Die Generation Z nutzt KI eifrig, vertraut ihr aber zunehmend weniger. Eine aktuelle Studie zeigt, warum Nähe allein nicht überzeugt – und was Schulen, Eltern und Unternehmen jetzt tun müssen.
Die Generation Z lebt so nah an Künstlicher Intelligenz wie keine vor ihr. Sie nutzt sie im Alltag, in der Schule, beim Lernen, im Job. Doch statt Vertrauen wächst der Zweifel. Dieses Paradox zeigt die Studie „The AI Paradox – More Exposure, Less Confidence Among Gen Z“: Mehr Kontakt mit KI führt nicht zu mehr Zuversicht. Im Gegenteil. Die Nutzung stagniert, die Euphorie schwindet, die Skepsis nimmt zu.
Das ist brisant. Denn es betrifft keine Randgruppe, sondern die Alterskohorte, die bald den Arbeitsmarkt prägen wird. Die Studie, basierend auf einer Gallup-Befragung von 1.572 US-Amerikaner:innen zwischen 14 und 29 Jahren, beschreibt eine Generation, die KI weder ablehnt noch befürwortet. Sie schaut genau hin – und glaubt nicht mehr an das Versprechen mühelosen Fortschritts.
Eltern prägen die Nutzung ihrer Kinder
Der erste Befund klingt unspektakulär, ist aber entscheidend: Die Nutzung generativer KI wächst nicht weiter. 22 Prozent der Befragten nutzen sie täglich, 29 Prozent wöchentlich. Weitere 11 Prozent greifen monatlich darauf zu, 20 Prozent nur alle paar Monate, 19 Prozent nie. Damit bleibt die mindestens wöchentliche Nutzung bei etwas mehr als der Hälfte – unverändert seit 2025. Die Technik ist angekommen, hat aber keinen neuen Schub ausgelöst. Das widerspricht der Annahme, Verfügbarkeit führe automatisch zu Akzeptanz.
Schüler:innen der Klassen K-12 liegen mit 56 Prozent über den älteren Gen-Z-Erwachsenen mit 48 Prozent. Männer nutzen KI etwas häufiger als Frauen. Diese Unterschiede sind keine Nebensache. Sie zeigen, wie stark Zugang, Umfeld und soziale Normen die Nutzung beeinflussen. Besonders deutlich wird das in Familien: Nutzen Eltern KI häufig, greifen auch ihre Kinder öfter darauf zu. Wo Eltern keine KI verwenden, berichten Kinder weit häufiger von seltener oder gar keiner Nutzung.
KI verliert emotional an Kredit
Der eigentliche Wendepunkt der Studie liegt nicht in der Nutzung, sondern in der Stimmung. Neugier bleibt mit 49 Prozent die häufigste Emotion. Doch Angst folgt mit 42 Prozent, Wut mit 31 Prozent. Positive Gefühle fallen schwächer aus: Nur 22 Prozent nennen Begeisterung, 18 Prozent Hoffnung. Der Vergleich mit 2025 zeigt eine klare Entwicklung: Begeisterung sinkt um 14 Punkte, Hoffnung um neun, Wut steigt um neun, Angst bleibt stabil hoch. Das Fazit: KI verliert emotional an Kredit.
Auffällig ist: Wer KI oft nutzt, blickt freundlicher auf sie als Nichtnutzer. Tagtägliche Nutzer empfinden häufiger Neugier (69 Prozent), Begeisterung (44 Prozent) und Hoffnung (38 Prozent). Bei Nichtnutzern dominieren Angst (60 Prozent) und Wut (59 Prozent). Man könnte meinen: Mehr Nutzung schafft mehr Vertrauen. Doch selbst unter den täglichen Nutzern sinken Begeisterung und Hoffnung deutlich. Mehr Erfahrung macht informierter, aber nicht optimistischer.
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Warum kippt die Stimmung?
Die Studie liefert eine klare Antwort: Die Gen Z zweifelt am Kernversprechen der KI. Nicht an der Oberfläche, sondern an ihrer Wirkung auf Denken, Lenken und Arbeit. Beim Suchen nach korrekten Informationen ist die Generation gespalten. Bei Kreativität und kritischem Denken überwiegt die Skepsis: 38 Prozent erwarten mehr Schaden als Nutzen für die Fähigkeit, neue Ideen zu entwickeln, 42 Prozent sehen mehr Schaden als Nutzen für sorgfältiges Denken. Die jungen Befragten fürchten nicht nur Fehler, sondern auch den Verlust von Kompetenzen.
