Deutsche würden eher politische Gedenktage streichen

Großraumbüro

Feiertage kürzen, um die Krise zu bewältigen? Die Deutschen reagieren skeptisch, zeigen aber eine gewisse Flexibilität, wie eine Umfrage belegt.

Die Mehrheit der Deutschen schätzt ihre Feiertage und wünscht sich bei Reformen vor allem Fairness und Anpassungsfähigkeit. Das ergab eine repräsentative Befragung von 1.000 Personen in Deutschland, durchgeführt von Indeed und Appinio. Sollten Feiertage wegfallen, bevorzugen die Befragten den Verzicht auf nichtreligiöse Gedenktage: Am häufigsten genannt wird der Tag der Arbeit (24,9 Prozent), gefolgt vom Tag der Deutschen Einheit (19,8 Prozent). Besonders in Brandenburg (30 Prozent) und Sachsen-Anhalt (28 Prozent) ist die Bereitschaft, den Einheitsfeiertag aufzugeben, hoch. Religiöse Feiertage stehen seltener zur Debatte; am ehesten wird Christi Himmelfahrt (18,1 Prozent) genannt. Der 1. Weihnachtsfeiertag bleibt nahezu unantastbar (0,9 Prozent).

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtMit der Gesamtzahl der arbeitsfreien Tage sind viele zufrieden: 69,3 Prozent halten sie für ausreichend. Allerdings stört 35,2 Prozent, dass Feiertage oft auf Wochenenden fallen. 80,6 Prozent empfinden dies als “geklaute Erholungszeit“. 30,7 Prozent wünschen sich mehr Feiertage. Regional gibt es Unterschiede: In Bayern sehen nur 20,3 Prozent zu wenige Feiertage, in Berlin (43,1 Prozent) und Bremen (44,4 Prozent) ist der Anteil deutlich höher.

Gleiche Feiertagszahl in allen Bundesländern

Ein zentrales Anliegen bleibt die Angleichung der Feiertage zwischen den Bundesländern. 91,3 Prozent fordern eine einheitliche Regelung – selbst in Bayern unterstützen dies 81,5 Prozent. Die Zustimmung spiegelt das Empfinden einer Ungerechtigkeit wider: Während manche Länder bis zu 14 Feiertage haben, kommen andere nur auf 10.


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Die Bedeutung von Feiertagen für die Erholung ist unbestritten. 91,1 Prozent betonen, dass arbeitsfreie Tage für die Regeneration wichtig sind. Entsprechend würden 68,1 Prozent einen gestrichenen Feiertag „anderweitig“ kompensieren, etwa durch Krankschreibung – ein Hinweis auf den tatsächlichen Erholungsbedarf und die Risiken starrer Kürzungen. Viele Befragte bevorzugen stattdessen mehr Wahlfreiheit: 80,8 Prozent sprechen sich dafür aus, an Feiertagen optional arbeiten zu können – mit entsprechenden Zuschlägen. Rechtliche Vorgaben schränken diese Möglichkeit bislang ein.

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Tina Groll

Tina Groll, SPIEGEL-Bestsellerautorin und Redakteurin bei der ZEIT im Ressort Wirtschaft, konzentriert sich als Autorin von WIR SIND DER WANDEL auf Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren” aus, 2009 erhielt sie den Otto-Brenner-Preis für kritschen Wirtschaftsjournalismus. Ferner ist sie Mitglied im Deutschen Presserat.