Deutsche CEOs sehen den Wandel, agieren aber zu zögerlich. KI verspricht Fortschritt, entfaltet jedoch selten Wirkung. Laut PwC-Studie hemmen nicht technische Hürden das Wachstum, sondern mangelnde Entschlossenheit in Führung und Umsetzung.
Die Wirtschaft steht nicht am Abgrund, sondern im Nebel. Wachstum stockt, Lieferketten wanken, geopolitische Risiken nehmen zu. Doch das eigentliche Problem liegt tiefer: Viele Unternehmen erkennen den Wandel, handeln aber zu zögerlich. Genau hier setzt die 29. Global CEO Survey „Leading through uncertainty: Zwischen Unsicherheit und Neuanfang im KI-Zeitalter“ von PwC an. Sie beschönigt nichts, sondern zeigt, wo Führung versagt – und wo sie ansetzen muss.
Transformation bleibt Theorie
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. 57 Prozent der deutsche CEOs fragen sich: Transformieren wir schnell genug, vor allem bei Künstlicher Intelligenz? Die Sorge ist berechtigt. Obwohl KI als Schlüsseltechnologie gilt, bleibt ihr wirtschaftlicher Effekt gering. Nur 11 Prozent der deutschen Unternehmen steigerten 2022 ihren Umsatz durch KI, lediglich 16 Prozent senkten Kosten. Im internationalen Vergleich schneiden sie deutlich schlechter ab.
Das Problem liegt nicht in der Technik. Drei Viertel der deutschen CEOs halten ihre IT und Unternehmenskultur für KI-tauglich. Auch Governance-Strukturen für verantwortungsvolle KI sind häufiger vorhanden als im globalen Durchschnitt. Doch die Ergebnisse bleiben schwach. Der Widerspruch ist offensichtlich: gute Voraussetzungen, schlechte Umsetzung.
Pilotprojekte statt Strategien
Viele Unternehmen behandeln KI als Ansammlung isolierter Projekte. Pilotversuche ersetzen keine Strategie. Ohne belastbare Daten, Skalierung und klaren Bezug zur Wertschöpfung bleibt KI ein Feigenblatt. Sie verstärkt bestehende Schwächen, statt sie zu beheben.
Gleichzeitig wächst die Unsicherheit. Nur 30 Prozent der CEOs weltweit erwarten kurzfristiges Umsatzwachstum. Cyberrisiken haben makroökonomische Volatilität als größte Bedrohung abgelöst. In Deutschland investieren Unternehmen trotz hoher Liquidität zu wenig in Cybersicherheit und bleiben abhängig von außereuropäischen Technologieanbietern. Fast 60 Prozent der digitalen Infrastruktur stammt aus den USA. Strategische Souveränität sieht anders aus.
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Wachstum entsteht an den Rändern
Trotzdem erzählt die Studie keine Untergangsgeschichte. Sie markiert einen Wendepunkt. Unternehmen, die mutig handeln, setzen sich ab. 52 Prozent der deutschen CEOs haben in den letzten fünf Jahren begonnen, außerhalb ihrer angestammten Branche zu konkurrieren. Diese Firmen sind profitabler, widerstandsfähiger, optimistischer.
Die Botschaft ist klar: Wachstum entsteht nicht mehr nur im Kerngeschäft, sondern an den Rändern – in neuen Ökosystemen, wo Technologie, Industrie, Energie, Verteidigung und Services verschmelzen. Klassische Innovation reicht nicht mehr. Es geht um strukturelle Neuausrichtung, nicht um kleine Verbesserungen.
Vertrauen als Wachstumsfaktor
Auch bei KI zeigt sich dieses Muster. Nur 12 Prozent der Unternehmen weltweit schaffen es, mit KI gleichzeitig Kosten zu senken und Umsätze zu steigern. Diese Minderheit unterscheidet sich grundlegend: Sie investiert systematisch, nicht punktuell. KI wird in Strategie, Datenarchitektur, Governance, Talententwicklung und Unternehmenskultur verankert. Das Ergebnis: doppelt so hohe Chancen auf Umsatzwachstum.
Vertrauen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Unternehmen mit hoher Glaubwürdigkeit erzielen deutlich bessere Ergebnisse als solche mit Reputationsproblemen. Vertrauen wirkt als ökonomischer Multiplikator – messbar, nicht moralisch.
Führung entscheidet über Erfolg
Die Studie lässt keinen Raum für Zweifel: Stillstand kostet. Vorsicht lähmt. Wer Unsicherheit mit Abwarten begegnet, verliert strategische Optionen. Erfolgreiche CEOs handeln konsequent:
- Sie schaffen ein stabiles Fundament. KI, Nachhaltigkeit, Cybersicherheit und Daten gehören ins Zentrum der Unternehmensstrategie, nicht in Nebenprojekte. Investitionen zahlen sich nur aus, wenn sie skaliert und integriert werden.
- Sie denken in Portfolios, nicht in Silos. Geschäftsmodelle, Märkte, Beteiligungen und Technologien werden aktiv gesteuert. Auch der Rückzug aus unrentablen Bereichen gehört zur Strategie. Mut zeigt sich im Investieren – und im Loslassen.
- Sie investieren in Vertrauen. Transparente Prozesse, verantwortungsvolle KI und glaubwürdige Kommunikation schaffen Handlungsspielraum – intern wie extern.
Transformation scheitert an Führung
Die unbequeme Wahrheit der Studie: Transformation scheitert nicht an Ressourcen, sondern an Führung. Technologien sind verfügbar, Kapital ist vorhanden. Was fehlt, ist Konsequenz.
Die Botschaft dieser Studie ist eindeutig: Unternehmen stehen vor einer Wahl. Dynamik oder Verdrängung. Wer den Wandel gestaltet, setzt die Spielregeln. Wer zögert, spielt bald nach fremden Regeln.

