Fangt. Endlich. An.

Mann schaut auf dem Berg stehend in den Sonnenuntergang

Wir leben in einer Welt, in der Veränderung zum Normalzustand geworden ist. Die Digitalisierung beschleunigt unseren Alltag, wir müssen immer mehr in kürzester Zeit schaffen. Es ist Zeit, nach den Stellschrauben Ausschau zu halten, an denen man selbst drehen kann.

Wir Deutschen sind gestresst. Je nach Studie berichtet ein Drittel bis die Hälfte der Menschen hierzulande, dass sie unter dem Druck des Lebens ächzt. Corona hat die Sache nicht besser gemacht. Doch die Situation ist alles andere als neu. Bereits 2005 stellten die Krankenkassen in ihren Umfragen fest, dass Stress zum drängenden Gesundheitsproblem der Republik geworden ist.

Die Ursachen? Eine Welt und Wirtschaft, in der Veränderung zum Normalzustand geworden ist. Die Folgen sind vielfältig. Die Digitalisierung beschleunigt unseren Alltag. Gerade Firmen fordern von ihren Beschäftigten immer mehr in kürzerer Zeit. Dies kann Stressgefühle beim Einzelnen auslösen. Und Unternehmen haben hier eine große Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten – der sie leider häufig nicht ausreichend nachkommen.

Doch man weiß aus der Stressforschung auch: Es ist lohnend, nach den Stellschrauben Ausschau zu halten, an denen man drehen kann. Denn wer ausschließlich die Stressoren in den Blick nimmt, die man nicht verändern kann, erstarrt in Ohnmacht oder Wut.

Der größte Stressor ist der eigene hohe Anspruch

Was sind aber die veränderlichen Faktoren in Sachen Stress? An erster Stelle: Wir selbst mit unserer Haltung zum Arbeiten und Leben. Denn in den Umfragen der Krankenkassen kommt nicht nur zu Tage, dass die Arbeit stressen kann. Sehr viele Menschen sagen auch, dass der größte Stressor in ihrem Leben ihr hoher Anspruch an sich selbst sei. In Form von Perfektionismus, Ungeduld und überzogenen Ansprüchen an ihre Leistungskraft drehen viele die Stress-Schraube selbst tagtäglich fester. Und genau hier kann man etwas ändern.

Die Psychologie weiß sogar recht gut, wie das geht: Übungen aus der Achtsamkeit senken den Stresspegel und Anregungen aus der kognitiven Verhaltenstherapie helfen, nachhaltig mehr Energiebalance ins Leben zu bringen.

Die Übungen aus der Achtsamkeit helfen uns beispielsweise dabei, unseren Handlungsspielraum zu erkennen, statt angesichts einer Herausforderung oder Aufgabe in Panik oder Ohnmacht zu verfallen. Ein Beispiel: Das Meeting droht wieder länger zu werden als geplant – und in 30 Minuten steht das Kind in der Kita vor der Tür. Der gestresste Vater und Angestellte spürt, wie sein Herz angesichts dieser Zwickmühle schneller schlägt, seine Hände werden schwitzig. Häufig sorgen solche Stressgefühle dafür, dass wir versuchen, die Dinge zu beschleunigen. Der Mann wird vielleicht einem anderen ins Wort fallen, weil er seinen Redebeitrag unbedingt noch loswerden möchte.

Mit Achtsamkeitsübungen gegensteuern

Häufig genug verlängern solche aktionistischen Gesten jedoch die Sache, weil die Irritation der anderen Zeit kostet. Der Stresspegel steigt weiter. Und damit auch die gestressten Gedanken. Zum Beispiel Katastrophengedanken, die das Kind mutterseelenallein am Straßenrand der Großstadt wähnen. Am Ende kommt man zu spät – und trifft auf eine entnervte Erzieherin oder verlässt das Meeting überraschend für alle anderen, ohne seine eigenen Ziele erreicht zu haben. Stress pur.

Wer sich mit Achtsamkeitsübungen auskennt, hat einen anderen Hebel. Er wird beim Blick auf die Uhr tief ausatmen und das aufsteigende Stressgefühl dimmen. Dann wir er den gewissen Spalt zwischen Reiz (Oh, schon so spät!) und Aktion (Panik) nutzen – und reflektieren. Was ist jetzt sinnvoll? Vielleicht eine Notiz in den Chat – „Ich muss leider los. Bitte klärt noch x und y.“ Oder ein Handzeichen am Screen statt auf eine Redepause zu warten: „Ich muss kurz in der Kita anrufen und sagen, dass ich ein paar Minuten später komme.“ Jede dieser Ideen ist konstruktiv und Stress senkend.

Die kognitive Verhaltenstherapie gibt uns viele Ansätze, wie wir mit unseren Gedanken und Gefühlen in gesunder Weise umgehen können. Sie hält Hilfe für typische Stresstreiber wie Katastrophengedanken und Grübelattacken bereit. Beide Ansätze wirken. Jedoch muss man die Übungen und Anregungen auch im Alltag umsetzen, damit sie wirken können. Viele Menschen kennen eine ganze Menge Theorie zur Stressprävention. Sie wissen, dass grübeln ungesund und regelmäßige Auszeiten wichtig sind. Doch sie bringen dieses Wissen nicht in Aktion. Und so verändert sich nichts.

In Sachen Stressprävention sind Babyschritte die eigentlichen Riesenschritte

Dabei zeigt sich: Kleine, gerne auch allerkleinste Schritte sind am besten geeignet, um loszugehen und dran zu bleiben. In Sachen Stressprävention sind Babyschritte die eigentlichen Riesenschritte. Lieber täglich endlich fünf Minuten Bildschirmpause nach 90 Minuten Arbeit am Rechner als das feste Vorhaben in Zukunft früher Schluss zu machen mit der Arbeit. Lieber einmal am Tag wirklich recken und strecken als das Vorhaben sich im Fitness-Center anzumelden. Lieber einmal am Tag herzhaft über sich selbst lachen, als der große Plan, sich weniger zu stressen.

Am besten Sie legen gleich los. Ein konkreter, kleiner Schritt, ist die sicherste Methode um beim Ziel „weniger Stress“ anzukommen. Wie wäre es, Sie stehen jetzt kurz vom Rechner auf und strecken und recken sich jetzt einmal ausgiebig. JETZT

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Gesünder arbeiten. Besser leben.
Mit mehr Lebensfreunde und Gelassenheit durchs Jahr.
von Carola Kleinschmidt
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Carola Kleinschmidt

Carola Kleinschmidt ist Diplombiologin, Autorin und zertifizierte Trainerin für Stressprävention. Zehn Sachbücher schrieb sie in den letzten 15 Jahren. „Bevor der Job krank macht“ wurde zum Bestseller der Burnout-Prävention. Ihre Leidenschaft sind innovative und interaktive Formate für Workshops und Selbstlernkurse rund um die Themen Stresskompetenz, Selbstfürsorge und persönliche Entwicklung für Firmen und individuelle Kund*innen.