Auch der Effizienzgewinn überzeugt weniger als im Vorjahr. Nur noch 56 Prozent glauben, dass KI Arbeit schneller erledigt – zehn Punkte weniger als 2025. Beim schnelleren Lernen fällt die Zustimmung auf 46 Prozent, ein Minus von sieben Punkten. Gleichzeitig halten acht von zehn Befragten es für wahrscheinlich, dass KI, die vor allem Aufgaben beschleunigt, künftiges Lernen erschwert. Hier verdichtet sich das Paradox: Das Werkzeug spart Zeit, doch viele junge Menschen glauben, es koste sie etwas Wichtigeres – Urteilskraft, Lernfähigkeit, Eigenleistung.
Jüngere fordern einen besseren Umfang mit KI
Im Arbeitsleben wird der Zweifel noch deutlicher. Unter den erwerbstätigen Gen-Z-Befragten sagen 48 Prozent, die Risiken von KI überwögen die Vorteile. Nur 15 Prozent sehen es umgekehrt, 37 Prozent halten Risiken und Nutzen für gleich groß. Vor einem Jahr war die Haltung weniger kritisch. Hinzu kommt ein massives Vertrauensgefälle: 69 Prozent vertrauen Arbeit ohne KI mehr, nur 28 Prozent vertrauen Arbeit mit KI-Unterstützung. Rein KI-erstellter Arbeit traut fast niemand. Für Unternehmen ist das ein Warnsignal. Wer KI nur als Produktivitätshebel verkauft, ignoriert das Misstrauen einer Generation, die zwischen Beschleunigung und Verlässlichkeit unterscheidet.
Doch die Studie endet nicht im Kulturpessimismus. Der Lösungsansatz liegt ausgerechnet dort, wo die Debatte oft am hitzigsten geführt wird: in der Bildung. 52 Prozent der Schüler:innen sagen, sie bräuchten KI-Kompetenz für Studium oder Ausbildung – ein Plus von fünf Punkten gegenüber 2025. 48 Prozent halten KI-Kenntnisse für wichtig in künftigen Berufen. Noch bemerkenswerter: 56 Prozent glauben, nach der Schule über die nötigen Fähigkeiten zu verfügen, KI im Alltag einzusetzen – zwölf Punkte mehr als im Vorjahr. Die junge Generation lehnt KI nicht ab. Sie fordert einen sinnvolleren Umgang.
Fortschritt mit Lücken
Die Studie zeigt Fortschritte, aber auch Lücken. Schulen haben ihre Regeln ausgebaut: 74 Prozent der Schüler:innen berichten von KI-Regeln an ihrer Schule, ein Anstieg von 51 Prozent. Der Zugang zu KI-Tools über Schulcomputer wuchs von 36 auf 49 Prozent. 65 Prozent der Schüler:innen mit KI-Policy dürfen KI für Schulaufgaben nutzen. Doch nur 28 Prozent erhalten direkt KI-Tools für ihre Arbeit. Zugang und Struktur wachsen, systematische Befähigung bleibt begrenzt.
Auch das soziale Umfeld prägt die Haltung. 59 Prozent der Schüler:innen haben mit ihren Eltern über KI gesprochen. Dabei dominieren nicht Spielerei oder Hype, sondern Verantwortung: 83 Prozent sprechen über die künftige Veränderung der Welt durch KI, 79 Prozent über die Risiken starker Abhängigkeit. Erst danach folgen praktische Anwendungen wie schnelleres Lernen oder Arbeiten mit je 62 Prozent. Das zeigt: Die Auseinandersetzung mit KI ist nicht nur technisch, sondern kulturell und normativ. Die Gen Z ringt nicht bloß um Tools, sondern um Maßstäbe.
Mehr Zugang allein reicht nicht
Hier liegt die Pointe der Studie. Die Gen Z ist nicht verschlossen gegenüber KI. Sie sieht Nutzen, aber auch Nebenwirkungen. Sie erkennt Relevanz, verweigert aber blinden Glauben. Sie will Kompetenzen aufbauen, nicht Abhängigkeiten vertiefen. Ihre Skepsis ist kein Problem, sondern ein Korrektiv.
Die Lehre ist klar: Mehr Zugang allein reicht nicht. Vertrauen entsteht, wenn KI Denken stärkt statt es zu umgehen, Lernen vertieft statt es zu verkürzen und menschliches Urteil ergänzt statt es zu entwerten. Hier entscheidet sich, ob KI für die kommende Generation ein Werkzeug der Befähigung wird – oder ein Effizienzversprechen, dem sie nicht mehr glaubt.

