Am 6. September 2022, um 10.37 Uhr, reißt ein Satz Sören Bauer aus seinem Leben: „Ich liebe dich nicht mehr. Ich will die Trennung.“ Wie diese persönliche Katastrophe sein Leben verändert, schildert er in seinem Buch „Sören und ich“.
Sören Bauer, erfolgreicher Netzwerker und Eventunternehmer, fällt ins Bodenlose. Ehe Familie Zukunftspläne – alles zerbricht an diesem Tag. Die Pandemie hatte ihn zuvor schon an die Grenzen gebracht: monatelange Lockdowns, Existenzangst, Umstrukturierungen im Unternehmen. Doch der private Schlag trifft ihn härter.
Der Schock lähmt ihn. Körper und Geist geraten außer Kontrolle: Appetitlosigkeit, Herzrasen, Schlaflosigkeit. Bauer zieht sich zurück, spricht mit niemandem, klammert sich an die Hoffnung, alles sei ein Missverständnis. Er grübelt über die Vergangenheit: War die Distanz seiner Frau bei einem Event eine Woche zuvor ein unübersehbares Zeichen? Warum hat er es nicht bemerkt?
Das Schweigen verschärft die Krise. Rückblickend nennt Bauer es seinen größten Fehler. „Wer eine existenzielle Erschütterung erlebt, muss sofort jemanden ins Vertrauen ziehen. Scham und Fassungslosigkeit zu verbergen, isoliert – und verhindert oft, dass man rechtzeitig die richtigen Schritte einleitet.“
Der Kampf gegen das Erstarren
Am Tag der Trennung steht Bauer am Abgrund. Gedanken ans Aufgeben drängen sich auf. Doch der Gedanken an seine Kinder hält ihn zurück. In dieser Stunde sucht er instinktiv nach einem Ausweg: Bewegung.
Er steigt auf ein verstaubtes Heimtrainer-Bike. Anfangs mühsam, dann flüssiger. Mit jeder Minute sinkt der innere Druck, das Gedankenkarussell verlangsamt sich. Nach zwanzig Minuten schlägt das Herz ruhiger, der Kopf wird klarer. Eine einfache, aber kraftvolle Erkenntnis: Bewegung durchbricht die Spirale aus Schock und Panik.
- Nicht jede Krise ist eine psychische Störung
- Wenn das Leben leise „Stopp“ sagt
- Was bedroht die mentale Gesundheit?
Die Erfahrung wird zum Wendepunkt: Statt in Alkohol, Essen oder Grübeleien zu flüchten, nutzt Bauer Sport als Ventil. Er stellt seine Ernährung um, verliert über 30 Kilogramm (darüber spricht er im Podcast „Kilohelden“ mit Tetje Mierendorf) und gewinnt Vitalität zurück. Der äußere Wandel spiegelt die innere Neuausrichtung.
Gleichzeitig schärft er seine Intuition. Er lernt, kleine Signale zu deuten – in Geschäftsbeziehungen wie im Privaten. Und er erkennt, wie entscheidet klare Kommunikation ist. Sie verhindert Konflikte und kann Beziehungen retten, wenn sie rechtzeitig erfolgt.
Aus der Krise eine Ressource machen
Die Trennung bleibt. Doch Bauer formt aus dem Scheitern einen Neuanfang. Der Weg ist nicht geradlinig: Trauer wechselt sich mit Tatkraft ab. Freunde, die zuhören, ohne zu urteilen, werden zu Stützen. Netzwerke – beruflich wie privat – geben Halt.
Bauer nennt seine Transformation kein Wunder, sondern Arbeit. Konsequente Routinen, bewusste Selbstfürsorge und die Entscheidung, nicht Opfer zu bleiben, sondern Akteur des eigenen Wandels zu werden, haben ihn verändert. Seine Botschaft an alle, die in einer scheinbar ausweglosen Krise stecken: „Eine Krise ist kein Scheitern. Sie ist ein Wendepunkt – wenn man ihn nutzt.“
Aus seiner Erfahrung zieht Bauer universelle Lehren:
- Sofort sprechen: Schock isoliert. Wer früh mit einer vertrauten Person redet, entlastet sich und vermeidet Kurzschlussreaktionen.
- Auf den Körper setzen: Bewegung löst mentale Starre.
- Signale ernst nehmen: Das Bauchgefühl ist ein Frühwarnsystem – nutzen, ohne Fakten auszublenden.
- Klare Sprache pflegen: Unausgesprochenes zerstört Beziehungen.
- Krisen als Chance begreifen: Veränderung entsteht oft aus den dunkelsten Momenten.
Das Buch „Sören und ich“ erscheint am 20. August 2025 und ist mehr als ein persönlicher Bericht. Es zeigt, wie Resilienz entsteht. Der radikale Bruch im Leben des Autors macht deutlich, wie wichtig Selbstführung, Netzwerke und entschlossenes Handeln in Extremsituationen sind. Wer den Schmerz nicht nur erträgt, sondern als Antrieb nutzt, kann aus dem Verlust mehr gewinnen, als er je für möglich gehalten hätte.

