Urlaub soll neue Energie geben – doch die DAK-Studie 2025 zeigt: Stress, ständige Erreichbarkeit und Reisechaos rauben oft die Erholung. Nur wer konsequent Grenzen setzt, kommt wirklich erfrischt zurück.
Urlaub gilt als Rettung für die erschöpfte Gesellschaft. Ein paar Wochen Sonne, Abstand vom Alltag, neue Eindrücke – und die Akkus sind wieder voll. Doch die Realität sieht anders aus. Eine aktuelle DAK-Studie zeigt: Nicht jeder schöpft neue Kraft. Selbst in der schönsten Umgebung verhindern Stress, ständige Erreichbarkeit und Reisechaos oft di ersehnte Regeneration.
Die Zahlen sind deutlich: 86 Prozent der Befragten fühlten sich im Sommerurlaub 2025 gut oder sehr gute erholt. Doch jeder Achte kehrte kaum erfrischter zurück. 61 Prozent dieser Gruppe gaben an, nicht abschalten zu können. Handy, Laptop, private Konflikte oder äußere Faktoren wie Wetterextreme raubten die Entspannung
Erholung hängt nicht von Luxus ab
Die Studie zeigt, was wirklich zählt: Natur und Sonne nannten 88 Prozent als wichtigste Erholungsquelle. Ortswechsel (77 Prozent), Zeit mit der Familie (76 Prozent) und Zeit für sich selbst (69 Prozent) folgten dicht dahinter. Erst danach kamen der Wegfall von Arbeitsbelastung (65 Prozent) und sportliche Aktivität (63 Prozent). Der Verzicht auf digitale Medien spielte nur für ein Vierteil eine Rolle.
Ein weiteres Ergebnis: Die Mehrheit nutzte den Urlaub aktiv, um gesünder zu leben. 73 Prozent reduzierten bewusst Stress, 70 Prozent bewegten sich mehr, 59 Prozent schliefen viel, 55 Prozent achteten auf ihre Ernährung. Wellness blieb eine Randerscheinung – nur 17 Prozent griffen darauf zurück. Urlaub als private Gesundheitskur ist längst Realität.
Arbeiten im Urlaub kostet Erholung
Doch das Bild leibt zwiespältig. Jeder vierte Berufstätige mit Laptop oder PC arbeitete auch im Urlaub – 11 Prozent von zu Hause, 22 Prozent unterwegs. Für sie verschwimmt die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Wer dienstliche Mails im Strandkorb beantwortet, zahlt mit seiner Erholungskraft.
Die DAK-Zahlen sind mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigen: Erholung gelingt, wenn Menschen bewusst Abstand schaffen – von Arbeit, Konflikten und dem ständigen „Online-Sein“. Natur, Bewegung, Schlaf und echte Begegnungen wirken am stärksten. Unternehmen können daraus lernen: Wer gesunde Arbeitsbedingungen schaffen will, muss die Kultur der ständigen Erreichbarkeit beenden. Urlaub ist keine Verlängerung des Büros, sondern Grundlage für langfristige Leistungsfähigkeit.
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Erholung ist kein Selbstläufer
Ein Beispiel zeigt die Unterschiede: 46 Prozent der über 60-Jährigen gaben an, sich „sehr gut“ erholt zu haben. Bei den 30- bis 44-Järhigen schafften das nur 30 Prozent. Gerade die Generation in der Rushhour des Lebens – zwischen Familie, Karriere und Dauerstress – hat Mühe, sich zu lösen. Entscheidend ist nicht der Urlaubsort, sondern die Fähigkeit, Grenzen zu ziehen-
Die Studie macht auch die Verletzlichkeit der Erholung deutlich: Krankheiten, Stürze oder Infekte trafen 7 Prozent der Reisenden, fast jeder Zweite klagte über Erkältungen. Reisechaos und Wetterextreme belasteten weitere 38 Prozent. Das zeigt: Erholung ist kein Selbstläufer, sondern ein Gut, das Schutz braucht.
Erholung verteidigen
Der Sommerurlaub 2025 erzählt zwei Geschichten: Die Mehrheit genießt Sonne, Natur und Familie und kehrt gestärkt zurück. Doch viele bleiben trotz Auszeit erschöpft – gefangen in Erreichbarkeit, Termindruck und Erwartungen.
Wer Erholung will, muss sie verteidigen. Gegen die Versuchung, immer verfügbar zu sein. Gegen das Chaos im Kopf und im Kalender. Gegen die Illusion, Gesundheit ließe sich delegieren. Erholung braucht Klarheit – im Denken, im Planen, im Leben. Dann wird Urlaub wieder das, was er sein soll: eine Quelle neuer Energie, nicht nur eine Pause im Hamsterrad.

