern muss fachlich, kulturell und international gedacht werden. Erst wenn Unterschiede produktiv genutzt werden, entsteht Innovationskraft. Stefan Oelrich ergänzt: Ohne das volle Engagement der gesamten Führung bleibt jeder Wandel Symbolpolitik.


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Team statt Alpha-Manager:in

Diese Perspektive markiert einen Wendepunkt. Weg vom allmächtigen CEO, hin zum Vorstand als Team. Spannungen gelten nicht als Schwäche, sondern als Treibstoff für Erneuerung. Teams, die Konflikte produktiv lösen, schaffen Klarheit und Dynamik.

Was folgt daraus für die Praxis?:

  1. Unternehmen müssen Vorstände bewusster divers besetzen – nicht nur nach Geschlecht, sondern auch nach Herkunft, Studienhintergrund und internationaler Erfahrung. Frische Perspektiven sind keine Gefahr, sondern Schutz vor Einseitigkeit.
  2. Teamkultur wird zur härtesten Währung. Sie entscheidet, ob Vielfalt verbindet oder trennt.
  3. Engagement ist nicht delegierbar. Transformation gelingt nur, wenn jedes Vorstandsmitglied Verantwortung übernimmt – nicht nur die Ressortchef:innen für Nachhaltigkeit oder HR.

Ein Beispiel liefert SAP: Dort wurde ein neuer Vorstandsbereich für „Strategy & Opertions“ geschaffen, um Transformation strukturell zu verankern. Merck hat einen Chief Strategy and Transformation Officer etabliert, der Veränderung zur Daueraufgabe macht. Solche Strukturen zeigen eine neue Führungskultur: Transformation nicht als Projekt, sondern als Kernaufgabe des Top-Managements.

Mehr Frauen, mehr Internationalität, mehr Mut zu Quereinsteigern – das sind die Hebel

Die Zahlen des Reports sind Warnsignal und Weckruf zugleich. Sie zeigen: Der DAX ist noch nicht bereit für den Wandel. Doch die Richtung ist klar. Mehr Frauen, mehr Internationalität, mehr Mut zu Quereinsteigern – das sind die Hebel. Entscheidend ist jedoch das Wie: Ein Vorstand, der Unterschiede nicht nur akzeptiert, sondern nutzt. Führung im Plural.

Der DAX-Vorstandsreport 2025 macht deutlich: Unternehmen dürfen den Wandel nicht länger verwalten. Sie müssen ihn gestalten – gemeinsam. Erfahrung und Seniorität bleiben wichtig, doch ohne Diversität, kollektive Führung und Teamkultur droht Stillstand. Transformation gelingt nur, wenn die Spitze sie als gemeinsame Aufgabe begreift. Oder, wie die Studie sagt: Transformation geht nur im Team.

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Sabine Hockling

Die Chefredakteurin Sabine Hockling hat WIR SIND DER WANDEL ins Leben gerufen. Die Wirtschaftsjournalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Veränderungen unserer Arbeitswelt. Als Autorin, Herausgeberin und Ghostwriterin veröffentlicht sie regelmäßig Sachbücher – seit 2023 in dem von ihr gegründeten DIE RATGEBER VERLAG.