Krieg im Nahen Osten, Benzinpreise über zwei Euro, Haushalte am Limit – und was schlägt die Internationale Energieagentur vor? Mehr Homeoffice. Man reibt sich die Augen.
Wohlgemerkt: Die IEA ist keine studentische Initiative, die Flyer im Uni-Flur verteilt. Sie vertritt die größten Ölverbraucherländer der Welt. Und ihr Beitrag zur Energiekrise? Der Laptop soll ins Wohnzimmer. Das ist kein “sofortiger und konkreter Plan”, wie IEA-Chef Fatih Birol behauptet. Es ist Ratlosigkeit, getarnt als Pragmatismus.
Denn wer kurz nachdenkt, erkennt: Homeoffice verlagert Kosten, es beseitigt sie nicht. Beschäftigte heizen ihre Wohnungen statt der Büros – auf eigene Rechnung. Viele Büros bleiben trotzdem warm, weil nicht alle gleichzeitig zu Hause arbeiten. Und wer nachmittags entspannt einkaufen fährt, weil er nicht pendelt, hebt den vermeintlichen Spareffekt wieder auf. Studien zeigen: Je nach Wohnsituation und Verhalten kann Homeoffice den Energieverbrauch sogar steigern – um bis zu 17 Prozent, wie britische Forschende für England belegt haben.
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Was wirklich hilft
Immerhin: Das Tempolimit wäre sinnvoll. Zehn Stundenkilometer weniger auf Autobahnen sparen sofort Sprit, kosten den Staat nichts und lassen sich technisch leicht umsetzen. Dass Deutschland – eines der letzten Länder ohne generelles Limit – hier zögert, grenzt an politischen Masochismus. Wer 130 statt 160 fährt, spart real Energie. Doch auch das Tempolimit ist kein Befreiungsschlag. Es bringt zu wenig und stößt in Deutschland auf massiven Widerstand.
Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch. Die OECD benennt sie klar: Ausbau von Wind- und Solarenergie, Förderung der Elektromobilität und – entscheidend – der Abbau von Subventionen für fossile Energieträger. Solange Diesel steuerlich bevorzugt wird, Dienstwagen-Privilegien Verbrenner attraktiv machen und der Staat mit einer Hand Energie sparen predigt, während er mit der anderen fossile Brennstoffe subventioniert, bleibt jede Krisenpolitik unehrlich.
Wer von Ölimporten abhängt, bleibt erpressbar
Kurzfristig brauchen Menschen mit kleinen Einkommen gezielte Entlastung – nicht mit der Gießkanne, wie ein Tankrabatt, sondern präzise für die, die es wirklich nötig haben. Die OECD hat recht: Ein Tankrabatt ist teuer, ineffizient und nützt vor allem Viel-Fahrern – also eher Wohlhabenden.
Die Botschaft dieser Krise ist dieselbe wie 2022, 2008 und 1973: Wer von Ölimporten abhängt, bleibt erpressbar. Jede Krise, die das erneut zeigt, ohne eine Wende zu erzwingen, ist eine vertane Chance. Die IEA müsste das wissen. Stattdessen empfiehlt sie, den Laptop mitzunehmen.

