Frauenanteil stagniert bei öffentlichen Unternehmen

Frau schaut vor Hauswand hervor

Der neue Public Women-on-Board-Index von FidAR stellt fest, dass von einer Vielfalt in den Führungsetagen von öffentlichen Unternehmen wenig zu spüren ist. Und auch der Frauenanteil stagniert weitgehend.

Bei den 262 größten öffentlichen Unternehmen in Deutschland tut sich in Sachen Vielfalt wenig. Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien ist im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,4 Prozentpunkte auf 32,2 Prozent gestiegen. Damit sind jetzt zwar ein Drittel der Sitze mit Frauen besetzt (vor zehn Jahren waren in diesen Positionen noch kaum Frauen vertreten). Schaut man jedoch auf die operativen Positionen im Top-Management sind es nach wie vor überwiegend Männer, die Entscheidungen treffen. Und 22 Prozent der Spitzenführungspositionen im Management sind mit einer Frau besetzt, im Vorjahr waren es noch 18 Prozent. 14 Unternehmen aber – das sind gute fünf Prozent – haben gar keine Frauen im Führungsteam. Das stellt der neue Public Women-on-Board-Index von FidAR fest, der jährlich darstellt, welche Fortschritte es bei der Frauenquote in öffentlichen Unternehmen gibt.

Ein Problem bei den öffentlichen wie auch privaten Unternehmen ist trotz der seit 2016 geltenden Frauenquote, dass kaum Zielgrößen festgelegt und veröffentlicht werden. Von den 123 zielgrößenpflichtigen öffentlichen Unternehmen legen 46 keine Planungen für die Erhöhung des Frauenanteils vor, so der Public Women-on-Board-Index. „Die Unternehmen des öffentlichen Sektors müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Unser Ziel ist es, in den wichtigsten Bundesbeteiligungen bis Ende 2025 einen Frauenanteil von 50 Prozent in den Leitungspositionen zu erreichen. Dafür ist aber deutlich mehr Engagement notwendig. Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen. Die Verschärfung von Sanktionen bei Nichtvorlage von Zielgrößen ist ein Baustein, mit dem wir hier den Druck erhöhen werden. Wir müssen das Potenzial der Frauen endlich nutzen – das gilt für privatwirtschaftliche Unternehmen und öffentliche gleichermaßen”, so Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD).

Neues Projekt untersucht Frauenanteil in Führungspositionen bei NGOs

Interessant in der Auswertung ist, dass es offenbar ein Nord-Süd-Gefälle gibt: Beim durchschnittlichen Frauenanteil in den Aufsichtsgremien liegen Berlin, Brandenburg und Hamburg im Ranking vorne. Schlusslichter hingegen sind Bayern, Saarland und Sachsen. Unterdessen kündigte das Bundesfamilienministerium an, sich an einem Projekt zu beteiligen, das den Frauenanteil in Spitzenpositionen von Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen beleuchten soll. Es gehe um “eine kontinuierliche Erfassung der Daten zu Frauen in Führung” in der Zivilgesellschaft, so Giffey. Organisiert wird das Projekt gemeinsam mit dem Verein Fair Share of Women Leaders. Der Verein werde “systematisch Daten zur Entwicklung des Anteils von Frauen in Führungspositionen erheben, auswerten und veröffentlichen”, heißt es dazu aus dem Ministerium. “Daneben geht es um eine verstärkte Netzwerkarbeit und strategische Kooperationen der verschiedenen Organisationen.”

In einer im März 2020 veröffentlichten Pilotstudie hatte Fair Share of Women Leaders bereits 84 Organisationen und Stiftungen betrachtet. Dabei habe sich gezeigt, dass dort zu etwa 70 Prozent Frauen beschäftigt, aber nur rund ein Drittel der Positionen in Leitungs- und Kontrollgremien mit Frauen besetzt seien.

Tina Groll

Die Journalistin und Buchautorin Tina Groll arbeitet als Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Ihre Schwerpunkte sind Gleichberechtigung in der Arbeitswelt, Frauen und Karriere, Arbeitsrecht, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Pflege.

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