Niedriger Krankenstand, große Erschöpfung

Gesicht überhäuft mit Post-its

In der Corona-Pandemie sind die Fehltage gesunken, doch die Erschöpfung hat stark zugenommen.

Das  zeigt der Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse (TK) “Ein Jahr Coronapandemie: Wie geht es Deutschlands Beschäftigten?”, der mit den Ergebnissen einer bevölkerungsrepräsentativen Forsaumfrage im Auftrag der TK zur Belastung der Menschen durch die Pandemie veröffentlicht wurde.

Demnach fühlten sich 42 Prozent der Menschen in Deutschland im März 2021 stark bzw. sehr stark belastet. Ein Jahr zuvor war es nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent). Am meisten fühlten sich die Menschen durch die fehlenden Sozialkontakte zu Freunden und Familie belastet; fast 90 Prozent sagten, sie litten darunter.

Enorme Belastung bei Familien mit kleinen und schulpflichtigen Kindern

Eine Rolle spielte auch die Angst davor, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Bei Familien mit kleinen und schulpflichtigen Kindern sah die Belastung noch einmal anders aus. Sie litten vor allem unter der weggebrochenen Kinderbetreuung durch Kita- und Schulschließungen sowie den Anforderungen im Job. Auch kinderlose Berufstätige klagten über mehr Stress am Arbeitsplatz. Fast zwei Drittel der Familien fühlten sich stark belastet, bei den Beruftätigen war es jede Zweite und jeder Zweite.

Ganz besonders unter Stress standen zum Zeitpunkt der Befragung jene, die im Home-Office mit mindestens einem kleinen Kind lebten. 54 Prozent erlebten die Situation als sehr stark belastend; im Mai 2020 waren es “nur” 45 Prozent. Bei den kinderlosen Berufstätigen im Home-Office (oder jenen, bei denen die Kinder nicht mehr im Haushalt lebten) hatte sich der Belastungsgrad nicht verändert (jeweils 31 Prozent).

Dauerlockdown macht die Menschen müde

Insgesamt zeigt eine Langzeitstudie des psychologischen Instituts der Technischen Universität (TU) Chemnitz in Kooperation mit der TK, dass die Menschen über die Dauer der Pandemie müde und chronisch erschöpft sind. Für die Studie wurden während der Pandemie fast ein Jahr lang in mehreren Befragungswellen insgesamt 2.900 Berufstätige online zu ihrer psychosozialen Belastung durch Corona befragt.

Hier zeigte sich, dass bei allen die Batterien leer sind, weil sich die beruflichen und sozialen Herausforderungen auf Dauer erhöht haben. Zudem sind Orte und Möglichkeiten zur Regeneration weggebrochen: Sport, soziale Kontakte, Kultur, Reisen, Freizeit. Hinzu kommt der Stress durch ständiges Einhalten von sich immer wieder ändernden Infektionsschutzregeln. Auf Dauer führt dieses Ungleichgewicht an Belastung aber kaum Entlastung zu einer chronischen Erschöpftheit. Insgesamt betrachtet, liefert der Gesundheitsreport jedoch keine Hinweise auf eine grundsätzliche Verschlechterung der Gesundheit von Erwerbspersonen durch die Coronapandemie. Mit einem Krankenstand von 4,14 Prozent lag das Jahr 2020 sogar unter den Werten der Vorjahre (2019: 4,22 Prozent; 2018: 4,25 Prozent).

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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