„Seid neugierig, mischt Euch ein und bewegt etwas!“

Yvonne Rötter

Yvonne Rötters Berufsweg ist ungewöhnlich: Sie wird als eine der ersten Frauen am Kampfpanzer ausgebildet und geht nach einem Aufenthalt an der US-Militärakademie West Point nach Afghanistan. Was treibt diese beeindruckende Frau an?

In Hamburg geboren und aufgewachsen, ging Yvonne Rötter nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo sie als eine der ersten Frauen am Kampfpanzer ausgebildet wurde. Nach Abschluss ihres Politikstudiums und einem Aufenthalt an der US-Militärakademie West Point, wurde sie 2015 als militärische Beraterin in Afghanistan eingesetzt. Sie ist Mitgründerin der Initiativen „Warum Soldaten“ und „Deutscher Soldat e.V.“, die sich mit der Rolle des Soldaten für die Gesellschaft auseinandersetzen und zu einer gesellschaftlichen Diskussion anregen wollen. Als Berufsoffizier kümmert sie sich heute für die Ausbildung des Offiziernachwuchses.

die Chefin: Warum machen Sie, was Sie machen?

Yvonne Rötter: Ich bin zur Bundeswehr gegangen, weil ich gern mit Menschen zusammenarbeite, Herausforderungen mag und einen tieferen, gemeinwohlorientierten Sinn in meinem beruflichen Handeln sehen möchte.

Die Erfahrungen, die ich bislang hier sammeln konnte, haben mich geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Dabei liegt mir die Ausbildung des Nachwuchses besonders am Herzen. Zum einen ermöglicht sie es mir, Wissen weiterzugeben. Zum anderen wird dieses Wissen und mein Handeln als Ausbilder direkt gespiegelt. Das erhaltene Feedback gibt mir aber auch die Möglichkeit, dazuzulernen, vor allem aber nie auszulernen. Dass ist das Schöne an einer Ausbildungstätigkeit.


In der Serie 6 aus 49 beantworten 49 weibliche Führungskräfte sechs Fragen zu ihrem persönlichen Karriereweg.


die Chefin: Wurden Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Rötter: Definitiv! Es hat immer wieder Vorgesetzte gegeben, die mich besonders gefördert und unterstützt haben – und mir so sehr viele Chancen zur Weiterentwicklung und Veränderung ermöglicht haben. Aber auch Freunde, Familie und Kameraden haben mir in manch schwierigen Situation zur Seite gestanden und mich gestärkt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und auch die Sportarten Judo und Ringen, die ich jahrelang leistungsmäßig betrieben habe, waren immer ein guter Ausgleich und eine mentale Stütze.

die Chefin: Gab es auf diesem Weg Hürden?

Rötter: Ja, wie in jedem anderen Beruf und Lebensweg vermutlich auch. Wichtig ist aber, sich von der einen oder anderen Herausforderung nicht gleich unterkriegen zu lassen, sondern durchzuhalten. Und wenn das „Licht am Ende des Tunnels“ erreicht ist, aus der Erfahrung gewachsen und gestärkt hervorzugehen. Auch hier hat mir der Sport schon früh geholfen, Niederlagen nicht nur zu akzeptieren, sondern positiv zu nutzen und aus ihnen zu lernen.

die Chefin: Auf welche Ihrer Eigenschaften sind Sie stolz und warum?

Rötter: Ich bin sehr froh, die Begeisterungsfähigkeit meines Vaters geerbt zu haben. Die treibt mich an, neue Erfahrungen zu sammeln und Herausforderungen mit einer positiven Grundeinstellung anzugehen. Eine gewisse konstruktive Neugierde gehört dabei ebenso dazu wie Zielstrebigkeit und Ausdauer.

die Chefin: Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Rötter: “Sich niemals unter Wert verkaufen” – diesen Rat habe ich gleich zu Beginn meiner Offizierlaufbahn von einem Vorgesetzten erhalten. Die eigentliche Tragweite dieses Ratschlages habe ich allerdings erst später erkannt, nämlich als es um meine langfristige berufliche Planung ging. Das bedeutet nämlich, seine eigenen Fähigkeiten sowie seinen beruflichen (Mehr-)Wert zu kennen und selbstsicher zu vertreten. Das erfordert natürlich auch ein gewisses Selbstvertrauen, einen festen Willen und ein wenig Fingerspitzengefühl.

die Chefin: Was raten Sie dem Nachwuchs?

Rötter: Initiative zeigen! Gesellschaft und Arbeitswelt leben vom „Mitdenken“ aller, vom Teamgeist und von Diskussion. Seid neugierig, mischt Euch ein und bewegt etwas!

Sabine Hockling

Seit vielen Jahren schreibt die Wirtschaftsjournalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin u.a. für die Medien ZEIT ONLINE, ZEIT Spezial, SPIEGEL ONLINE und Brigitte über die Themen Management, Arbeitsrecht und Digitalisierung. Als Autorin, Herausgeberin und Ghostwriterin veröffentlicht sie regelmäßig Wirtschaftsbücher.

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