Wie man sich gegen Altersdiskriminierung wehrt

Alter Mann sitzt auf Bank

Wir sollen bis 67 oder länger arbeiten, doch ab Mitte 40 wird es für viele eng – besonders für Führungskräfte. Wie man sich dagegen wehrt.

Der Berliner Arbeitsrechtler Christoph Abeln erklärt im Managementblog von Claudia Tödtmann, wie Unternehmen ältere Mitarbeitende systematisch ausgrenzen. Der Jugendwahn macht auch vor Chefetagen nicht halt. Im Gegenteil: Viele Firmen beginnen gerade im Mittelmanagement, sich zu “verjüngen”. Besonders hart trifft es Frauen. Ab Mitte 40 gelten sie oft als “alt”, im schlimmsten Fall als “verbissene Alte”. Gefragt sind die Jüngeren der Generation Y – flexibel, innovativ und vor allem: billiger.

Um ältere Führungskräfte loszuwerden, greifen Unternehmen oft zu fragwürdigen Methoden. Sie kürzen Aufgabenbereiche, bis nur noch monotone Tätigkeiten ohne Verantwortung übrig bleiben. Häufig enthalten Verträge Altersgrenzen, oder es wird offen eine Abfindung angeboten, um den Chef:innenposten zu räumen.

Altersgrenzen sind unwirksam

Irrtümer und Mythen rund ums ArbeitsrechtAbeln stellt klar: Verträge mit Altersgrenzen sind rechtlich unwirksam – zumindest für Mitarbeitende im arbeitsrechtlichen Sinne. Für sie gilt das gesetzliche Rentenalter, und bis dahin haben sie ein Recht auf Beschäftigung.

Der Experte rät: Alles schriftlich dokumentieren. Führungskräfte, die nicht als leitende Angestellte gelten, können zudem den Betriebsrat einschalten – besondes, wenn Aufgabenbereiche ohne Begründung verkleinert oder entzogen werden. Wichtig ist, Druck zu machen und auf den Arbeitsvertrag zu pochen. Neue Aufgaben sollten Betroffene nur übernehmen, wenn sie schriftlich dazu angewiesen werden.


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Manchmal werden ältere Führungskräfte auch auf unattraktive Position versetzt. In solchen Fällen empfiehlt Abeln eine Statusfeststellungsklage. Doch der Rechtsweg bedeutet offenen Konflikt. Wer isoliert ist – und darauf zielen solche Maßnahmen oft ab – hat es schwer. Abelns Fazit ist ernüchternd: “Ich muss feststellen, dass es in den Unternehmen kein Ethik mehr gibt. Verdiente, langjährige Mitarbeiter werden drangsaliert und sogar krankgemacht, manche bekommen sogar Suizidgedanken. Doch niemand spricht über diese Methoden, es herrscht das große Verschweigen. Zumal sich viele Mitarbeiter scheuen, gegen den eigenen Arbeitgeber vor Gericht zu ziehen, für den sie so lange loyal gearbeitet haben.”

Das ist beschämend. Es wird Zeit, dass Betroffene den Mut finden, sich zu wehren. Denn die Welt gehört denjenigen, die den Mund aufmachen – Frauen wie Männern.

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Cover Was Chefs nicht dürfen (und was doch)

 

Was Chefs nicht dürfen – und was doch
von Sabine Hockling und Ulf Weigelt
Ullstein Verlag (1. Auflage, Juni 2017)
13,99 Euro (D)
ISBN 978-3-548-37694-3

 


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Tina Groll

Tina Groll, SPIEGEL-Bestsellerautorin und Redakteurin bei der ZEIT im Ressort Wirtschaft, konzentriert sich als Autorin von WIR SIND DER WANDEL auf Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik. 2008 zeichnete sie das Medium Magazin als eine der “Top 30 Journalisten unter 30 Jahren” aus, 2009 erhielt sie den Otto-Brenner-Preis für kritschen Wirtschaftsjournalismus. Ferner ist sie Mitglied im Deutschen Presserat.

Kommentare

  • Ich bin fast 82 Jahre und arbeite immer noch gern und ich denke, auch gut. Freilich bin ich selbstständig, aber ich glaube, dass die Erfahrung eines älteren Menschen etwas Wertvolles ist, was man im Berufsleben nutzen sollte.

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