Das bisschen Haushalt

Mehrere Schrubber lehnen an roter Wand

Die Hauptlast der Sorgearbeit lastet seit Beginn der Corona-Krise wieder vor allem auf den Frauen. Und obwohl die Männer ihren Anteil sogar zurückgefahren haben, überschätzen sie ihr Engagement.

Obwohl Millionen Beschäftigte wegen der Corona-Krise zu Hause sind, dominiert wieder stärker die klassische Rollenaufteilung zwischen Männern und Frauen, stellt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung fest. Für die repräsentative Befragung befragte das Marktfoschungsinstitut Ipsos 537 Frauen und 523 Männer, was der Verteilung an der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Ergebnisse seien damit “repräsentativ für die deutschsprachige Gesamtbevölkerung im Alter von 16 bis 75 Jahren, so die Stiftung.

Dabei zeigte sich deutlich: Die Folgen von Einschränkungen im öffentlichen und beruflichen Leben sowie bei den Betreuungsangeboten für die Kinder, die wiederholten Lockdown-Phasen und Quarantänemaßnahmen belasten vor allem Frauen stark. Rund 69 Prozent der Frauen gaben an, dass sie überwiegend die generelle Hausarbeit erledigen – unter den Männern waren es nur elf Prozent. Ähnlich war es bei der Kinderbetreuung: Die Frauen übernahmen hier nach eigenen Angaben zu 51 Prozent die anfallenden Aufgaben, unter den Männern sagten das 15 Prozent.

Wir brauchen mehr Debatten

Und dann erst die Wahrnehmung: 66 Prozent der Männer sagten, eigentlich seien in ihren Familien die Arbeiten “gerecht” verteilt. Nur manche betonten, dass ihre Frau mehr mache. Bei den Frauen fand nicht einmal jede Zweite die Aufteilung fair. Die Frauen betonten vielmehr, dass sich eine neue Unwucht durch Corona ergeben hätte und sie diese stark belaste. Rund 43 Prozent haben der Umfrage zufolge Probleme dabei, Familie und Job überhaupt noch unter einen Hut zu bekommen. Fast jede Zweite (49 Prozent) sagte, sie fühle sich körperlich und seelisch am Ende. Bei den Männern aber waren es nur 30 Prozent.

Die Forscherinnen schlussfolgern aber, dass in der Pandemie nicht etwa ein Rollback stattgefunden habe, sondern die traditionelle Arbeitsteilung noch gar nicht aufgebrochen war. Daher müsse es in der Gesellschaft und in Organisationen mehr Debatten für dieses Thema geben. Auch, um es aus dem Privatbereich herauszuholen.

Equal Care Day macht auf die ungleiche Aufteilung aufmerksam

Erste Versuche für eine breitere Debatte existieren bereits: Seit dem Jahr 2016 macht der Equal Care Day, der regulär nur alle vier Jahre in einem Schaltjahr am 29. Februar begangen wird, auf die ungleiche Aufteilung der Carearbeit zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Gibt es keinen 29. Februar, wird der Tag am 1. März begangen. Hinter dem Equal Care Day steckt ein Aktionsbündnis, dem sich mittlerweile viele Männer und Frauen, aber auch Institutionen angeschlossen haben.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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