Frauen dürfen seltener im Homeoffice arbeiten als Männer

Frau liegt mit Laptop auf Bett

Offenbar werden Frauen bei der Nutzung von flexiblen Arbeitsformen stärker benachteiligt als Männer. Das stellt eine Studie fest.

Bekommen Frauen bei der Anfrage, ob sie von zu Hause aus arbeiten dürfen, ein “Nein” vom Arbeitgeber zu hören als Männer? Zu diesem Schluss kommt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die allerdings vor der Corona-Krise fertiggestellt wurde. In einer Befragung hatten 22 Prozent der Arbeitnehmerinnen angegeben, dass sie kein Homeoffice nutzen dürften, schlicht weil es nicht erlaubt sei. Die technische Möglichkeit dazu wäre aber vorhanden gewesen. Bei den befragten Arbeitnehmern hingegen berichteten nur zwölf Prozent von einem solchen Verbot.

Ein Verbot von Telearbeit ist insbesondere für viele Frauen schwierig. Gerade sie profitieren häufig von Homeoffice-Arbeit, da noch immer es überwiegend die Mütter sind, auf denen die Hauptlast von der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf lastet. Deshalb sei es umso wichtiger, dass Beschäftigte, die gerne von zu Hause arbeiten würden, Rückendeckung vom Gesetzgeber bekämen, so die Studienautorinnen. Ein Vorstoß der SPD erwägt, einen gesetzlichen Anspruch auf Telearbeit einzuführen. Zuletzt hatte auch Bundesarbeitminister Hubertus Heil (SPD) betont, ein Recht auf Heimarbeit durchsetzen zu wollen. Allerdings zeigt sich in der Corona-Krise, dass Homeoffice für viele Frauen eher die Rolle rückwärts in ein tradiertes Rollenbild bedeutet. Wie neue Zahlen zeigen, sind es maßgeblich die Frauen (fast ein Viertel der Arbeitnehmerinnen), die ihre Arbeitszeit wegen der Betreuung der Kinder auch im Homeoffice reduziert haben. Viele Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass diese Mitarbeiterinnen auch nach der Krise ihre Arbeitszeit nicht mehr heraufsetzen können – nicht zuletzt auch, weil das Teilzeit- und Befristungsgesetz dies nicht vorsieht und weil eine weltweite Wirtschaftskrise beginnt.

Manchmal ist Homeoffice schlicht qua Job nicht möglich

In der Böckler-Studie gaben übrigens knapp 78 Prozent der Befragten an, dass ihr Job nicht zum Homeoffice passe. Wie sich dieser Wert nach der Krise darstellen wird, ist noch nicht abzusehen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich hier eine deutliche Änderung erheben.

Vor der Krise gingen übrigens rund 69 Prozent der Befragten davon aus, dass die eigene Anwesenheit dem Chef wichtig sei. Und immerhin sechs Prozent der Frauen sowie fünf Prozent der Männer befürchteten, dass ihnen Telearbeit nachteilig für die Karriere ausgelegt würde. Ob sich hier ein langfristiger Kulturwandel einstellt, ist noch nicht abzusehen. Alle Befragten konnten Mehrfachantworten geben.

Die Forscherinnen haben für ihre Studie einen Datensatz aus den Jahren 2014/15 mit Angaben zu knapp 1.800 Beschäftigten ausgewertet. Er ist den Angaben zufolge repräsentativ für Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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