Wie gut ist HR auf die Zukunft vorbereitet?

Menschen auf dem Weg zur U-Bahn

Das Thema KI ist derzeit allgegenwärtig. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch: In HR ist die Technologie mit dem disruptiven Potenzial noch nicht wirklich angekommen.

So hat rund ein Drittel der Personaler:innen angegeben, bis dato mit KI-Angeboten „etwas experimentiert zu haben“ und etwa ein Viertel informiert sich derzeit noch darüber. Lediglich 13 Prozent wendet KI häufig an. Damit liegt HR leicht vor den restlichen Beschäftigten – geht aber auch nicht deutlich voran. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch bei der Clusterung zu KI-Typen wider: Hier zählt HR etwas weniger zu den Innovatoren (18,4 Prozent zu 19,2 Prozent), ist öfter Early Adopter (34,6 Prozent zu 26,7 Prozent) und hat den kleineren Teil an Nachzüglern (19,8 Prozent zu 28,9 Prozent). Insgesamt zeigt sich: KI etabliert sich erst langsam in den Unternehmen.

Die größten Hindernisse beim Einsatz von KI sehen die Personaler:innen und die Non-HR-Mitarbeitenden dabei in der Rechtsunsicherheit (53,8 Prozent HR, 39 Prozent Non-HR) sowie in den fehlenden Skills (56,6 Prozent HR, 37 Prozent Non-HR). Zusätzlich befürchtet HR Vorbehalte aus dem Betriebsrat und dem Management. Dennoch sieht Andreas Meya, Division Manager Haufe, die Entwicklung positiv: „Auch wenn derzeit die Umsetzung noch am Anfang steht – HR ist sich sehr wohl bewusst, welche Potenziale mit KI zu heben sind. Vor allem die Personalleiter:innen sehen die Möglichkeiten und wollen sie aktiv angehen.“

Digitalisierung: Große Erwartungen, kleine Fortschritte?

Die Haufe HR Service Experience Studie 2024 zeigt: Der Grad der Digitalisierung in den Unternehmen ist seit 2021 nur leicht gestiegen – von 60,4 Prozent auf 62,6 Prozent. Gute Nachrichten gibt es dabei für HR: Lag die Digitalisierung ihrer Services 2021 mit 58 Prozent noch unter dem Schnitt, hat man auf 61,4 Prozent aufgeholt. Damit haben die Personaler:innen den Anschluss gewahrt, darüber hinausgehendes Potenzial bleibt aber weiterhin noch unerschlossen.


Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden im Februar und März 2024 Online-Interviews (CAWIs) mit 1.261 internen Kund:innen von HR sowie 647 Beschäftigten in Personalfunktionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Sämtliche Befragten waren in Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitenden tätig, vom Mittelstand bis zum Großkonzern. Bei der „Non-HR-Stichprobe“ wurde über entsprechende Quotierungen zudem auf einen ausgewogenen Branchenmix geachtet.


Der anfängliche Aufruhr um die digitale Zeiterfassung hat sich hingegen etwas gelegt: Rund die Hälfte der Personaler:innen und sogar 61,5 Prozent der Mitarbeitenden befürworten die neue Regelung, da sie davon ausgehen, dass die Verwaltung und Auswertung von Arbeitszeiten so deutlich effizienter gestaltet werden kann und für mehr Transparenz sorgt. Wenn es Probleme gibt, werden diese bei allen Befragten eher im Bereich der technischen Umsetzung gesehen.

HR-Services: In den Standards top, in der transformativen Kür Flop?

HR beherrscht die Standards – bei den transformativen Leistungen gibt es jedoch noch Optimierungspotenzial. So lautet jedenfalls die Einschätzung der Mitarbeitenden in den meisten Unternehmen. Denn bei der Frage, welche Services die Personalabteilung anbieten würde, landeten administrative Tätigkeiten wie Arbeitszeiterfassung oder Lohn- und Gehaltsabrechnungen weit vorn. Transformationsleistungen wie das Talentmanagement belegen hingegen die hinteren Plätze. Besonders die HR-Profis selbst sehen ihre transformativen Leistungen selbstkritisch – nur knapp 23 Prozent sind zum Beispiel mit dem Talentmanagement zufrieden. Aber auch die Mitarbeitenden spiegeln diese Sicht – so ist etwa die Hälfte von ihnen mit der Verwaltung der Personalakte zufrieden, aber nur 37 Prozent mit der Begleitung interner Wechsel. Generell ist die Zufriedenheit seit der Befragung von 2021 stabil auf solidem Niveau zwischen knapp 50 und rund 60 Prozent, wobei die Führungskräfte wie auch schon 2021 deutlich zufriedener sind als die Mitarbeitenden.

HR-Image: Blass, aber mit gutem Standing in der Chefetage

Die Studie zeigt, dass viele Mitarbeitende ein klares Profil von HR vermissen. Die Top-Management-Ebene hat dagegen ein weitaus positiveres Bild. Sie sehen die Personalexpert:innen als offene und kompetente Problemlöser:innen, auf die eine wachsende strategische Bedeutung (46,7 Prozent) und eine stärkere Rolle bei der Beachtung eines demokratischen Grundkonsenses (43,8 Prozent) zukomme.


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„Die Ergebnisse der Studie zeigen: HR steht weiterhin vor großen Herausforderungen und hat gleichzeitig riesige Chancen. Der Weg zu einer umfassenden Digitalisierung ist noch lang, und die Integration von KI wirft viele Fragen auf. Aber die Personalexpert:innen können ein enormes Potenzial als Wertschöpfungskatalysator in der Unternehmensentwicklung heben, wenn sie die Chancen der Digitalisierung für Routineaufgaben nutzen und gleichzeitig die Stärken der menschlichen Interaktion bewahren. In diesem Fall kann HR zu einem zentralen Baustein für den Erfolg deutscher Unternehmen im digitalen Zeitalter werden“, resümiert Andreas Meya.