Wie scheitern Frauen?

Frau geht vor gelber Hauswand vorbei

Wer auf der Suche nach Erfolg ist, der sollte auch über das Scheitern nachdenken – und das auch in sein Erfolgsrezept einbeziehen. Auf der Karriereleiter scheitern heute scheinbar mehr Frauen als Männer. Worin aber unterscheiden sich Frauen von Männern beim Scheitern?

Misserfolge und Scheitern sind unvermeidlich und gehört zum Leben dazu. In Unternehmen wird das allerdings oft verdrängt. Erfolg ist ein Zustand, an dem man sich misst. Ein Scheitern kann und will sich niemand erlauben.

Frauen risikoscheuer als Männer

Laut einer Studie der Universität Hohenheim, die sich mit der Kultur des Scheiterns in Deutschland beschäftigt hat, stehen 54,2 Prozent der befragten Männer einem unternehmerischen Misserfolg positiv gegenüber. Bei den Frauen hingegen, sind es 46,7 Prozent und damit acht Prozent weniger. In diesem Fall scheinen sich alte Rollenklischees zu bewahrheiten: Unter den risikoscheuen Deutschen mögen die Männer doch eher das Risiko als Frauen und gründen häufiger Unternehmen. Frauen sind dagegen mehr sicherheitsfixiert und haben eine eher negativere Grundhaltung zu unternehmerischen Fehlschlägen.

Gutes Scheitern

Wer hingegen auf die richtige Art und Weise scheitert, akzeptiert die Situation und findet die Kraft, den eingeschlagenen Weg abzubrechen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, da in den meisten Fällen nicht nur Zeit und Geld investiert wurden, sondern auch Herzblut. Allerdings ermöglicht diese Einsicht eine neue Zielorientierung. Im Gegensatz dazu steht die schlechte Art zu scheitern, indem die Situation einfach geleugnet wird.

Frauen gehen anders mit dem Scheitern um

Hinsichtlich des Umgangs mit dem Scheitern, gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. So sind Männer im Allgemeinen verbissener und haben eher den Eindruck, dass sie als Männer nicht scheitern dürfen. Sie sind sehr wettkampforientiert, was in der Regel zu riskanten Deals führt, die sich auch gerne mal als Bumerang erweisen.

Frauen hingegen sind defensiver und nicht so sehr von Stolz getrieben. Sie sind zudem bedächtiger, ganzheitlicher und wägen mehr ab. Sie ertragen das Scheitern eher als Männer und suchen nicht im Vergleich zum anderen Geschlecht das große, theatralische Ende.

Laut Sigrid Meuselbach, Expertin für weibliche und männliche Karrieren in Wirtschaft und Wissenschaft, schaffen Frauen häufig ihre Erfolgsziele nicht, an denen sie überhaupt erst “inkompetent“ werden können. „So sehen sie dabei zu, wie ein Alpha nach dem anderen an ihnen vorbei klettert. Da sie aber nicht begreifen, welchen Anteil ihre falsche Bescheidenheit daran hat, ziehen sie sich ins Schneckenhaus zurück“, so Meuselbach.

Sabine Hockling

Seit vielen Jahren schreibt die Wirtschaftsjournalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin u.a. für die Medien ZEIT ONLINE, ZEIT Spezial, SPIEGEL ONLINE und Brigitte über die Themen Management, Arbeitsrecht und Digitalisierung. Als Autorin, Herausgeberin und Ghostwriterin veröffentlicht sie regelmäßig Wirtschaftsbücher.

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