Unternehmen setzen auf Familienfreundlichkeit

Bild von Vater, Mutter, Kind auf Asphalt gemalt

Deutsche Unternehmen legen im Wettstreit um Arbeitskräfte immer mehr Wert auf Familienfreundlichkeit und ermöglichen das Arbeiten, wie es zum Familienleben passt.

Wie eine gemeinsame Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Bundesfamilienministeriums festgestellt hat, ist ein familienfreundliches Umfeld mittlerweile für 86 Prozent der deutschen Unternehmen ein wichtiger Faktor, um Beschäftigte zu gewinnen – und zu halten. Im Jahr 2015 spielte dieser Faktor nur für 77 Prozent eine Rolle.

Cover für Überall, nur nicht im BüroHauptbewegggrund ist für die Unternehmen dabei vor allem, qualifiziertes Fachpersonal zu finden und an sich zu binden. 88 Prozent der befragten Unternehmen gaben dies als Motiv an. Außerdem geht es fast 84 Prozent darum, gut ausgebildete Fachkräfte überhaupt erst zu finden. Daneben wollen mehr als dreiviertel der Unternehmen die Beschäftigten mit kleinen Kindern unterstützen. Auch haben sie die ältere Beschäftigtengruppe im Blick, die sich um die Pflege der eigenen Eltern kümmern muss. Für 73 Prozent der befragten Unternehmen ist aufgrund der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf daher auch wichtig, familienfreundliche Bedingungen zu schaffen.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein “harter Wettbewerbsfaktor im Rennen um die besten Köpfe”

Wie die Studie weiter feststellt, hat Familienfreundlichkeit wirklich einen Vorteil, denn Beschäftigte bleiben eher bei einem Arbeitgeber, wenn die Bedingungen zum Privatleben passen. So schätzen lediglich rund 19 Prozent der Personalverantwortlichen in Unternehmen mit einer ausgeprägt familienfreundlichen Unternehmenskultur die Fluktuation als zu hoch ein. In Unternehmen ohne eine solche Kultur sind es dagegen 30,4 Prozent. Die Studie wird alle vier Jahre erstellt.

Wir sind der Wandel-Newsletter“Familienfreundliche Unternehmen haben bei der Fachkräftesicherung eindeutig die Nase vorn”, so Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein “harter Wettbewerbsfaktor im Rennen um die besten Köpfe”. Für den Präsidenten der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, kommt es auch darauf an, was Betriebe, Beschäftigte und Kommunen vor Ort möglich machen. “Flächendeckende Kinderbetreuung mit Ganztagsangeboten auch in den Randzeiten morgens und abends sowie Ferienprogramme sind für die Betriebe und damit für den Standort Deutschland essenziell”, so Adrian.

Tina Groll

Tina Groll arbeitet hauptberuflich als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren“ aus. Sie ist Mitglied im Deutschen Presserat sowie als Vorsitzende der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union tätig. Als Autorin von WIR SIND DER WANDEL beschäftigt sie sich mit der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik.