Die US-Rechtsprechung sorgt oft für Empörung in Europa. Doch dieses Urteil empfinden auch viele Amerikanerinnen als diskriminierend: Ein Zahnarzt in Iowa entließ seine Assistentin, weil er sie für “zu sexy” hielt.
Die Frau klagte wegen Diskriminierung – und verlor vor einem rein männlich besetzten Gericht, wie SPIEGEL ONLINE berichtet. Zehn Jahre lang hatte sie für den Arzt gearbeitet. Er behauptete, er habe um seine Ehe gefürchtet, da er der attraktiven Mitarbeiterin nicht widerstehen könne. Laut Bericht machte der Zahnartz seiner Assistentin über die Jahre immer wieder Avancen, die als sexuelle Belästigung gewertet werden könnten. Er soll sie mehrfach zweideutige SMS geschickt haben.
Diskriminierung? Nein, sagen die Richter
Die Richter sahen weder Diskriminierung noch Belästigung. Schon in der ersten Instanz argumentierten sie, nicht das Geschlecht der Gekündigten sei entscheidend, sondern allein die Gefühle des Arztes. Arbeitgeber dürften Mitarbeitende entlassen, wenn diese ihr Privatleben gefährdeten. Das Oberste Gericht von Iowa bestätigte dieses Urteil in der Berufung.
Für viele dürfte das Urteil ein Rückschlag im Kampf gegen sexuelle Belästigung und Übergriffe am Arbeitsplatz sein. Es bietet Tätern die Möglichkeit, Opfer mit fadenscheinigen Begründungen loszuwerden.
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